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In James Camerons drittem von insgesamt fünf geplanten Ausflügen auf den Mondplaneten Pandora stehen Jake Sully, Neytiri und ihre Gefährten längst nicht mehr nur die raffgierigen Menschen entgegen. Wie schlägt sich das neue Science-Fiction-Epos?

© 2025 Walt Disney Pictures, 20th Century Studios. Alle Rechte vorbehalten.

Eins muss man James Cameron ja lassen: er weiß, wie man bildgewaltige Blockbuster produziert und inszeniert. Seine Bildsprache ist jedes Mal aufs neue opulent und satt. Die Farben prächtig, das Design so überwältigend, dass man gar nicht alles sofort mitbekommt, was er da – in 3D noch dazu – auf die Leinwand zaubert. Technisch setzt der kanadische Regiederwisch schon seit Jahrzehnten, angefangen mit „The Terminator“ 1984, jedes Mal neue Maßstäbe. Als Geschichtenerzähler, nun ja, da ist er nicht immer über jeden Zweifel erhaben. Seine Vorliebe für waffenschwingende Militärs oder Killercyborgs, die unerbittlich Jagd auf künftige Rebellenführer machen, wird ihm oft und gerne entgegengehalten, besonders im Lichte der Problematik der vielen Waffengewalt, mit der unsere Gesellschaft schon seit Jahrzehnten zu kämpfen hat, und das nicht nur in Kriegsgebieten.

Die „Avatar“-Reihe, die mit dem ersten Teil 2009 seine überaus erfolgreiche Feuertaufe bestanden hatte, indem er als erster Film Einnahmen jenseits von zwei Milliarden Dollar lukrieren konnte, versteht sich einerseits als Kolonialismus-Kritik – die bösen privilegierten Menschen fallen über ein verglichen mit ihrer Entwicklung primitives und leicht zu unterdrückendes Volk her, um ihre Ressourcen auszubeuten – , andererseits auch als Kritik am ausbeuterischen Umgang der Menschen mit der kostbaren Flora und Fauna des Planeten, der sie beherbergt. Das alles hat er geschickt in einen aufregenden Abenteuer-Plot mit Science-Fiction-Elementen verpackt und auf inzwischen drei dreistündige epische Filme aufgedröselt.  Ja, als Zuschauer fiebert man mit den blauen Ureinwohnern Pandoras, den Na’vi, mit, wie sie sich gegen die geballte militärische Kraft eines nicht satt werdenden Unternehmens auflehnt, um ihren kostbaren Lebensraum zu verteidigen, während die unseresgleichen von Flugtieren gefressen und Trampeltieren zerdrückt werden.

© 2025 Walt Disney Pictures, 20th Century Studios. Alle Rechte vorbehalten.

Dass wir Menschen es nicht besser wissen, und nach jedem Rückschlag zu unseren schlechten Angewohnheiten zurückkehren, beweist Cameron eindrücklich in der Fortsetzung „Avatar: The Way of Water“ (2022), die sechzehn Jahre nach den Ereignissen des ersten Teils spielt und dreizehn Jahre nach dessen Kinostart anlief. Darin führt er eine berauschende Unterwasserwelt ein, mit riesigen Meeressäugern, genannt „Tulkune“, die zum Spaß und Adrenalinkick von skrupellosen Jägern aufgespürt und dezimiert werden. Auch hier ist die Botschaft klar: warum verseuchen wir unsere Meere, wenn sie mehr als zwei Drittel der Oberfläche unseres Planeten ausmachen und noch dazu von anderen Lebewesen bevölkert werden, die genauso ein Recht auf eine friedliche Existenz haben wie wir? Ist der Mensch wirklich so primitiv bösartig? Die Antwort lautet natürlich, und das ist bedauerlich zuzugeben, „Ja!“

Nun sind wir beim dritten Teil angekommen, und für Cameron ist es an der Zeit, die Herrschaftsverhältnisse auf Pandora und die Gut-Böse-Dichotomie etwas aufzulockern. Der seit dem ersten Teil als Protagonist mitwirkende Jake Sully (Sam Worthington), der einst selbst als querschnittsgelähmter Ex-Marine nach Pandora kam, allerdings um auf diplomatischem Wege im Körper eines Na’vi eine Lösung des Konflikts herbeizuführen, hat mit seiner Gefährtin Neytiri (Zoë Saldaña) beim Showdown von „The Way of Water“ den ältesten Sohn Neteyam (Jamie Flatters) verloren. Sie leben mit dem Clan der Metkayina zusammen, der in den Buchten Pandoras beheimatet ist. Die Menschen haben Jake und Neytiri aus ihrer gewohnten Umgebung vertrieben. Die drei anderen Kinder der Beiden – Sohn Lo’ak (Britain Dalton), der diesmal als Erzähler fungiert, Tochter Tuktirey (Trinity Jo-Li Bliss) und Adoptivtochter Kiri (Sigourney Weaver) haben mit dem Verlust ebenfalls stark zu kämpfen. Besonders Lo’ak, da er sich für den Tod seines großen Bruders verantwortlich fühlt und ähnlich wie sein Vater ein ziemlicher Sturkopf ist. Dann ist da noch „Spider“ (Jack Champion) – Sohn des Erzfeindes der Familie, Quaritch (Stephen Lang) – der als Mensch unter den Na’vi lebt. Er ist in ihrer Obhut aber nicht mehr sicher, und Jake und Neytiri handeln einen Deal mit den Tlalim, einem Volk von Lufthändlern, aus, ihn zu den wenigen verbliebenen Menschen zu bringen, mit denen die Na’vi auskommen.

© 2025 Walt Disney Pictures, 20th Century Studios. Alle Rechte vorbehalten.

Bei der Reise greift jedoch ein weiterer Clan, die Mangkwan, oder „Asche“-Volk, unter Führung der unberechenbaren und hasserfüllten Varang (Oona Chaplin) an. Sie gibt der spirituellen Gottheit Pandoras, Eywa, die Schuld daran, dass ein Vulkan ihr Land zerstört hat, und will die anderen Völker dafür büßen lassen. Das wiederum kommt Quaritch mehr als recht, denn der Feind seines Feindes ist praktisch sein Freund. Also hilft er ihr, indem er ihr beibringt, wie man mit Waffen umgeht. So entspinnt sich ein unerbittlicher Krieg, in denen Allianzen geschmiedet und wieder verworfen, alte und neue Konflikte vom Zaun gebrochen werden und die Zukunft eines ganzen Planeten verhandelt wird, der womöglich am Ende des Krieges gar nicht mehr richtig bewohnbar sein wird.

Von den drei Filmen fühlt sich dieser dritte Teil am dichtesten an. Es gibt mehr Figuren, es gibt mehr Handlungsstränge und daher auch mehr Plot Points. Dass „Fire and Ash“ vom direkten Vorgänger abgenabelt wurde, da die komplette Handlung des ursprünglichen zweiten Teils viel zu sehr ausgeufert wäre, macht rückblickend durchaus Sinn. Die Schwächen im Erzähltempo des Vorgängers und die Längen, die dieser nach sich gezogen hat, werden hier wieder ausgemerzt. Der Geschichte tut auch das Auftreten des „Asche“-Clans, der frischen Wind in das ausgereizte bisherige politische Gefüge bringt, gut. Der Film schließt den großen Bogen, der von „The Way of Water“ begonnen wurde, mit einer mitreißenden Schlacht ab, die sogar jene des ersten Teils noch einmal übertrifft. Ich erwischte mich immer wieder dabei, bei entscheidenden Momenten eine Jubelfaust zu recken. Ein besonders einprägsamer Moment ist dabei Kiri, die Sigourney Weavers legendären „Get away from her, you bitch“-Moment aus Camerons „Aliens“ zitiert.

Alles in allem bleibt zu sagen, dass Cameron hier wieder ein rundum gelungenes und technisch makelloses 3D-Spektakel abgeliefert hat. Besonders stark präsentiert sich hier Zoë Saldaña, die Neytiri mit einer großen emotionalen Intensität ausstattet, die für einige starke Szenen sorgt. Von mir aus kann er gerne seine beiden weiteren Kapitel nachschieben, denn „Fire and Ash“ zeigt, dass immer noch viel Potenzial im Franchise steckt.

Wertung: drei von vier Sternen!

Trailer:

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