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Auch heuer durfte ich als akkreditierter Medienvertreter an den Internationalen Filmfestspielen von Berlin teilnehmen und ausgiebig über den Wettbewerb berichten.

Möglich wurde das erneut durch meine Zusammenarbeit mit „Uncut Movies“. Großen Dank gebührt an dieser Stelle Harald Zettler für die Einladung, Organisation und logistische Vorbereitungen sowie für das Vertrauen, das er in mich gesetzt hat. Dankend erwähnen möchte ich auch meine beiden Kollegen Christian Pogatetz und Janis Asprion, die die Filme der Nebenschienen „Special“, „Perspectives“ und „Panorama“ rezensiert haben. Ich empfehle, auch ihre Kritiken zu lesen, es lohnt sich.

Insgesamt sind in dieser 76. Ausgabe 22 Werke aus allen Ecken der Welt eingeladen worden, um den Wettbewerb um den Goldenen sowie die Silbernen Bären zu bestreiten. Alles in allem war es ein hochkarätiges Line-Up, das Festivaldirektorin Tricia Tuttle mit ihrem Team, darunter die Ko-Direktoren für die Programmierung, Michael Stütz und Jacqueline Lyanga, für die Berlinale selektiert hat. Für die Filmindustrie Österreichs gab es dieses Jahr besonderen Grund zur Freude, denn gleich zwei Filme haben es in den Wettbewerb geschafft, und beide waren wirklich sehr gut. Im Folgenden nun ein Überblick über die Preisträger und andere Beiträge von mir. Die Kritiken sind bis auf Weiteres exklusiv auf „Uncut“ abrufbar.

Goldener Bär für den besten Wettbewerbsbeitrag:

© 2026 Ella Knorz, if Productions, Alamode Film. Alle Rechte vorbehalten.

Den Hauptpreis des Festivals gewann nach 22 Jahren wieder mal ein deutscher Beitrag: in seinem Drama „Gelbe Briefe“ verhandelt Ko-Autor und Regisseur İlker Çatak die repressiven Methoden eines autoritären Regimes auf ein regierungskritisches Künstlerehepaar, das fortan um seine Sicherheit und Existenz fürchten muss. Komplett auf Türkisch gedreht und in den Metropolen Ankara und Istanbul angesiedelt, wurde der Film in Berlin (als Stand-in für Ankara) und Hamburg (Stand-in für Istanbul) gedreht. Gerade in der aufgeheizten politischen Atmosphäre rund um das Festival ein Bären-Gewinner, der seine Zeit reflektiert. Stark gespielt und mit viel Brisanz umgesetzt.

https://www.uncut.at/movies/kritik.php?movie_id=22969


Großer Preis der Jury:

© 2026 Liman Film. Alle Rechte vorbehalten.

Auch die zweitwichtigste Auszeichnung, der „Große Preis der Jury“, ging an ein Drama mit viel politischer Sprengkraft, das in der Türkei spielt: „Kurtuluş (Salvation)“ von Emin Alper spielt in einem Bergdorf, in dem zwei verfeindete Clans ihre Besitzansprüche auf das Territorium behaupten wollen. Zwei Brüder, der diplomatisch agierende Ferit (Feyyaz Duman) und der kampfbereite Mesut (Caner Cindoruk), streiten sich um die Führungsrolle. Alles läuft auf ein verheerendes völkerrechtswidriges Massaker hinaus. Ungemein dicht inszeniert, intensiv und erschütternd.

https://www.uncut.at/movies/kritik.php?movie_id=22971


Jurypreis sowie Silberner Bär für die besten Nebenrollen:

© 2026 Seafaring. Alle Rechte vorbehalten.

Zwei Preise gab es für das ungemein berührende Demenz-Drama „Queen at Sea“, der erst zweiten Spielfilmregiearbeit des US-amerikanischen Filmemachers Lance Hammer. Neben dem Jurypreis, quasi dritter Platz des Wettbewerbs, verlieh die Jury den Preis für die beste Nebenrolle an die beiden überragenden Schauspielveteranen Sir Tom Courtenay und Anna Calder-Marshall, die ein altes Ehepaar spielen, das durch die Demenzerkrankung der Frau vor große Probleme gestellt wird. Die Tochter der Frau, gespielt von einer nicht minder beeindruckenden Juliette Binoche, streitet sich mit ihrem Stiefvater darüber, wie man ihren Bedürfnissen am besten beikommen soll, ohne dabei ihre Autorität zu beschneiden. Tragisch und unvergesslich.

https://www.uncut.at/movies/kritik.php?movie_id=22975


Silberner Bär für die beste Hauptrolle:

© 2026 Schubert, ROW Pictures, Walker + Worm Film, Gerald Kerkletz. Alle Rechte vorbehalten.

Die beste Hauptrolle spielte nach Ansicht der Jury Sandra Hüller in Markus Schleinzers österreichischem Wettbewerbsfilm „Rose“. Nach Ende des Dreißigjährigen Kriegs (1618 – 1648) taucht der titelgebende Soldat in einem kleinen protestantischen deutschen Dorf auf und macht seinen Anspruch auf einen kleinen Gutshof geltend. Zunächst zweifelt niemand an der Echtheit der Dokumente und der Identität des Fremden. Rose heiratet sogar eine Tochter (Caro Braun) eines Großbauern (Godehard Giese). Weckt Erinnerungen an Filme wie „Sommersby“ (1993) mit Richard Gere oder „Boys Don’t Cry“ (1999) mit Hilary Swank. In wunderschönen Schwarz-Weiß-Bildern erzählt Schleinzer eine tragische Identitätsfabel, die von einer furiosen Hüller angeführt wird.

https://www.uncut.at/movies/kritik.php?movie_id=22976


Silberner Bär für die beste Regie:

© 2026 Shane O’Connor, Cowtown Pictures, Hot Properties. Alle Rechte vorbehalten.

Der Preis für die beste Regie wurde an den britischen Dokumentar- und Musikvideo-Regisseur Grant Gee für sein Spielfilmdebüt „Everybody Digs Bill Evans“ verliehen. Benannt nach dem legendären Live-Album der amerikanischen Blues-Legende, erzählt der Film, wie Evans (Anders Danielsen Lie) nach dem Tod seines Bassisten in eine tiefe Drogensucht fällt, aus der ihm erst seine Eltern (Bill Pullman und Laurie Metcalf) in Florida langsam heraushelfen. Pullman in der besten Rolle seiner Karriere ist eines der schauspielerischen Highlights des Festivals. Mit viel Atmosphäre inszeniert und ruhig erzählt, ist „Everybody Digs Bill Evans“ ein Pflichttermin für Musik-Fans.

https://www.uncut.at/movies/kritik.php?movie_id=22968


Silberner Bär für das beste Drehbuch:

© 2026 Alexandre Nour Desjardins. Alle Rechte vorbehalten.

Der Preis für das beste Drehbuch geht an Autorin und Regisseurin Geneviève Dulude-De Celles für ihr kanadisch-bulgarisches Drama „Nina Roza“. Als ein achtjähriges bulgarisches Mädchen in der Kunstszene als neues begabtes Wunderkind gefeiert wird, soll der nach Kanada ausgewanderte Kurator Mihail (Galin Stoev) in die Provinz reisen, um sicherzustellen, dass die Werke auch wirklich von der kleinen Nina (Zwillinge Ekaterina und Sofia Stanina) stammen. Gleichzeitig muss sich Mihail mit seiner eigenen belasteten Vergangenheit in seinem Heimatland auseinandersetzen. Schön bebildert und untermalt, mit einer anrührenden Story.

https://www.uncut.at/movies/kritik.php?movie_id=22974


Silberner Bär für eine herausragende künstlerische Einzelleistung:

© 2026 Mirabel Pictures. Alle Rechte vorbehalten.

Schließlich der Silberne Bär für eine herausragende künstlerische Leistung: diese kommt in diesem Jahr von den Regisseuren Anna Fitch und Banker White für ihre unkonventionelle Dokumentation „YO (Love is a Rebellious Bird)“, eine liebevolle Hommage an Fitchs verstorbener älterer Freundin Yolanda, die sie mit viel inszenatorischem Einfallsreichtum umgesetzt hat.

https://www.uncut.at/movies/kritik.php?movie_id=22982


Weitere Kritiken, die ich im Laufe der Berlinale geschrieben habe:

At the Sea“:

© 2026 ATS Production LLC. Alle Rechte vorbehalten.

Routiniert umgesetztes Suchtdrama, in dem Amy Adams nach einem Alkoholabsturz zu ihrer Familie nach Cape Cod zurückkehrt, um in ihr Leben zurückzufinden. Gut gespielt, aber zu konventionell.

https://www.uncut.at/movies/kritik.php?movie_id=22963


À voix basse (In a Whisper)“:

© 2025 UNITE. Alle Rechte vorbehalten.

Tunesisch-französisches Familiendrama, in dem der plötzliche Tod ihres Onkels die junge Ingenieurin Lilia (Eya Bouteraa) zwingt, ihre eigene Sexualität ihrer Mutter zu offenbaren und die Hintergründe des Todes zu erfragen.

https://www.uncut.at/movies/kritik.php?movie_id=22964


Dao“:

© 2026 Les Films Du Worso, Srab Films, Yennenga Productions, Nafi Films, Telecine Bissau Produções, Canal+ Afrique. Alle Rechte vorbehalten.

Ungemein langwieriges und langweiliges Drama, das über drei Stunden zwischen einer Trauerfeier in Guinea-Bissau und einer ausgelassenen Hochzeitsfeier in Frankreich hin- und herpendelt.

https://www.uncut.at/movies/kritik.php?movie_id=22965


Dust“:

© 2026 A Private View, Toon Aerts. Alle Rechte vorbehalten.

Belgisches Drama über zwei raffgierige Investoren, deren Finanzbetrug auffliegt. Ihnen bleiben nur 36 Stunden Zeit. Was tun sie? Trotz zweier unsympathischer Protagonisten ein durchaus menschliches Dilemma.

https://www.uncut.at/movies/kritik.php?movie_id=22966


Etwas ganz Besonderes“:

© 2026 Trimafilm, Adrian Campean. Alle Rechte vorbehalten.

Mit einer an „The Voice of Germany“ angelehnten Casting-Show als narrativem Aufhänger lässt Eva Trobisch ein Teenager-Mädchen und ihre Familie sich auf die Suche nach der eigenen Identität begeben, um herauszufinden, was sie wirklich ausmacht. Eingängige Songs, spielfreudige Akteure: mitreißend.

https://www.uncut.at/movies/kritik.php?movie_id=22967


Josephine“:

© 2026 Josephine Film Holdings, LLC. Alle Rechte vorbehalten.

Dicht inszeniertes, hervorragend gespieltes Drama über ein achtjähriges Mädchen, das am helllichten Tag in einem Park in San Francisco Zeugin einer Vergewaltigung wird und daraufhin nicht weiß, wie sie damit umgehen soll. Channing Tatum, Gemma Chan und besonders Newcomerin Mason Reeves geben Glanzvorstellungen.

https://www.uncut.at/movies/kritik.php?movie_id=22970


The Loneliest Man in Town“:

© 2026 Vento Film. Alle Rechte vorbehalten.

Lakonisches, witziges und anrührendes filmisches Denkmal für die österreichische Blues-Legende Al Cook, der eine fiktionalisierte Version von sich selbst spielt.

https://www.uncut.at/movies/kritik.php?movie_id=22979


Meine Frau weint“:

© 2026 Blue Monticola Film. Alle Rechte vorbehalten.

Ohne Zweifel der schlechteste Film des Wettbewerbs. Ein Ehepaar schlittert in eine Krise, als die Frau in einen verheerenden Autounfall mit ihrem Tanzlehrer gerät.

https://www.uncut.at/movies/kritik.php?movie_id=22972


Moscas (Flies)“:

© 2026 Kinotitlán. Alle Rechte vorbehalten.

Ein kleines, aber sehr feines Filmjuwel aus Mexiko. Aus Geldnot nimmt sich die 55-jährige Witwe Olga (Teresita Sánchez) einen Untermieter, und schließt Freundschaft mit dessen kleinen Sohn. Bewegend.

https://www.uncut.at/movies/kritik.php?movie_id=22973


Rosebush Pruning“:

© 2026 Felix Dickinson. Alle Rechte vorbehalten.

Starbesetzte schwarze Familienkomödie über vier reiche amerikanische Geschwister in Spanien, die zunehmend auseinanderdriften und ein düsteres Geheimnis um ihre verstorbene Mutter aufdecken. Mit dabei: Jamie Bell, Riley Keough, Callum Turner, Lukas Gage, Elena Anaya, Elle Fanning, Tracy Letts und Pamela Anderson.

https://www.uncut.at/movies/kritik.php?movie_id=22977


Wo Men Bu Shi Mo Sheng Ren (We Are All Strangers)“:

© 2026 Giraffe Pictures. Alle Rechte vorbehalten.

Singapurische Tragikomödie, in der ein verwitweter Vater und sein 21-jähriger Sohn mit ihren Ehefrauen auf engem Raum zusammenleben und Höhen und Tiefen durchstehen.

https://www.uncut.at/movies/kritik.php?movie_id=22981


Yön Lapsi (Nightborn)“:

© 2026 Pietari Peltola. Alle Rechte vorbehalten.

Der einzige Genrefilm des Wettbewerbs 2026 ist ein finnischer Horrorfilm, in dem einmal mehr eine Mutter (Seidi Haarla) Probleme mit ihrem Neugeborenen bekommt, was groteske Wendungen nimmt. Als leidgeprüfter Ehemann tritt Rupert Grint in Erscheinung.

https://www.uncut.at/movies/kritik.php?movie_id=22983


The Testament of Ann Lee“:

© 2026 Searchlight Pictures. Alle Rechte vorbehalten.

Die einzige Kritik, die nicht im Rahmen des Wettbewerbs entstanden ist. Nach der Uraufführung im Wettbewerb von Venedig 2025 brachte Ko-Autorin und Regisseurin Mona Fastvold gemeinsam mit ihrer Hauptdarstellerin Amanda Seyfried und Komponist Daniel Blumberg ihre prachtvolle Musical-Biografie „The Testament of Ann Lee“ in einer „Special Gala“ nach Berlin. Mitreißend inszeniert, wenn auch erzählerisch etwas dünn, gibt Seyfried eine gewohnt furchtlose und eindrucksvolle Darbietung als Gründerin der „Shaker“-Bewegung, singender und tanzender Quäker in der Mitte des 18. Jahrhunderts.

https://www.uncut.at/movies/kritik.php?movie_id=22128


Weitere persönliche Highlights meiner Berlinale 2026:

Bei der Pressekonferenz zu Lance Hammers zweifach ausgezeichnetem Demenz-Drama „Queen at Sea“ durfte ich Fragen an den Regisseur sowie die beiden preisgekrönten Nebendarsteller Sir Tom Courtenay und Anna Calder-Marshall stellen (ab Minute 20:33):


Bei der darauffolgenden Pressekonferenz zu Padraic McKinleys packendem Western-Drama „The Weight„, das seine Premiere im Rahmen einer „Berlinale Special Gala“ feierte, durfte ich dann auch eine kurze Frage an Hauptdarsteller Ethan Hawke stellen (ab Minute 36:58):


Und zu guter Letzt durfte ich zwar keine Frage auf der Pressekonferenz von „The Testament of Ann Lee“ stellen, dafür aber im Anschluss noch ein gemeinsames Foto mit Amanda Seyfried machen:

Das war also die 76. Berlinale. Es war sehr schön, es hat mich sehr gefreut. Hoffentlich auf ein Wiedersehen im Februar 2027!

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