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Opulent, bildgewaltig, epochal: der zweite Teil der Roman-Verfilmung löst das Versprechen seines Vorgängers ein und vollendet ein unvorstellbar gegoltenes Mammutprojekt

Am Ende von „Dune: Part 1“ (USA 2021) hat das durchtriebene Haus Harkonnen, angeführt vom sinistren Baron Vladimir (Stellan Skarsgård) und seinem feisten Neffen Glossu Rabban (Dave Bautista), den Wüstenplaneten Arrakis zurückerobert. Das ihnen verhasste Haus Atreides hingegen ist vernichtend geschlagen, der Herzog Leto (Oscar Isaac) wählt den Freitod durch eine Giftgas freisetzende Kapsel, viele seiner getreuen Kämpfer, darunter Duncan Idaho (Jason Momoa), sind im Kampf gefallen. Einzig Paul (Timothée Chalamet), Letos Sohn, und seine schwangere Mutter, die Bene Gesserit Lady Jessica (Rebecca Ferguson) können fliehen und werden vom Wüstenvolk Arrakis‘, den Fremen, aufgenommen. Mit ihrer Hilfe will sich Paul an den Harkonnen und dem Imperator Shaddam IV für den Verrat und die Auslöschung seines Vaters und seiner Freunde rächen.

© 2024 Warner Bros. Discovery. Alle Rechte vorbehalten.

Das ist die Ausgangsposition zu Beginn von Dune: Part 2. Zweieinhalb Jahre mussten Fans darauf warten, dass die Geschichte von „Dune“, dem legendären Science-Fiction-Roman von Frank Herbert aus dem Jahr 1965, fortgesetzt wird. Denis Villeneuves Entscheidung, seine Verfilmung auf zwei Filme aufzuteilen, war eine weise, nicht nur weil er dadurch eine gewisse Spannung aufbauen konnte, mit dem Cliffhanger am Ende des ersten Teils. Es erlaubte ihm auch, die Welt, in die er sein Publikum entführt und die Figuren, die ebendiese bevölkern, behutsam einzuführen und sorgfältig zu entwickeln. Am Anfang von „Part 2“ wissen wir, wer die Figuren sind, wo sie sich aufhalten, was sie hinter sich haben und was noch vor ihnen liegt. Für diejenigen, die die Bücher nicht gelesen haben oder womöglich gar nicht kennen – ich zähle zu ersteren – ist es vielleicht sogar eine ideale Ausgangslage. So oder so liegen die spannendsten, eindrucksvollsten und mitreißendsten 167 Minuten seit langer Zeit vor einem.

Nachdem Paul den Fremen-Krieger Jamis besiegt hat, werden er und Jessica von dem Volk angenommen, wenn auch immer noch argwöhnisch. Anführer Stilgar (Javier Bardem) ist überzeugt, dass Paul der prophezeite Messias, der „Lisan al-Ghaib“ ist, der sie in den Krieg um Arrakis anführen wird. Als die ehrwürdige Mutter im Sterben liegt, überredet Stilgar Jessica, ihren Platz einzunehmen, und das „Wasser des Lebens“ zu trinken, ohne zu wissen, welche Auswirkungen das auf sie und ihr ungeborenes Kind hat. Paul, der sich in das Fremen-Mädchen Chani (Zendaya) verliebt hat, lernt die Gebräuche der Fremen und sabotiert in weiterer Folge mit ihr und den anderen Kämpfern den „Spice“-Abbau der Harkonnens. Unzufrieden mit Glossu, holt Vladimir seinen jüngsten Neffen, den psychotischen Feyd-Rautha (Austin Butler) nach Arrakis, und will ihn nicht nur zu seinem Nachfolger als Baron, sondern zum nächsten Imperator machen. Shaddam IV (Christopher Walken) selbst schlägt die Warnungen seiner Tochter, Prinzessin Irulan (Florence Pugh), dass Paul Atreides noch lebt und Rache an ihm nehmen will, in den Wind. Doch Paul, der immer wieder von Visionen heimgesucht wird, die eine düstere Zukunft vorhersagen, hadert mit seiner Bestimmung. Aber kann er den großen interplanetaren Krieg überhaupt noch abwenden?

© 2024 Warner Bros. Discovery. Alle Rechte vorbehalten.

All die Zutaten, die bereits den Vorgänger zu einem einzigartigen Kinoerlebnis gemacht haben, das zurecht mit sechs Oscars ausgezeichnet wurde, werden auch hier wieder zur Perfektion gebracht: der Film baut von der ersten Minute an konstant Spannung auf und entwickelt sich dann, nach einer gemächlicheren ersten Hälfte, zu einem actiongeladenen Showdown erster Kategorie. Teil Zwei zeigt endlich mehr von den beeindruckenden Sandwürmern, für die die Bücher von Herbert so berühmt sind. Die Schlachtszenen um die Kommandozentrale von Arrakis, insbesondere aber der finale Kampf zwischen Feyd-Rautha und Paul, sind atemberaubend in Szene gesetzt. Aber „Dune: Part 2“ ist nicht nur ästhetisch eine Meisterleistung, auch die Schauspieler geben durch die Bank wieder eine hervorragende Figur ab, allen voran Timothée Chalamet, der zwischen Unsicherheit, Selbstzweifeln und kampfbereite Führungsqualitäten eine komplexe, starke Performance abgibt. Javier Bardem hat in einigen Momenten die Lacher auf seiner Seite, etwa an der Seite seines „No Country for Old Men“-Co-Stars Josh Brolin. Zendaya als Pauls Gefährtin Chani sorgt für einige der emotionalsten und tiefsten Momente des Films.

Greig Frasers imposante Bilder werden einmal mehr von einem atmosphärischen, mystisch angehauchten und vielschichtigen Soundtrack des zweifachen Oscargewinners Hans Zimmer untermalt. Wann es einen verdammt guten Zeitpunkt gegeben hat, sich einen Film auf der größtmöglichen Leinwand anzusehen, dann ist er jetzt, denn die Wirkung der weitläufigen Sanddünen entfaltet sich am besten in einem IMAX-Saal oder in einem „Dolby Cinema“. Für Filme wie „Dune“ werden solche Säle gebaut!

© 2024 Warner Bros. Discovery. Alle Rechte vorbehalten.

Teil 1 hat seinem Publikum einen epischen, aufregenden und triumphalen Kampf versprochen, Teil 2 hat abgeliefert! In den Annalen großer Science-Fiction-Werke, Superheldenfilme nicht inkludiert, werden die beiden „Dune“-Filme – und hoffentlich auch die Verfilmung von „Dune Messiah“, wann Villeneuve sich auch immer an die Umsetzung macht – in jedem Fall ihren fixen Platz einnehmen und neben Klassikern wie Kubricks „2001: A Space Odyssey“ (1968), der originalen „Star Wars“-Trilogie (1977 – 1983) und den beiden „Blade Runner“-Filmen von Ridley Scott (1982) und Villeneuve selbst (2017) stehen. Ganz großes Kino. Chapeau!

Wertung: vier von vier Sternen!

Trailer:

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