Meisterhaft inszenierte Rekapitulation einer wahren Beinahe-Tragödie: Ron Howard schickt Tom Hanks, Bill Paxton und Kevin Bacon auf eine schicksalhafte Mondmission. In memoriam Jim Lovell (1928 – 2025)
„Houston, we have a problem!“ Das ist einer dieser Sätze, die sich in den vergangenen Jahrzehnten zu einem geflügelten Wort entwickelt haben. Ein simpler, aber doch aussagekräftiger Satz, hinter dem weit mehr steckt, als man auf dem ersten Blick vermuten könnte. Es ist vielmehr der Kontext, der die Bedeutung dieses Satzes unterstreicht. Das Zitat stammt von Astronaut Jim Lovell während des Fluges der „Apollo 13“-Mission der NASA zum Mond im April 1970, nicht einmal ein Jahr nachdem Neil Armstrong und Buzz Aldrin, Teilnehmer von „Apollo 11“, als erste Menschen Fuß auf den Mond setzen konnten. Pete Conrad und Alan Bean schafften als Teil der „Apollo 12“-Mission im November 1969 ebenfalls einen Mondspaziergang. Wäre alles nach Plan gelaufen, hätte sich Lovell (Tom Hanks) mit seinen Kollegen Fred Haise (Bill Paxton) und Jack Swigert (Kevin Bacon) in diese elitäre Liste inkludieren können. Doch es sollte nicht sein.

Wie konnte es zu diesem Unglück kommen? Und wie gelang es der NASA, eine der größten Katastrophen der bemannten Raumfahrt noch abzuwenden und die drei Astronauten sicher und vor allem unversehrt nach Hause zu holen? Diese unglaubliche wahre Geschichte brachten Produzent Brian Grazer und Regisseur Ron Howard im Sommer 1995 auf die internationalen Kinoleinwände und schufen damit einen der packendsten Blockbuster in einem Jahrzehnt, in dem sich die breitenwirksame Kinokunst mit Riesenschritten in Richtung Jahrtausendwende weiterentwickelte. Das Drehbuch von William Broyles Jr. und Al Reinert basiert auf dem von Lovell und dem Journalisten Jeffrey Kluger geschriebenen Buch „Lost Moon“, das 1994 publiziert wurde. Darin schildert der Kapitän der „Apollo 13“-Mission seinen gescheiterten Traum, seinen eigenen Fußabdruck auf dem Mond zu hinterlassen.
„Apollo 13“ ist eine Geschichte über spektakuläres Scheitern. Aber es ist auch eine Geschichte über das Überleben, über den menschlichen Spirit, und über die tapferen Männer: nicht nur Lovell, Haise und Swigert im All, sondern über die NASA-Angestellten im Kontrollzentrum, angeführt von Flugdirektor Gene Kranz (Ed Harris) und Ken Mattingly (Gary Sinise), der eigentlich anstelle von Swigert hätte zum Mond fliegen sollen, wäre er nicht wenige Tage vor der Mission wegen des letztlich unbegründeten Verdachts einer Masernansteckung abgezogen worden. Mattingly arbeitete dafür fieberhaft an einer Lösung für seine Kameraden an Bord der „Odyssey“, der nach einer Explosion des Sauerstofftanks infolge eines elektrischen Kurzschlusses langsam aber sicher die Luftzufuhr ausgeht. Sorgen bereitet den Wissenschaftlern aber auch der scheinbare mangelhafte Hitzeschild der „Odyssey“, der beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre ein Inferno hätte verursachen können. Eine spannendere Story hätte sich kein noch so ausgefuchster Hollywood-Autor einfallen lassen können.

Aber „Apollo 13“ ist kein effekthascherischer Film, und Ron Howard kein gewissenloser Blockbuster-Macher. Und genau das hebt diesen Film von der grauen Masse ab. Er und seine Crew, darunter Kameramann Dean Cundey und VFX-Supervisor Robert Legato, haben weder Kosten noch Mühen gescheut, um die Mission so realistisch und wahrheitsgetreu wie nur möglich zu inszenieren. Nicht eine Einstellung des Films ist aus Archivaufnahmen der Berichterstattung rund um die Rettungsaktion entlehnt worden. Mit Hilfe der NASA filmten Howard und sein Team fast vier Stunden an Material von Schwerelosigkeitssituationen an Bord eines eigens dafür verwendeten Flugzeugs. Das Auge für Details endete aber nicht mit der technischen Expertise. Auch die Angehörigen der Astronauten berieten und informierten die Filmemacher über ihre Erlebnisse während der schicksalhaften Tage, etwa auch Jim Lovells Ehefrau Marilyn (1930 – 2023), im Film gespielt von Kathleen Quinlan, die tatsächlich ihren Ehering beim Duschen verlor und dies als böses Omen bezeichnete.
Howard inszeniert „Apollo 13“ als mitreißendes, spannendes und dichtes Dokudrama. Nie theatralisch aufgebauscht, wie es Kritikerlegende Roger Ebert einst folgerichtig beschrieb, schafft er allen Beteiligten hier ein emotionales Denkmal. Was als triumphaler Moment in der Geschichte der NASA geplant war, wurde in der Tat einer, aber auf ganz andere Weise, und der Film vermittelt dies auf subtile Weise, auch dank der durch die Bank exzellenten Besetzung. Komponistenlegende James Horner untermalt den Film mit einer atemberaubend guten Filmmusik. Man kann diese Geschichte eigentlich gar nicht besser verfilmen als es hier der Fall war. Der Lohn dafür war ein großer Erfolg an den Kinokassen, viel Kritikerlob und Nominierungen bei allen großen Preisverleihungen, darunter vier „Golden Globe Awards“ und neun „Academy Awards“, wobei es eigentlich runde zehn hätten sein müssen: Ron Howard nicht für seine überragende Regieleistung zu nominieren, wird sich mir nie erschließen. Sound und Filmschnitt konnten schließlich gewonnen werden.

„Scheitern ist keine Option!“ ist ein weiterer Satz, der sich zum geflügelten Wort entwickelt hat. Und so wie Gene Kranz es an einer Stelle tönt, machen auch Ron Howard und seine Besetzung und Crew hier keine Kompromisse. „Apollo 13“ ist in der Tat „die größte Stunde“ der NASA, und sie wurde eindrucksvoll und nachhaltig ergreifend auf der großen Leinwand verewigt. Ein Tribut an die furchtlosen Männer und Frauen. Und eine starke Überlebensgeschichte, die unvergessen bleibt. Godspeed, Jim Lovell.
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