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Unvergesslicher Filmklassiker über einen unangepassten Rebellen mit einem ausgeprägten Freiheitsdrang, der alles daran setzt, aus einem Straflager auszubrechen. Eine Paraderolle für Paul Newman

Am 26. Januar 1925 kam in Shaker Heights, Ohio, ein Junge zur Welt, der eines Tages zu den prägendsten und beliebtesten Schauspielern seiner Generation heranwachsen würde. Das bezeugt schon einmal ein Blick auf seine umfangreiche Trophäensammlung, die er im Laufe seiner über 50jährigen Karriere angehäuft hat: ein Oscar, drei Golden Globes, ein britischer Filmpreis, ein Emmy Award, ein Screen Actors Guild Award, Darstellerpreise von den Filmfestivals in Cannes und Berlin, dazu ein Ehrenoscar für sein Lebenswerk und der „Jean Hersholt Humanitarian“ Award für seine umfangreichen karitativen Tätigkeiten. Durch sein Lebensmittelunternehmen spendete er Stand 2021 rund 570 Millionen Dollar für wohltätige Zwecke. Das ist das Lebenswerk des Paul Newman.

© 1967 Warner Bros. Pictures, Seven Arts. Alle Rechte vorbehalten.

Seine Ausbildung erhielt Newman in den 1950er Jahren am renommierten „Actors Studio“ unter der Legende Lee Strasberg. Erste Engagements am Theater und im Fernsehen folgten bald darauf, 1954 gab er sein Filmdebüt in „The Silver Chalice“, bevor er 1958 seinen großen Durchbruch mit der Hauptrolle in „Cat on a Hot Tin Roof“ an der Seite von Elizabeth Taylor feierte und zum ersten Mal für einen Oscar nominiert wurde. Insgesamt brachte es Newman in seiner Karriere auf zehn Nennungen für den wichtigsten Filmpreis der Welt: nominiert wurde er auch für „The Hustler“ (1961), „Hud“ (1963), „Cool Hand Luke“ (1967), als Produzent von „Rachel, Rachel“ (1968), „Absence of Malice“ (1981), „The Verdict“ (1982), „The Color of Money“ (1986), „Nobody’s Fool“ (1994) und für seine Nebenrolle in „Road to Perdition“ (2002). Gewonnen hat er den Goldjungen für seine Hauptrolle als alternder Billardprofi „Fast Eddie“ Felson in Martin Scorseses „The Color of Money“.

Filmgeschichte schrieb er aber auch für andere legendäre Rollen, etwa als glückloser Outlaw im Western „Butch Cassidy and the Sundance Kid“ 1969 und als gerissener Trickbetrüger, der einen Gangsterboss (Robert Shaw) mit einer aufwendigen Finte hochnimmt in „The Sting“ (1973), beide Male unter der Regie von George Roy Hill und an der Seite von Robert Redford. Letzterer Film ging mit sieben Oscars heim. Sechs Regiearbeiten stehen ebenfalls in seiner Vita, darunter auch das Drama „Rachel, Rachel“ mit seiner Ehefrau Joanne Woodward in der Hauptrolle, die ihm den Regiepreis bei den „Golden Globe Awards“ einbrachte. Für seine letzte Rolle in der HBO-Miniserie „Empire Falls“ (2005) gewann Newman noch einen „Primetime Emmy Award“, „Golden Globe“ und „Screen Actors Guild Award“, 2006 lieh er noch der Figur Doc Hudson in Pixars Animationsfilm „Cars“ seine Stimme. Im September 2008 starb Newman 83jährig an den Folgen von Lungenkrebs.

© 1967 Warner Bros. Pictures, Seven Arts. Alle Rechte vorbehalten.

Wenn ich mir nun aber einen Film, eine Rolle aussuchen müsste, mit der ich den Mann mit den markanten stahlblauen Augen und dem unverwechselbaren Charisma auf ewig assoziieren werde, dann komme ich nicht umhin, sofort „Cool Hand Luke“ (1967) zu sagen. Basierend auf dem gleichnamigen Roman von Donn Pierce aus dem Jahr 1965, den der Autor selbst mit Drehbuchautor Frank Pierson („Dog Day Afternoon“ [1975]) für die Leinwand adaptierte, erzählt Regisseur Stuart Rosenberg die Geschichte des Kriegsveteranen Luke Jackson. Der wird eines Nachts verhaftet, als er im volltrunkenen Zustand mehrere Parkuhren absägt. Dafür wird er zu zwei Jahren Freiheitsentzug und Zwangsarbeit in einer Chain Gang in Florida verurteilt. Gleich bei seiner Ankunft eckt der unangepasste und rebellische Luke beim Gefängnisaufseher Carr an, wenn dieser in einem legendären Monolog die Hausregeln erklärt und jeden Verstoß mit „einer Nacht im Bunker“ sanktioniert. Auch bei seinen Mitgefangenen, angeführt vom charismatischen „Dragline“ (George Kennedy in einer Oscar-prämierten Nebenrolle), kommt Luke zunächst nicht gut an, doch mit seiner Resilienz und Gewieftheit erarbeitet er sich schnell deren Respekt. Er blufft beim Poker, was ihm den Spitznamen „Cool Hand Luke“ einbringt, isst 50 Eier in einer Stunde und lehnt sich gegen die Gefängniswärter und schließlich auch gegen den „Captain“ (Strother Martin) auf. Als seine Mutter (Jo Van Fleet) schwer erkrankt, wird sein Drang nach Freiheit immer größer, und er versucht, um jeden Preis aus der Haft zu fliehen.

Dem Titel ganz entsprechend, spielt Newman hier eine Figur, deren Coolness wahrlich ihresgleichen sucht. Zu einer Zeit, als die USA durch den andauernden Vietnamkrieg zunehmend zermürbt wurde, kreierte er hier einen Charakter, der sinnbildlich für das aufstrebende Anti-Establishment steht, und sich gegen die Obrigkeiten rücksichtslos zur Wehr setzt. Luke ist eine der faszinierendsten Figuren, die mir jemals in einem Film untergekommen sind, und der Film nimmt seinen Zuschauer auf einen Trip mit seinem Protagonisten mit, den man nicht so leicht wieder vergessen wird. Newmans Performance, nuanciert und exakt, trägt einen großen Anteil daran bei. Es ist eine Rolle, mit der sich viele unangepasste, rebellische und missverstandene Menschen identifizieren können. Nicht zu vergessen ist aber natürlich Kennedy, dessen brodelnde Energie in einigen Momenten ganz besonders zum Vorschein kommt und der am Ende des Films auch einen ungewohnt emotionalen Schlussakkord aufspielt. Und dann ist da noch der Charakterdarsteller Strother Martin als einigermaßen verständnisvoller, aber dennoch mit harter Hand regierender Gefängnisdirektor, der dem Film, aber auch der Popkultur, mit einem unsterblichen Satz seinen Stempel aufdrückt: „What we’ve got here, is failure to communicate! (Was wir hier haben, ist ein Kommunikationsproblem!)“ Ein Satz so ikonisch, dass er vom „American Film Institute“ auf Platz 11 der besten Zitate aller Zeiten gewählt wurde. Das Institut wählte die Figur Luke Jackson zudem auf Platz 30 seiner 50 größten Filmhelden – eine beachtliche Ehre für einen rebellischen Antihelden.

© 1967 Warner Bros. Pictures, Seven Arts. Alle Rechte vorbehalten.

Wenn von 57 Kritiken, die zu „Cool Hand Luke“ auf „Rotten Tomatoes“ gesammelt wurden, nicht eine einzige negativ ist, dann kann man sich sicher sein, dass das hier ein ganz großer Klassiker des damals gerade aufkeimenden „New Hollywood“ ist. Es ist schon ausgesprochen schade, dass Newman keinen großen Preis für seine, meines Erachtens beste, Leistung erhalten hat. Aber es ist, wie so viele seiner anderen Rollen und auch Errungenschaften abseits der Bühnen und Kameras, ein Monument für die Ewigkeit.

Trailer:

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