Einmal geht’s noch: Christopher McQuarrie und Tom Cruise zünden einmal mehr ein abgefahrenes, wenn auch narrativ überladenes Stuntfeuerwerk. Vorhang auf für Ethan Hunts achte (!) unmögliche Mission. Spoilerwarnung!
Nun ja, streng genommen ist es ja eigentlich immer noch die siebte, wenn man bedenkt, dass es sich bei „The Final Reckoning“ um den zweiten Teil von Episode 7, „Dead Reckoning“ von vor zwei Jahren handelt. Damals triggerte eine außer Kontrolle geratene KI namens die „Entität“ an Bord des russischen U-Boots „Sevastopol“ eine Katastrophe nahezu biblischen Ausmaßes. Im Meeresgrund versunken, greift die „Entität“ die komplette digitale Infrastruktur der Welt an. Einziger Zugang zum Quellcode sind zwei ineinandergreifende Schlüssel, hinter denen eine ganze Reihe an Helden und Schurken her sind. Neben Ethan Hunt (Tom Cruise) und seinem treuen Team rund um Luther (Ving Rhames) und Benji (Simon Pegg) waren da noch die gerissene Diebin Grace (Hayley Atwell), CIA-Direktor Eugene Kittridge (Henry Czerny) und Waffenschieberin Alanna Mitsopolis aka die „Weiße Witwe“ (Vanessa Kirby) auf der Jagd. Hunts gefährlichster Gegenspieler aber ist ein Mann, den er noch aus seiner Zeit vor seinem aufregenden Agentenleben kennt: Gabriel (Esai Morales), der als geheimnisvoller Adjutant der „Entität“ auftritt und Ilsa Faust (Rebecca Ferguson) ermordet. Am Ende von „Dead Reckoning“ flieht Hunt schließlich mit dem Schlüssel, nachdem ein Orient-Express in Richtung Innsbruck mit allen Protagonisten und Antagonisten an Bord von Gabriel zur Entgleisung gebracht wird.

Das neue Abenteuer setzt nun zwei Monate nach den Ereignissen des siebten Teils ein. Die „Entität“ hat die Welt komplett an den Rand eines verheerenden Vernichtungskriegs geführt, ein Atomwaffenarsenal nach dem anderen fällt unter ihre Kontrolle, bis nur noch die führenden Atommächte Zugriff auf ihre Raketen haben. Hunt ist immer noch auf der Flucht und beim Versuch, die KI ein für allemal unschädlich zu machen. Um die „Entität“ aber vernichten zu können, braucht er neben dem Quellcode im Inneren der „Sevastopol“, die nahe Alaska versunken ist, auch ein von Luther gebautes Virusmodul, die sogenannte „Giftpille“. Gemeinsam mit Gabriels einstiger Auftragskillerin Paris (Pom Klementieff), die sie aus dem Gefängnis Graz-Karlau befreien, und dem zu ihrem Team übergelaufenen Agenten Degas (Greg Tarzan Davis) müssen Hunt und sein Team in einem irrsinnigen Wettlauf gegen die Zeit den Weltuntergang verhindern.
Ob es sich hier tatsächlich um das große und unwiederbringliche Finale der „Mission: Impossible“-Reihe handelt, darüber darf getrost spekuliert werden. Es fühlt sich jedenfalls von Anfang an wie die Kulmination und der große Showdown eines Franchise an, das seit inzwischen fast 30 Jahren für unglaubliche Stunts und spektakuläre Heists gesorgt hat. Regisseur Christopher McQuarrie und Ko-Autor Erik Jendresen spannen hier den Bogen zwischen den vergangenen sieben Teilen und spitzen alle Ereignisse, alle Entscheidungen daraus hin zu einem fulminanten Showdown. Das ist ein dramaturgischer Drahtseilakt, der leider nicht wirklich aufgeht. Die erste Hälfte der immerhin stattlichen 170 Minuten wird für behäbige Exposition verwendet, die zwar auf die actiongeladene Auflösung vorbereitet, das Erzähltempo aber zeitweise stark drosselt. Dafür liefern sie aber für aufmerksame Langzeitfans das eine oder andere „Easter Egg“ und beantworten Fragen, die sich diese seit Jahrzehnten gestellt haben dürften. Das erfordert aber wiederum ein Maß an Vorwissen über die sieben vorherigen Teile.

Was „The Final Reckoning“ auch an dramaturgischen Schwächen aufweist, wird durch die beiden unfassbaren Actionsequenzen in der zweiten Hälfte des Films wieder wettgemacht. Was Tom Cruise und sein Stuntkoordinator Wade Eastwood da zu Lande, unter Wasser und vor allem in der Luft veranstalten, ist ganz große Kunst. Hier spielen die Filmemacher dann auch die großen Stärken der „Mission: Impossible“-Reihe aus. Da darf Cruise in ein versunkenes U-Boot tauchen, das gefährlich nahe in die dunklen Tiefen des Meeres taumelt und später auf zwei Doppeldeckerflugzeugen hoch in der Luft hängen. Nimmt die Action erst einmal Fahrt auf, dann reißt es mich als Zuschauer so richtig mit. Das liegt auch an den eingespielten Darstellern.
Neben Tom Cruise sind dies der wiederkehrende Ving Rhames, der als einziger in allen acht Filmen mit dabei war und diesmal ein paar besonders emotionale Momente bekommt. Fürs „Comic Relief“ wird Simon Pegg die wortkarge, aber in bestimmten Situationen dennoch pointierte Pom Klementieff zur Seite gestellt. Dazu kommt dann noch der aus dem ersten Teil bekannte Rolf Saxon, der als einstiger CIA-Angestellter und ins Exil nach Alaska verschiffte William Donloe für einige denkwürdige Szenen sorgt. Und sogar die Kommandozentrale der US-Regierung ist mit namhaften Charakterdarstellern wie Angela Bassett als Präsidentin Sloane, Nick Offerman, Holt McCallany und Janet McTeer bevölkert.

Ja, „Mission: Impossible – The Final Reckoning“ ist überladen, was die Vorgeschichte betrifft, was die Anzahl an handlungstragenden Figuren betrifft, und was seine Laufzeit von fast drei Stunden betrifft. Das ist der Preis, den die Filmemacher bezahlen müssen, um einen einigermaßen runden Abschluss einer achtteiligen Spionagereihe zu schaffen. Und ja, es sollte dann auch wirklich ein Abschluss sein, denn nach diesen acht Filmen ist schlichtweg keine Steigerung mehr möglich – es sei denn, Hunt und Konsorten fliegen ins Weltall. Außerdem hat Cruise nun längst bewiesen, dass keine, aber auch garantiert keine, Mission für ihn unmöglich ist.
Wertung: drei von vier Sternen!
Trailer: