Wer darf auf den begehrtesten Filmpreis der Welt hoffen? Wer ist aus dem Rennen? Favoriten, Außenseiter, Überraschungen zur Bekanntgabe der Anwärter in 23 Kategorien.
Die kommende Preisgala, angesetzt für Sonntag, den 2. März 2025, wird ganz im Zeichen der verheerenden Brände im Großraum Los Angeles stehen. Zahlreiche Prominente haben seit 7. Januar ihre Häuser und mitunter auch ihr Hab und Gut verloren – das ist aber nur ein Bruchteil des Ausmaßes der Katastrophe und des unvorstellbaren Verlusts, den die immer noch nicht vollständig erloschenen Flammen mit sich gebracht haben. Unter diesen tragischen Umständen zu einem Stück Normalität zurückzukehren und die typische Selbstbeweihräucherung Hollywoods fortzusetzen, ist ein kontroverses Diskussionsthema. Stand jetzt soll die Verleihung jedenfalls plangemäß über die Bühne gehen. Der frühere Talkshow-Moderator Conan O’Brien wird erstmals durch den Abend führen. Die fünf nominierten Filmsongs – von denen zwei aus dem Musical „Emilia Pérez“ kommen – werden diesmal nicht live performt, stattdessen soll der Stadt der Engel gebührend Tribut gezollt werden. Die 97. Oscar-Verleihung verspricht jedenfalls, die womöglich emotionalste und melancholischste Ausgabe des ansonsten schillernden und glamourösen Events zu werden.

Nun aber zu den Nominierungen: in 23 Kategorien werden die prestigeträchtigen Goldjungen verliehen. Die meisten Nennungen dieses Jahr erhielt Jacques Audiards umstrittener spanischsprachiger Musical-Thriller „Emilia Pérez“: mit satten 13 Nominierungen bricht der Film den Rekord für die meisten Nennungen eines nicht-englischsprachigen Films, den sich zuvor „Crouching Tiger, Hidden Dragon“ (2000) von Ang Lee aus Taiwan und „Roma“ (2018) aus Mexiko von Alfonso Cuarón mit jeweils 10 Nominierungen teilten. Dahinter folgen, mit jeweils 10 Preischancen, Brady Corbets aufwendiges, dreieinhalbstündiges Immigrantenepos „The Brutalist“ und die erfolgreiche Broadway-Musical-Adaption „Wicked“. Ebenfalls gut vertreten im Feld der hoffnungsvollen Filme sind Edward Bergers Vatikan-Thriller „Conclave“ mit 8, James Mangolds Filmbiografie „A Complete Unknown“ mit 8, Sean Bakers Cannes-Gewinner „Anora“ mit 6, Coralie Fargeats albtraumhafte Body-Horror-Satire „The Substance“ mit 5 und die Science-Fiction-Fortsetzung „Dune: Part Two“ mit 5 Nominierungen.
Überraschungen

Überraschend stark vertreten ist James Mangolds Biopic über den legendären Musiker und Literaturnobelpreisträger Bob Dylan: „A Complete Unknown“, der Dylans Karriere bis zu seinem ersten Konzert mit elektrischen Instrumenten 1965 nachverfolgt, ist insgesamt achtmal nominiert, Mangold selbst darf dreimal auf eine Ehrung hoffen, denn er ist Produzent, Regisseur und Ko-Autor des Films. Mehr Nominierungen für eine Person gab in diesem Jahr nur für Sean Baker, denn von den sechs Nennungen, die „Anora“ erhalten hat, gehen gleich vier – als Produzent, Regisseur, Drehbuchautor und Editor des Films – an ihn, und Jacques Audiard, der als Produzent, Autor, Regisseur und als einer der Komponisten des Filmsongs „El Mal“ aus „Emilia Pérez“ nominiert ist.
Ebenfalls nicht unbedingt zu erwarten war die Ausbeute für Coralie Fargeat und ihre bitterböse Abrechnung mit Schönheitsidealen im Showbusiness: während Demi Moore längst zur erklärten Favoritin auf den Preis als beste Hauptdarstellerin auserkoren wurde, ist Fargeats Nominierung als beste Regisseurin doch eine – angenehme – Überraschung in einer Kategorie, die üblicherweise männlich dominiert ist.
Und dann ist da noch das brasilianische Drama „I’m Still Here“ um das Schicksal der Familie Paiva, deren Familienvater Rubens während der brasilianischen Militärdiktatur verhaftet und ermordet wurde. Walter Salles‘ Film ist sowohl als bester internationaler Film wie auch bester Film nominiert, während die mit dem Golden Globe ausgezeichnete Fernanda Torres den Erfolg ihrer Mutter, Fernanda Montenegro, vor 26 Jahren mit Salles‘ „Central Station“ wiederholen konnte und als beste Hauptdarstellerin nominiert ist.
Überraschungen in den Hauptkategorien gibt es indes wenige: dass sowohl Sebastian Stan als auch Jeremy Strong für ihre Leistungen in Ali Abbasis höchst umstrittener Politbiografie über den gerade erst wieder ins Amt des US-Präsidenten gewählten Donald Trump, „The Apprentice„, erwähnt wurden, war nicht unbedingt erwartet worden. Ebenso wenig Monica Barbaros Nominierung als Folk-Rock-Ikone Joan Baez in „A Complete Unknown“ an der Seite ihrer männlichen Kollegen Timothée Chalamet als Bob Dylan und Edward Norton als Pete Seeger.
Enttäuschungen

Sicherlich mehr erwartet hatte man sich bei Paramount Pictures mit der späten Fortsetzung des Historienepos „Gladiator“, der 2000 bei 12 Preischancen fünfmal gewinnen konnte, darunter auch „Bester Film“. Ridley Scotts Rückkehr ins antike Rom ist dieses Jahr aber lediglich fürs Kostümdesign nominiert. Selbst in den anderen technischen Kategorien fand „Gladiator II“ keine Berücksichtigung, auch die starke Leistung von Denzel Washington blieb unbelohnt.
Ebenfalls hoch gehandelt wurde der intensive Medienthriller „September 5“ des Schweizer Regisseurs Tim Fehlbaum, der letztendlich fürs beste Originaldrehbuch nominiert wurde. „Dune: Part Two„, die Fortsetzung des sechsfachen Oscar-Gewinners aus dem Jahr 2021 ging ebenfalls mit großen Hoffnungen für Regisseur Denis Villeneuve und einige seiner Mitstreiter ins Rennen, und obwohl einer der besten Blockbuster des vergangenen Jahres als bester Film nominiert ist, fällt die Ausbeute mit insgesamt fünf Chancen vergleichsweise bescheiden aus. Luca Guadagninos amouröses Tennisdrama „Challengers“ ging überhaupt leer aus.
Starke schauspielerische Leistungen, die es nicht auf die Nominierungsliste der Oscars geschafft haben, gibt es einige: Pamela Anderson und Jamie Lee Curtis wurden für ihre Rollen in Gia Coppolas „The Last Showgirl“ zuletzt hoch gehandelt, auch dank Nominierungen bei den „Golden Globes“ und „Screen Actors Guild“ Awards, konnten sich aber bei dermaßen großer Konkurrenz nicht durchsetzen. Selbiges gilt für Daniel Craig in Luca Guadagninos „Queer“, Angelina Jolie in ihrer stärksten Rolle seit langem als Operndiva Maria Callas in Pablo Larraíns Biopic „Maria“ sowie Nicole Kidman für ihre mutige und freizügige Rolle im Erotikthriller „Babygirl„.
Die Nominierungen im Überblick
Bester Film:
„Anora“ (Alex Coco, Samantha Quan, Sean Baker)
„The Brutalist“ (n.n.)
„A Complete Unknown“ (Fred Berger, James Mangold, Alex Heineman)
„Conclave“ (Tessa Ross, Juliette Howell, Michael A. Jackman)
„Dune: Part Two“ (Mary Parent, Cale Boyter, Tanya Lapointe, Denis Villeneuve)
„Emilia Pérez“ (n.n.)
„I’m Still Here“ (n.n.)
„Nickel Boys“ (n.n.)
„The Substance“ (n.n.)
„Wicked“ (Marc Platt)

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Beste Regie:
Jacques Audiard (“Emilia Pérez“)
Sean Baker („Anora“)
Brady Corbet („The Brutalist“)
Coralie Fargeat („The Substance“)
James Mangold („A Complete Unknown”)

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Bester Hauptdarsteller:
Adrien Brody (“The Brutalist”)
Timothée Chalamet (“A Complete Unknown”)
Colman Domingo (“Sing Sing”)
Ralph Fiennes (“Conclave”)
Sebastian Stan (“The Apprentice”)

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Beste Hauptdarstellerin:
Cynthia Erivo (“Wicked”)
Karla Sofía Gascón (“Emilia Pérez”)
Mikey Madison (“Anora”)
Demi Moore (“The Substance”)
Fernanda Torres (“I’m Still Here”)

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Bester Nebendarsteller:
Yura Borisov (“Anora”)
Kieran Culkin (“A Real Pain”)
Edward Norton (“A Complete Unknown”)
Guy Pearce (“The Brutalist”)
Jeremy Strong (“The Apprentice”)

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Beste Nebendarstellerin:
Monica Barbaro (“A Complete Unknown”)
Ariana Grande (“Wicked”)
Felicity Jones (“The Brutalist”)
Isabella Rossellini (“Conclave”)
Zoë Saldaña (“Emilia Pérez”)

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Bestes Originaldrehbuch:
“Anora” (Sean Baker)
“The Brutalist” (Brady Corbet, Mona Fastvold)
“A Real Pain” (Jesse Eisenberg)
“September 5” (Moritz Binder, Tim Fehlbaum und Alex David)
„The Substance“ (Coralie Fargeat)

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Bestes adaptiertes Drehbuch:
„A Complete Unknown“ (Jay Cocks, James Mangold)
“Conclave” (Peter Straughan)
“Emilia Pérez” (Jacques Audiard; Thomas Bidegain, Léa Mysius, Nicolas Livecchi)
„Nickel Boys“ (RaMell Moss, Joslyn Barnes)
“Sing Sing” (Clint Bentley, Greg Kwedar; Clarence Maclin, John “Divine G” Whitfield)

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Bester internationaler Film:
“I’m Still Here” (Brasilien, R: Walter Salles)
“The Girl with the Needle” (Dänemark, R: Magnus von Horn)
“Emilia Pérez” (Frankreich, R: Jacques Audiard)
“Die Saat des Heiligen Feigenbaums“ (Deutschland, R: Mohammad Rasoulof)
„Flow“ (Lettland, R: Gints Zilbalodis)

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Bester Animationsfilm:
“Flow” (n.n.)
“Inside Out 2” (Kelsey Mann, Mark Nielsen)
„Memoir of a Snail“ (Adam Elliot)
“Wallace & Gromit: Vengeance Must Fowl” (n.n.)
“The Wild Robot” (Chris Sanders, Jeff Hermann)

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Beste Filmmusik:
“The Brutalist” (Daniel Blumberg)
“Conclave” (Volker Bertelmann)
“Emilia Pérez” (Clément Ducol, Camille)
“Wicked” (John Powell, Stephen Schwartz)
“The Wild Robot” (Kris Bowers)

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Bester Filmsong:
“El Mal” (“Emilia Pérez“, Musik: Camille, Clément Ducol, Text : Camille, Clément Ducol und Jacques Audiard)
„The Journey“ („The Six Triple Eight”, Musik und Text: Diane Warren)
“Like A Bird” (“Sing Sing”, Musik und Text: Abraham Alexander, Adrian Quesada)
“Mi Camino” (“Emilia Pérez”, Musik und Text: Camille, Clément Ducol)
„Never Too Late“ („Elton John: Never Too Late”, Musik und Text: Elton John, Brandi Carlile, Andrew Watt, Bernie Taupin)

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Beste Kamera:
“The Brutalist” (Lol Crawley)
“Dune: Part Two” (Greig Fraser)
“Emilia Pérez” (Paul Guilhaume)
“Maria” (Ed Lachman)
“Nosferatu” (Jarin Blaschke)

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Bester Filmschnitt:
“Anora” (Sean Baker)
“The Brutalist” (David Jancso)
“Conclave” (Nick Emerson)
“Emilia Pérez” (Juliette Welfling)
“Wicked” (Myron Kerstein)

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Bestes Produktionsdesign:
“The Brutalist” (Art Director: Judy Becker; Set Decorator: Patricia Cuccia)
“Conclave” (Art Director: Suzie Davies; Set Decorator: Cynthia Sleiter)
“Dune: Part Two” (Art Director: Patrice Vermette; Set Decorator: Shane Vieau)
“Nosferatu” (Art Director: Craig Lathrop; Set Decorator: Beatrice Brentnerová)
“Wicked” (Art Director: Nathan Crowley; Set Decorator: Lee Sandales)

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Bestes Kostümdesign:
“A Complete Unknown” (Arianne Phillips)
“Conclave” (Lisy Christl)
“Gladiator II” (Janty Yates, Dave Crossman)
“Nosferatu” (Linda Muir)
“Wicked” (Paul Tazewell)

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Bestes Make-Up und Hairstyling:
“A Different Man” (Mike Marino, David Presto, Crystal Jurado)
“Emilia Pérez” (Julia Floch Carbonel, Emmanuel Janvier, Jean-Christophe Spadaccini)
“Nosferatu” (David White, Traci Loader, Suzanne Stokes-Munton)
“The Substance” (Pierre Olivier-Persin, Stéphanie Guillon, Marilyne Scarselli)
“Wicked” (Frances Hannon, Laura Blount, Sarah Nuth)

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Bester Sound:
“A Complete Unknown” (Tod A. Maitland, Donald Sylvester, Ted Caplan, Paul Massey, David Giammarco)
“Dune: Part Two” (Gareth John, Richard King, Ron Bartlett, Doug Hemphill)
“Emilia Pérez” (Erwan Kerzanet, Aymeric Devoldère, Maxence Dussère, Cyril Holtz, Niels Barletta)
“Wicked” (Simon Hayes, Nancy Nugent Title, Jack Dolman, Andy Nelson, John Marquis)
“The Wild Robot” (Randy Thom, Brian Chumney, Gary A. Rizzo, Leff Lefferts)

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Beste Visuelle Effekte:
“Alien: Romulus” (Eric Barba, Nelson Sepulveda-Fauser, Daniel Macarin, Shane Mahan)
“Better Man” (Luke Millar, David Clayton, Keith Herft, Peter Stubbs)
“Dune: Part Two” (Paul Lambert, Stephen James, Rhys Salcombe, Gerd Nefzer)
“Kingdom of the Planet of the Apes” (Erik Winquist, Stephen Unterfranz, Paul Story, Rodney Burke)
“Wicked” (Pablo Helman, Jonathan Fawkner, David Shirk, Paul Corbould)

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Bester Dokumentarfilm:
„Black Box Diaries“ (Shiori Ito, Eric Nyari, Hanna Aqvilin)
“No Other Land” (Basel Adra, Rachel Szor, Hamdan Ballal, Yuval Abraham)
“Porcelain War” (Brendan Bellomo, Slava Leontyev, Aniela Sidorska, Paula DuPre’ Pesmen)
“Soundtrack to a Coup d’Etat” (Johan Grimonprez, Daan Milius, Rémi Grellety)
“Sugarcane” (n.n.)
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Bester dokumentarischer Kurzfilm:
“Death by Numbers” (Kim A. Snyder, Janique L. Robillard)
“I Am Ready Warden” (Smriti Mundhra, Maya Gnyp)
“Incident” (Bill Morrison, Jamie Kalven)
“Instruments of a Beating Heart” (Ema Ryan Yamazaki, Eric Nyari)
“The Only Girl in the Orchestra” (Molly O’Brien, Lisa Remington)
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Bester Kurzfilm:
“A Lien” (Sam Cutler-Kreutz, David Cutler-Kreutz)
„Anuja“ (Adam J. Graves, Suchitra Mattai)
“I’m Not A Robot” (Victoria Warmerdam, Trent)
“The Last Ranger” (Cindy Lee, Darwin Shaw)
“The Man Who Could Not Remain Silent” (Nebojša Slijepčević, Danijel Pek)
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Bester animierter Kurzfilm:
“Beautiful Men” (Nicolas Keppens, Brecht Van Elslande)
“In the Shadow of the Cypress” (Shirin Sohani, Hossein Molayemi)
“Magic Candies” (Daisuke Nishio, Takashi Washio)
“Wander to Wonder” (Nina Gantz, Stienette Bosklopper)
„Yuck!“ (Loïc Espuche, Juliette Marquet)
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Filme mit mehreren Nominierungen:
„Emilia Pérez“ (13)
„The Brutalist“ (10)
„Wicked“ (10)
„A Complete Unknown“ (8)
„Conclave“ (8)
„Anora“ (6)
„Dune: Part Two“ (5)
„The Substance“ (5)
„Nosferatu“ (4)
„I’m Still Here“ (3)
„Sing Sing“ (3)
„The Wild Robot“ (3)
„The Apprentice“ (2)
„Flow“ (2)
„Nickel Boys“ (2)
„A Real Pain“ (2)