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Es gibt sie noch, originelle und wirklich sympathische romantische Komödien. Jonathan Levines Genrebeitrag „Long Shot“ glänzt mit bestens aufgelegten Darstellern und einer überraschend klugen Story. Zum 50. Geburtstag von Charlize Theron am 7. August 2025.

© 2019 Lionsgate, Summit Entertainment. Alle Rechte vorbehalten.

Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein Typ wie Seth Rogen – bärtig, gerne mal kiffend, mit unanständigem Humor – bei einer Traumfrau wie Charlize Theron landen könnte? Das ist die zentrale dramatische Frage, die Regisseur Jonathan Levine in seiner romantischen Komödie „Long Shot“ (2019) zu beantworten versucht. Das dem Film zugrundeliegende Drehbuch wurde zunächst Anfang der 2010er Jahre von Dan Sterling entwickelt, und dann als Levine, Rogen und schließlich auch Theron an Bord waren, von Liz Hannah überarbeitet und aktualisiert. Hannah machte sich 2017 einen Namen, als sie für Regisseur Steven Spielberg das Skript zu seinem Politdrama „The Post“ schrieb, in dem die beiden Schauspieltitanen Meryl Streep und Tom Hanks als Chefredakteure zweier einflussreicher Tageszeitungen entgegen der Widerstände korrupter Mächte einen weitreichenden Politskandal publik machen wollen.

Long Shot“ ist keine, typische, oder gar generische Rom-Com, und hebt sich angenehm von Genrevertretern jüngerer Vergangenheit ab. Er erinnert vielmehr an die Glanzzeiten des Genres während der 1980er und 1990er Jahre, als Filme wie „When Harry Met Sally…“ (1989), „Pretty Woman“ (1990), „Sleepless in Seattle“ (1993) und „Dave“ (1993) ihr Publikum zum Lachen und Schwärmen brachten. All die Qualitäten, die diese Werke ausmachen, schien Hollywood im Laufe der Zeit vergessen oder verdrängt zu haben. Sympathische Hauptfiguren, mit denen man mitfiebern kann und denen man ihr lange ersehntes Happy End gönnt, so unterschiedlich sie in Aussehen, Wesen und Lebensumstände auch sein mögen. Verwicklungen und Verstrickungen, die Spannung erzeugen und die zwei Stunden im Kinosessel oder vor dem Fernseher wie im Flug vergehen lassen. Und ein zufriedenstellendes Gefühl am Ende, das einen noch an das Schöne und Gute glauben lässt. Man könnte mir jetzt unterstellen, hoffnungslos naiv zu sein, wobei ich hoffnungslos romantisch bevorzugen würde.

© 2019 Lionsgate, Summit Entertainment. Alle Rechte vorbehalten.

Hier folgen wir also der Figur Fred Flarsky (Seth Rogen). Er ist ein idealistischer und moralisch integrer Journalist, der gerne mal Undercover eine Neonazi-Bande infiltriert, um sie öffentlichkeitswirksam bloßzustellen. Weil sein Medium aber von dem machthungrigen Medienmogul Parker Wembley (Andy Serkis, der ganz offensichtlich von Breitbart-Chef und Trump-Intimus Steve Bannon inspiriert ist) übernommen wird, kündigt er zum Trotz. Als er mit seinem besten Freund Lance (O’Shea Jackson Jr.) auf eine Benefizgala mit seiner Lieblingsband „Boyz II Men“ als Hauptact geht, ist dort auch die amerikanische Außenministerin Charlotte Field (Charlize Theron) anwesend, die in ihrer Jugend Freds Babysitterin war und in die er einst verliebt war. Charlotte, die sich darauf vorbereitet, die nächste demokratische Präsidentschaftskandidatin zu werden, engagiert Fred kurzentschlossen als ihren neuen Redenschreiber, zum Entsetzen ihrer biederen Berater Maggie (June Diane Raphael) und Tom (Ravi Patel). Doch nach ein paar Startschwierigkeiten findet sich Fred in Charlottes Umfeld immer besser zurecht und die beiden kommen sich unverhofft bald näher. Wie kann ihre aufkeimende Beziehung aber im Lichte der Öffentlichkeit und mit einflussreichen und intriganten politischen Gegnern wie Wembley bestehen?

Wer, so wie ich, die Karriere von Charlize Theron über die letzten 25+ Jahre verfolgt hat, der weiß drei Dinge. Erstens: ich könnte ihr zwei Stunden dabei zusehen, wie sie aus dem Telefonbuch vorliest, und wäre immer noch fasziniert und begeistert. Zweitens: sie spielt ihre Rollen nicht, sie verkörpert sie ohne Furcht und ohne Tadel. Und drittens: sie sollte viel mehr komödiantische Rollen wie diese verkörpern. Klar, man kennt sie als wandelbares Chamäleon, das sich als grausame, aber dennoch bemitleidenswerte Serienmörderin Aileen Wuornos in „Monster“ 2003 alle wichtigen Filmpreise erspielen konnte, als knallharte Actionheroine wie Imperator Furiosa in „Mad Max: Fury Road“ (2015) oder Geheimagentin Lorraine Broughton in „Atomic Blonde“ (2017), die sich von ihren männlichen Kollegen unter gar keinen Umständen die Schneid abkaufen lässt. Aber selten bekommt man die Gelegenheit, sie von einer verspielteren und leichteren Seite zu sehen. Die vielleicht größte Überraschung des Films ist ihre glaubwürdige Chemie mit Ko-Star Seth Rogen. Mit dem für seinen tiefen Bariton und sein markantes Lachen bekannten Komiker, der wiederum selten, aber doch auch in ernsteren Gefilden unterwegs ist, harmoniert sie erstaunlich gut und balanciert seine komödiantische Energie, wenn sie einmal überbordet, mit ihrer ruhigen Präsenz aus. Theron selbst darf aber auch mal albern sein, etwa wenn sie mit Rogen high wird.

© 2019 Lionsgate, Summit Entertainment. Alle Rechte vorbehalten.

Long Shot“ funktioniert auch erstaunlich gut als unterschwelliger Kommentar zur damals wie heute gegenwärtigen politischen Situation. Nicht nur Andy Serkis als Steve Bannon-Verschnitt, auch Bob Odenkirk als US-Präsident, der sich lieber wieder der Schauspielerei zuwendet, als eine weitere Amtszeit im Weißen Haus zu verbringen, ist eine mehr oder weniger offensichtliche Karikatur amerikanischer Politiker.

Der Humor zündet jedoch nicht immer, und manche Gags, etwa ein handlungstragender gegen Ende des Films, der die Beziehung des Paares gefährdet, driftet doch mehr in Richtung untere Gürtellinie ab. Das mindert aber das grundsätzlich positive Filmerlebnis nur geringfügig. Die Anleihen, die „Long Shot“ bei anderen Genrebeiträgen, allen voran „Pretty Woman“ – etwa mit der Powerballade „It Must Have Been Love“ des schwedischen Popduos „Roxette“ – nimmt, gibt dem Film einen herrlich altmodischen Charme. Generell setzt Levine hier einige gute musikalische „Needle Drops“, etwa von Bruce Springsteen, Robyn, Cameo und natürlich Boyz II Men. So bietet „Long Shot“ zwei Stunden kurzweilige, unbeschwerte und sehr romantische Unterhaltung. Dieses ungleiche Paar hat die Herzen und die Lacher auf ihrer Seite.

Trailer:

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