Große Ankündigung in eigener Sache: ich werde 2025 als Filmjournalist bei dem größten deutschsprachigen Filmfestival teilnehmen.
Möglich macht dies die Webseite https://www.uncut.at, für die ich bereits seit einiger Zeit als freier Redakteur schreiben und Kritiken und Specials publizieren darf. An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an den Betreiber der Seite, Harald Zettler, für die Gelegenheit wie auch die organisatorischen und logistischen Bemühungen!
Meine Kritiken von der Berlinale, die zum größten Teil aus Beiträgen vom Hauptwettbewerb bestehen werden, werden aus diesem Anlass exklusiv auf „Uncut Movies“ zu lesen sein. Links zu den Artikeln und weitere Impressionen rund um die 75. Filmfestspiele in Berlin befinden sich auf dieser Seite und werden laufend aktualisiert.


„Like A Complete Unknown„: James Mangolds achtfach Oscar-nominierte Chronik der ersten Karrierejahre des Folk-Musikers und späteren Literaturnobelpreisträgers Bob Dylan:
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„Living the Land„: ruhiges, wenn auch langatmiges und schwer überschaubares Drama über eine vier Generationen umspannende Familie in der chinesischen Provinz zwischen archaischen Traditionen und der aufkommenden Moderne Anfang der 1990er Jahre:
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„Hot Milk„: vor der malerischen Kulisse der spanischen Küstenstadt Almería entfaltet sich die Dekonstruktion einer schwierigen Mutter-Tochter-Beziehung, wenn erstere einen Wunderheiler aufsucht, um sie von ihren Lähmungserscheinungen zu heilen und letztere sich in eine geheimnisvolle und verführerische Frau verliebt. Starke Performances, besonders von Fiona Shaw, aber auch von Emma Mackey und Vicky Krieps. Ich konnte im Foyer nach der Pressekonferenz Regisseurin Rebecca Lenkiewicz und Hauptdarstellerin Fiona Shaw im Vorbeigehen kurz zu ihrem Film gratulieren, was ein schöner Moment war.
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„Ari„: Autorin und Regisseurin Léonor Serraille lässt einen 27jährigen Grundschullehrer (Andranic Manet, eine Entdeckung) nach einem Nervenzusammenbruch und dem Rauswurf bei seinem Vater von Freund zu Freund ziehen, die alle unterschiedliche Auffassungen von ihrem Leben und ihren Hoffnungen, Träumen und Wünschen haben. Weniger eine Kritik an der mangelnden Arbeitsmoral jüngerer Generationen, sondern vielmehr eine ehrliche Charakterstudie eines Mannes, seiner berufliche Desillusion und sein zielloses Umherdriften.
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„Dreams„: ein mexikanischer Immigrant (Isaac Hernández) schlägt sich nach San Francisco durch, wo er eine Affäre mit einer älteren Philanthropin (Jessica Chastain) unterhält, die ihm bei seiner aufstrebenden Ballettkarriere helfen soll. Doch ihre sozialen und kulturellen Unterschiede sowie sein brennender Ehrgeiz belasten das ohnehin schon sehr fragile Liebesglück, das mit der Zeit immer toxischere Züge annimmt.
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„The Blue Trail„: ein Highlight des Wettbewerbs. Zu ihrem 77. Geburtstag erhält die rüstige Teresa (Denise Weinberg) von der brasilianischen Regierung einen goldenen Lorbeerkranz an ihrer Haustür montiert. Ach ja, und sie muss bald in die Seniorenkolonie umsiedeln, damit sie der hart arbeitenden jüngeren Generation nicht weiter zur Last fällt. Das nimmt Teresa aber nicht so ohne weiteres hin und macht sich auf, um endlich einmal eine Flugreise zu unternehmen, von der sie zeit ihres Lebens geträumt hat. Rodrigo Santoro („300„, „Love… Actually„) spielt eine eindrückliche Nebenrolle als verbitterter Bootskapitän a la Humphrey Bogart in „The African Queen“ (1951).
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„Reflection in a Dead Diamond„: französische Agentenfilm-Persiflage des Regieduos Hélène Cattet und Bruno Forzani, in der ein pensionierter Spion (Fabio Testi) seine alten Tage in einem Luxushotel an der Côte d’Azur genießt, nur um dann wieder in alte Muster zu verfallen, als seine Zimmernachbarin spurlos verschwindet. Überladener Ikonoklast mit vielen visuellen Ideen, aber keiner kohärenten Handlung.
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„The Ice Tower„: Filmdebütantin Clara Pacini spielt die jugendliche Ausreißerin Jeanne, die aus einem Waisenhaus in den Bergen in die Stadt kommt und Unterschlupf in einem Lagerhaus findet, in dem gerade eine Verfilmung von Hans Christian Andersens „Die Schneekönigin“ gedreht wird. Die Hauptdarstellerin des Films, Cristina (Marion Cotillard), übt einen enigmatischen und gefährlichen Einfluss auf das Mädchen aus. Düster-atmosphärisch und abgründig erzählt Lucile Hadzihalilovic ein albtraumhaftes Drama, das an die Werke Ingmar Bergmans oder Showbiz-Satiren der goldenen Ära Hollywoods erinnert.
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Im Zuge der Premiere des Films nahm ich auch an der Pressekonferenz in Anwesenheit der Regisseurin und der Stars des Films teil. Im Anschluss gelang es mir, noch ein Selfie mit Marion Cotillard zu machen:

Auf der Weltpremiere selbst durfte ich auch, vor der Ankunft der Stars des Films, über den Roten Teppich vor dem Berlinale-Palast gehen und posierte kurz vor den anwesenden Pressefotografen. Ein Moment für die Ewigkeit, festgehalten von „Uncut“-Chefredakteur Harald Zettler:


„Heldin„: aus der „Berline Special“-Sektion. Eine nervenaufreibende und turbulente Spätschicht in einem Schweizer Kantonkrankenhaus. Leonie Benesch („Das Lehrerzimmer„, „Das weiße Band„) spielt die Krankenpflegerin Floria, die mit nur einer Kollegin und einer anzulernenden Neuen einen Flur betreuen muss. Sie versucht nach bestem Wissen und Gewissen, all ihre Patienten zu versorgen, kommt aber bald an ihr Limit und begeht schließlich auch noch einen Fehler. Realitätsnah, aktuell und wirklich beeindruckend gespielt und gefilmt. Ein starkes Plädoyer gegen den Pflegenotstand.
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„Girls on Wire„: interessante, wenn auch nicht gänzlich runde Genremischung aus Crime-Thriller, Familiendrama und Martial-Arts-Film, in dem ein Stuntdouble in einer Actionfilm-Produktion von ihrer seit Jahren entfremdeten Cousine aufgesucht wird, die sich aus den kriminellen Machenschaften der Familie aus dem Drogenmilieu loslösen will. Starke Schauspielerinnen, lustige Schergen in Nebenrollen. Unterhaltsam und kurzweilig.
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„Was Marielle weiß„: ein Teenager-Mädchen verfügt nach einer schallenden Ohrfeige von einer Mitschülerin plötzlich über telepathische Fähigkeiten: sie hört und sieht alles, was ihre Eltern sagen und tun. Ungemein witzig, mit viel Dialogwitz und Situationskomik, glänzend gespielt von Felix Kramer, Julia Jentsch und der erst 14jährigen Laeni Geiseler in der Titelrolle, schafft der deutsche Filmemacher Frédéric Hambalek eine zum Nachdenken anregende High-Concept-Komödie.
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„Mother’s Baby„: der österreichische Wettbewerbsbeitrag dieser Berlinale von der Grazer Regisseurin Johanna Moder, die mit Arne Kohlweyer das Drehbuch schrieb. Die 40jährige Dirigentin Julia (Marie Leuenberger) erfüllt sich in der Privatordination des charmanten Dr. Adrian Vilfort (Claes Bang) ihren Kinderwunsch. Doch bei der Geburt kommt es zu Komplikationen, sodass ihr ihr Sohn kurz nach der Entbindung genommen wird. Im mütterlichen Alltag angekommen, spürt Julia, dass mit ihrem Säugling etwas nicht stimmt. Sie sucht fieberhaft nach Antworten, was ihre Ehe mit Georg (Hans Löw) belastet. Abgründiger Psychothriller mit starken Darstellern.
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„El mensaje (Die Nachricht)„: argentinisch-spanisches Melodram. Iván Fund erzählt die Geschichte des Mädchens Anika (Anika Bootz), das mit seinen Pflegeeltern Roger (Marcelo Subiotto) und Myriam (Mara Bestelli) quer durch das von einer Wirtschaftskrise gebeutelten Argentinien fährt, um als Tiermedium Nachrichten an verzweifelte Haustierhalter zu überbringen. Obwohl die Drei eigentlich nichts mehr als eine ausbeuterische Zweckfamilie sind, halten sie gut zusammen. Mit schwermütigen Trompetenklängen unterlegt, hat Fund zwar viel zu sagen, aber nicht viel zu erzählen. „Always on My Mind“ in der Version der „Pet Shop Boys“ dient dem Film als Leitmotiv.
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„Kontinental ’25„: der neueste Streich des rumänischen Auteurs Radu Jude, der 2021 den Goldenen Bären für seine schwarze Racheporno-Komödie „Bad Luck Banging or Loony Porn“ gewann. Hier gerät die ungarisch-stämmige Gerichtsvollzieherin Orsolya (Eszter Tompa) in eine schwierige emotionale Krise, als sich der obdachlose 62jährige Ion (Gabriel Spahiu) während einer Delogierung aus einem Kellergewölbe das Leben nimmt. Orsolya sagt den Familienurlaub nach Griechenland und sucht stattdessen Antworten auf ihre Fragen bei Familie, Bekannten und einem ihrer ehemaligen Jus-Studenten, der ein Faible für Zen-Witze hat. Von Roberto Rossellinis neorealistischem Sozialdrama „Europa ’51“ inspiriert.
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„Drømmer (Oslo Stories: Träume)„: Dag Johan Haugeruds Abschluss einer Trilogie über die Komplexität moderner zwischenmenschlicher Beziehungen und Sexualität. Die 16jährige Schülerin Johanne (Ella Øverbye) verliebt sich in ihre neue Französischlehrerin Johanna (Selome Emnetu) und verarbeitet ihre komplexen Gefühle in einem 95-seitigen Roman, den sie auf einem USB-Stick mit sich herumträgt. Als erst ihre Großmutter, die selbst Schriftstellerin ist und dann ihre Mutter das Essay lesen, löst dies Spannungen und Diskussionen zwischen den drei Generationen aus. Sorgfältig inszeniert und ehrlich gespielt.
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„Blue Moon„: ein weiteres Highlight des Wettbewerbs. Richard Linklater entführt sein Publikum in die New Yorker Bar „Sardi’s“ am Abend des 31. März 1943. Dort wird der legendäre Songschreiber Lorenz Hart (ein famoser Ethan Hawke) Zeuge davon, wie sein einstiger kongenialer Kreativpartner, Richard Rodgers (Andrew Scott in bestechender Form) mit „Oklahoma!“, seinem ersten gemeinsamen Musical mit Oscar Hammerstein II (Simon Delaney), einen monumentalen Erfolg feiert, der nicht nur seine Karriere, sondern die gesamte Theatergeschichte verändert. Alkoholkrank und deprimiert, versucht Hart, in diesen 100 Minuten die Scherben seines Egos und seiner Existenz aufzusammeln.
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„La cache (The Safe House)„: schweizerisch-französisch-luxemburgische Komödie, die während der Pariser Studentenproteste im Mai 1968 spielt. Basierend auf dem Roman von Christophe Boltanski, erzählt der Film von Regisseur Lionel Baier die Geschichte von Boltanskis Familie. Christophe bleibt in der Wohnung seiner Großeltern, während seine Eltern demonstrieren. Eines Abends läutet ein Überraschungsgast an ihrer Tür. Mit witzigen Momenten, insgesamt aber enttäuschend.
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„Yunan„: Ameer Fakher Eldin schrieb und inszenierte dieses leise, fast schon meditative Drama über Munir (Georges Khabbaz), einem syrischen Schriftsteller im Exil in Hamburg, der seines tristen Lebens überdrüssig geworden ist und sich kurzentschlossen auf eine Hallig in der Nordsee begibt, um Suizid zu begehen. Die Begegnung mit der älteren Vermieterin Valeska (Hanna Schygulla) und anderen Insulanern gibt ihm neuen Auftrieb. Stark gespielt von Khabbaz und der lebenden Legende Schygulla.
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„What Does that Nature Say to You„: zum sechsten Mal in Folge geht ein Berlinale-Wettbewerb mit einem neuen Film des südkoreanischen Auteurs Hong Sang-soo über die Bühne. In dieser Komödie trifft der 35jährige Dichter Donghwa (Ha Seoung-guk) die Eltern und ältere Schwester seiner Freundin und verbringt den Tag und eine Nacht auf ihrem Anwesen. Das anfangs angenehme und von gegenseitiger Wertschätzung geprägte Abendessen nimmt mit Fortdauer eine Wendung. In der Tradition von Filmen wie „Guess Who’s Coming to Dinner“ (1967) und „Meet the Parents“ (2000) gelingt Hong ein kurzweiliges, wenn auch vorhersehbares Vergnügen.
https://www.uncut.at/movies/kritik.php?movie_id=20928

„Timestamp„: die einzige Dokumentation im Wettbewerb der 75. Berlinale. Kateryna Gornostai begleitet den Alltag in Schulen überall in der Ukraine während der russischen Invasion. Denn während seit nunmehr drei Jahren unermüdlich gekämpft wird, halten die Schulen weiterhin geöffnet, einige nur wenige Kilometer vom Kriegsgeschehen entfernt. Doch die Ukrainer lassen sich ihr Recht auf Bildung nicht nehmen und wollen ihren Kindern noch ein Stück Normalität bewahren und ihnen zumindest ein bisschen Hoffnung auf eine bessere Zukunft machen. Bewegendes Zeitdokument ohne viel dramaturgische Bearbeitung.
https://www.uncut.at/movies/kritik.php?movie_id=20936

„Confidente„: Und zu guter Letzt noch ein Beitrag aus der „Panorama“-Sektion. Ein ungemein spannendes, wenn auch etwas überladenes Drama aus der Türkei. Ankara, 1999: Die 40jährige Sabiha (Saadet Işıl Aksoy) verdingt sich in einer heruntergekommenen Telefonsex-Agentur, um ihre Scheidung und ihren Sorgerechtsstreit bezahlen zu können. Nach einem verheerenden Erdbeben wird sie von einem verzweifelten 14jährigen Jungen angerufen, der unter den Trümmern eines Wohnhauses begraben liegt. Sabiha ist seine einzige Hoffnung auf Rettung, doch um die Rettungskräfte zu ihm zu führen, muss sie sich mit einem korrupten Lokalpolitiker auseinandersetzen.