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Anlässlich des Kinostarts von „Gladiator II“: umfassender Rückblick auf die außergewöhnliche Karriere von Ridley Scott. Teil 1 blickt auf seine Anfänge und ersten großen Erfolge zurück.

Es wäre durchaus vermessen zu sagen, dass Sir Ridley Scott ein spätberufener Regisseur ist. In der Tat jedoch gab der am 30. November 1937 geborene Engländer sein Spielfilmdebüt mit 39 Jahren. Ausgebildet wurde er am Londoner „Royal College of Art“, 1963 begann er seine Karriere als Szenenbildner im britischen Fernsehen. Gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder Tony (1944 – 2012), der ebenfalls als Regisseur in Hollywood Fuß fassen sollte und Blockbuster wie „Top Gun“ (1986), „Beverly Hills Cop II“ (1987) und „Crimson Tide“ (1995) verantwortete, gründete Ridley 1968 das Produktionsunternehmen „Ridley Scott Associates“ und spezialisierte sich in den kommenden Jahren auf aufwendige und stilbildende Werbespots. 1984, als er bereits ein etablierter Filmemacher war, realisierte er seinen bekanntesten Spot, „1984“, inspiriert von George Orwells gleichnamigem dystopischen Literaturklassiker, für Apples „Macintosh“-Computer.

The Duellists“ (1977)

© 1977 Paramount Pictures. Alle Rechte vorbehalten.

Seinen ersten Spielfilm inszenierte Scott dann 1977. Das Historiendrama „The Duellists“, nach einer Kurzgeschichte von Joseph Conrad, spielt zur Zeit der Napoleonischen Kriege Anfang des 19. Jahrhunderts und handelt von zwei erbitterten Feinden, dem Husar und Bonapartisten Lieutenant Gabriel Feraud (Harvey Keitel), einem leidenschaftlichen Duellisten, und Lieutenant Armand d’Hubert (Keith Carradine), die erstmals 1800 in Straßburg aufeinandertreffen. In den folgenden 16 Jahren kreuzen sich ihre Wege immer wieder auf den Schlachtfeldern Europas und ihre regelmäßigen Pistolenduelle werden immer intensiver. „The Duellists“ erhielt eine Einladung in den Wettbewerb von Cannes und wurde für zwei Britische Filmpreise nominiert. Scott habe sich für die Ästhetik des Films von Stanley Kubricks zwei Jahre zuvor veröffentlichten Historiendrama „Barry Lyndon“ inspirieren lassen. Scotts Film wiederum gilt als einer der Vorbilder des Fantasy-Abenteuers „Highlander“ (1986) und Scott selbst kehrt in den 2020er Jahren zu dieser Thematik bzw. dieser Geschichtsperiode zurück.

Alien“ (1979)

© 1979 20th Century Fox. Alle Rechte vorbehalten.

Für seinen zweiten Film arbeitete Scott mit den Drehbuchautoren Dan O’Bannon und Ronald Shusett zusammen. O’Bannon hatte die Idee zu einem Horrorfilm, nachdem er mit John Carpenter die Science-Fiction-Komödie „Dark Star“ (1974) realisiert hatte und ein furchterregenderes Genrewerk mit einem realistischeren Alien ins Auge fasste. Shusett wiederum entwickelte ein Projekt, das später von Paul Verhoeven inszeniert werden sollte: „Total Recall“ (1990) nach der Vorlage „We Can Remember It for You… Wholesale“ des legendären Science-Fiction-Schriftstellers Philip K. Dick und beschloss, mit O’Bannon zunächst an „Alien“ (1979) zu kollaborieren, nachdem er „Dark Star“ gesehen hatte.

Der Film handelt von der Besatzung des kommerziellen Raumschiffs „Nostromo“, das ein Lebenszeichen von einem desolaten Planeten empfängt. Drei der Besatzungsmitglieder, Captain Dallas (Tom Skerritt), Navigatorin Lambert (Veronica Cartwright) und Offizier Kane (John Hurt), gehen auf Erkundungstour, als Kane von einer mysteriösen Kreatur angegriffen wird, das sich an seinem Gesicht festkrallt. Trotz der vehementen Proteste von Dallas‘ Stellvertreterin Ellen Ripley (Sigourney Weaver) kehren die Drei an Bord des Schiffes zurück, um Kane zu retten – ein folgenschwerer Fehler. „Alien“ gilt bis heute als einer der besten und prägendsten Science-Fiction- und Horrorfilme der Geschichte, der unzählige Male kopiert und zitiert, aber nahezu immer unerreicht geblieben ist – mit Ausnahme vielleicht von James Camerons actiongeladenem 1986er-Sequel „Aliens“. Somit bildete Scott den Startschuss für ein lukratives Franchise, das bis heute regelmäßig fortgesetzt wird. Zudem wird Weavers Ripley zu einer stilbildenden feministischen Gallionsfigur und Action-Ikone.

Der Film war für damalige Verhältnisse so furchteinflößend, dass man schwangeren Frauen von einem Kinobesuch im Sommer 1979 strikt abraten musste. Bis heute wird der Film für seine Symboliken, insbesondere hinsichtlich Sexualität und Gewalt und deren Vermischung, seine inszenatorische Stilistik wie auch seine Oscar-prämierte VFX-Arbeit studiert.

Blade Runner“ (1982)

© 1982 Warner Bros. Pictures. Alle Rechte vorbehalten.

Für sein Nachfolgeprojekt blieb Ridley Scott dem Science-Fiction-Genre treu, und versuchte sich an einem massentauglicheren Film. Dafür adaptierte er Philip K. Dicks Kurzgeschichte „Do Androids Dream of Electric Sheep?“. Für das Drehbuch zeichneten Hampton Fancher und David Peoples verantwortlich und die titelgebende Hauptrolle des „Blade Runner“ wurde mit Harrison Ford besetzt, der zu jener Zeit dank der ersten beiden „Star Wars“-Filme und seinem ersten Indiana Jones-Abenteuer „Raiders of the Lost Ark“ (1981) zum Superstar aufgestiegen war. Er spielt den Polizisten Rick Deckard, der im damals futuristischen Los Angeles des Jahres 2019, einem aus allen Nähten platzenden Moloch, entflohene Androiden, sogenannte Replikanten, ausfindig machen und liquidieren soll. Angeführt wird die widerspenstige Gruppe vom charismatischen Roy Batty (Rutger Hauer), der einfach nur länger leben will. Für Deckard wird die Mission erheblich komplizierter, als er sich in die Replikantin Rachael (Sean Young) verliebt.

Imposant ausgestattet, atmosphärisch unglaublich dicht – auch dank der mit Synthesizern durchsetzten Filmmusik des griechischen Komponisten Vangelis – und spannend wie ein Film-Noir erzählt, tat sich „Blade Runner“ zum Zeitpunkt seiner Veröffentlichung Ende Juni 1982 schwer, Kritiker zu begeistern oder ein großes Publikum zu generieren. So kurz nach „Star Trek II: The Wrath of Khan“ und Steven Spielbergs Blockbuster “E.T. – The Extra-Terrestrial” gestartet, ging Scotts unkonventioneller, weil wenig spektakulärer Film zunächst unter der grauen Masse unter. Drei britische Filmpreise (Kamera, Kostüme, Produktionsdesign), eine Golden Globe-Nominierung für Vangelis und zwei Oscar-Nominierungen (Produktionsdesign, VFX) sprangen schlussendlich heraus. Den redlich verdienten Kultstatus erarbeitete sich der Film erst im Laufe der Zeit. Scott selbst war nicht rundum zufrieden mit seinem Endergebnis, auch geschuldet durch die Einmischungen des Studios, und es entstanden in den folgenden 25 Jahren insgesamt sechs weitere Fassungen, wovon Scott nur bei der letzten, passenderweise „Blade Runner: The Final Cut“ (2007) betitelt, vollständige Kontrolle besaß.

Wenig beachtete Genrefilme (1985 – 1989)

© 1985 20th Century Fox. Alle Rechte vorbehalten.

Nach diesen beiden Großprojekten wurde es im Rest der 1980er Jahre etwas ruhiger um Scott, denn seine nächsten drei Filme konnten nicht an den Erfolg und das Prestige von „Alien“ und „Blade Runner“ anknüpfen. 1985 setzte er sein seit der Produktion von „The Duellists“ geplantes Fantasy-Abenteuer „Legend“ um, in dem ein blutjunger Tom Cruise – ein Jahr bevor Ridleys Bruder Tony ihm mit „Top Gun“ zum endgültigen Durchbruch verhilft – dem Prinzen der Finsternis (ein unter Bergen von Oscar-nominiertem Make-Up versteckter Tim Curry) entgegentritt, um die ewige Dunkelheit zu verhindern, und eine hübsche Prinzessin (Mia Sara) beschützt. Zu düster für ein jüngeres Publikum, ging der Film an den Kinokassen unter, hat aber inzwischen einen gewissen Kultstatus erlangt.

Zwei Jahre später drehte Scott seinen ersten zeitgenössischen Film, den romantischen Thriller „Someone to Watch Over Me“. Darin spielt Tom Berenger einen frischgebackenen New Yorker Polizisten, der eine reiche junge Frau (Mimi Rogers), die einen Mord bezeugt hat, beschützen soll und sich, obwohl glücklich verheiratet, in sie verliebt. Im Herbst 1987 angelaufen, konnte der Film keinen Gewinn erzielen.

Weitere zwei Jahre später folgte der düstere Crime-Thriller „Black Rain“ mit Michael Douglas, Andy Garcia, Ken Takakura und dem während der Dreharbeiten bereits todkranken Yūsaku Matsuda in den Hauptrollen. Douglas und Garcia spielen zwei New Yorker Polizisten, die den japanischen Yakuza Sato (Matsuda) verhaften und persönlich nach Osaka eskortieren sollen, vor Ort aber in einen brutalen Bandenkrieg hineingezogen und von Assistenzinspektor Matsumoto (Takakura) begleitet werden. Trotz gemischter Kritiken war der Film ein finanzieller Erfolg, auch in Japan. Für Ton und Tonschnitt gab es zudem Oscarnominierungen.

Thelma & Louise“ (1991)

© 1991 MGM-Pathé Communications. Alle Rechte vorbehalten.

Musikvideoproduzentin Callie Khouri entwickelte das Konzept für ein feministisches Road-Movie 1988 und plante, es für ein niedriges Budget als Independent-Produktion selbst umzusetzen. Doch die Suche nach Investoren gestaltete sich äußerst schwierig. Über Umwege landete das Skript dann bei Ridley Scott, der die Rechte an dem Stoff kaufte und als Produzent einstieg. Er selbst wollte nicht Regie führen, wurde aber von Michelle Pfeiffer, die zunächst als Hauptdarstellerin neben Jodie Foster vorgesehen war, dazu überredet. Weil sich aber die Dreharbeiten immer weiter verzögerten, mussten sowohl Pfeiffer als auch Foster aus dem Projekt aussteigen, um anderen Verpflichtungen nachzukommen – Foster etwa spielte die Hauptrolle in „The Silence of the Lambs“ und setzte sich dann bei der Oscar-Verleihung gegen die beiden Protagonistinnen in „Thelma & Louise“ durch. Geena Davis und Susan Sarandon kamen so zum Zug.

Sie spielen zwei Freundinnen, deren Wochenendausflug eskaliert, als Louise (Sarandon) einen Mann erschießt, der Thelma (Davis) auf dem Parkplatz eines Restaurants vergewaltigen wollte. Verfolgt von einem verständnisvollen Polizisten (Harvey Keitel), der sie zur Aufgabe bewegen will, gabeln sie unterwegs einen attraktiven Anhalter (Brad Pitt in seinem ersten großen Auftritt) auf, der Thelma erst verführt und die beiden Frauen dann beklaut. „Thelma & Louise“ beweist eindrucksvoll Scotts Faible für starke Frauenfiguren und er erhielt dafür seine erste Oscarnominierung als Bester Regisseur – neben den beiden Hauptdarstellerinnen, Kameramann Adrian Biddle und Editor Thom Noble, während Khouri für ihr Drehbuch ausgezeichnet wurde. Heute gilt der Film als Meilenstein des feministischen Kinos.

Erneute Durststrecke (1992 – 1997)

© 1992 Concorde Filmverleih, Gaumont. Alle Rechte vorbehalten.

Rechtzeitig zum 500. Jubiläum von Christopher Columbus‘ legendärer Schiffsreise, während der er statt des Seewegs nach Indien den amerikanischen Kontinent findet, gab es in Hollywood Bemühungen, die epische Geschichte auf die große Leinwand zu bringen. Zwei rivalisierende Projekte wurden in Auftrag gegeben: eins von Bond-Regisseur John Glen, „Christopher Columbus: The Discovery“, das zuerst in die Kinos kam, und Ridley Scotts aufwendiges Historiendrama „1492: Conquest of Paradise“. Der Franzose Gérard Depardieu war Scotts einzige Wahl für den Italiener Columbus, die spanische Königin Isabella I wurde von Sigourney Weaver gespielt. Mit großem Aufgebot inszeniert, waren die Kritiker wenig begeistert, vor allem wegen der kreativen Freiheiten und historischen Ungenauigkeiten, die sich die Filmemacher genommen hatten. Bei einem Budget von 47 Millionen Dollar erwirtschaftete der Film enttäuschende 59 Millionen, zum größten Teil außerhalb Nordamerikas. Der Soundtrack von Vangelis entwickelte sich dafür später zu einem Welterfolg, besonders das Titelstück „Conquest of Paradise“, das im deutschsprachigen Raum 1995 zum Bestseller wurde.

1996 drehte Scott dann das Hochsee-Katastrophen-Drama „White Squall“, das auf einer wahren Geschichte aus dem Jahr 1961 basiert. Auf einer Brigantine wächst eine Gruppe junger Schüler unter dem Kommando des Kapitäns Sheldon (Jeff Bridges), „Skipper“ genannt, zusammen, als das Schiff von einer reißenden Strömung erfasst wird, kentert und sechs Menschen ihr Leben verlieren. Der Film war eine weitere bittere Enttäuschung für Scott nach „1492“.

Großes Aufsehen erregte Scotts letztes Projekt im vergangenen Jahrhundert, das Militärdrama „G.I. Jane“ (1997). Darin spielt Demi Moore die erste weibliche Kadettin, die die knüppelharte Ausbildung der Navy Seals absolvieren darf. Moore scherte sich für die Rolle sogar eine Glatze. Sie muss sich gegen allerhand Vorurteile, sexistische Kameraden und dem unerbittlichen Ausbilder Jack Urgayle (Viggo Mortensen) durchsetzen. Auch hier darf sich Scott wieder auf die Seite seiner weiblichen Protagonistin schlagen, verliert sich aber in proamerikanischem Hurra-Patriotismus, der ihm besonders von internationalen Kritikern vorgeworfen wurde. Und auch wenn Moore eine überzeugende Darstellung gibt, wurde ihr trotzdem die Goldene Himbeere als Schlechteste Schauspielerin zuerkannt. Für Scott, der in jenem Jahr seinen 60. Geburtstag beging, war es jedenfalls der vorläufige Tiefpunkt seiner Karriere. Erneute Beachtung erhielt „G.I. Jane“ dann 2022, als Chris Rock bei der Oscar-Verleihung Jada Pinkett Smiths Kahlkopf verunglimpfte und dabei den Film erwähnte, was deren Ehemann Will Smith zu seiner mittlerweile berüchtigten Ohrfeige an Rock veranlasste.

Gladiator“ (2000)

© 2000 Dreamworks LLC, United International Pictures. Alle Rechte vorbehalten.

Nach diesen bescheidenen Erfolgen waren nicht wenige Branchenvertreter überrascht, als Ridley Scott ankündigte, sich als nächstes einem Monumentalfilm anzunehmen. Nicht nur, dass Scotts Karriere seit Jahren stagniert hatte, war das Genre seit Jahrzehnten als Kassengift verpönt und konnte erst wenige Jahre zuvor mit „Braveheart“ (1995) einen kritischen wie kommerziellen Achtungserfolg verbuchen. David Franzoni, der für Steven Spielberg das Drehbuch zu dessen Historiendrama „Amistad“ (1997) schrieb, das ebenfalls weit unter den Erwartungen geblieben war, ließ sich von Daniel P. Mannix‘ Roman „Those About to Die“ (1958) für die Geschichte inspirieren und schrieb mit John Logan und William Nicholson ein Originaldrehbuch, das zur Zeit des Römischen Imperiums angesiedelt ist. Der neuseeländische Schauspieler Russell Crowe führt das starbesetzte Ensemble an und spielt den römischen General Maximus Decimus Meridius, der seinem Kaiser Marcus Aurelius (Richard Harris) loyal dient und von diesem als Nachfolger angesehen wird, der die Macht Roms dem Volk zurückgeben soll. Das passt Aurelius‘ machthungrigem und völlig ruchlosen Sohn Commodus (Joaquin Phoenix) aber überhaupt nicht, und er ermordet nicht nur eigenhändig seinen Vater, sondern lässt auch Maximus‘ Frau und Sohn töten und will seinen Widersacher aus dem Weg räumen. Doch der kampfstarke Recke überlebt, wird als Sklave an die Gladiatorenschule des ehemaligen Gladiators Proximo (Oliver Reed) verkauft und kehrt ins Kolosseum zurück, um sich an dem nunmehrigen Kaiser Commodus zu rächen. Commodus‘ Schwester Lucilla (Connie Nielsen), die sich der Avancen ihres lüsternen Bruders erwehren muss und ihren Sohn Lucius (Spencer Treat Clark) beschützen will, sieht in Maximus‘ Rückkehr die Chance, Rom aus Commodus‘ Schreckensherrschaft zu befreien.

Wer auch immer Scott zu diesem Zeitpunkt bereits abgeschrieben hatte, wurde nachdrücklich eines Besseren belehrt, denn mit diesem kolossalen Filmereignis kehrt er eindrucksvoll auf die Kinoleinwände zurück. Auch wenn das Drehbuch, besonders die Dialoge, so einige Mängel aufweisen, so tut dies hier überhaupt nichts zur Sache, denn die bildgewaltigen Schauwerte des Films sind überragend. Während Crowe als rachedurstiger, aber durch und durch edler Krieger besticht, ist es Phoenix, der dem Film seinen Stempel aufdrückt und seinem Commodus eine solch hassenswerte Aura verleiht, dass man nicht anders kann, als ihm angewidert zuzuschauen. Auch Oliver Reed, der tragischerweise während der Dreharbeiten nach einer durchzechten Kneipennacht verstarb, was eine Umgestaltung des dritten Akts erforderte, gibt eine tolle Abschiedsvorstellung. Der erste große Erfolg des neuen Jahrtausends, spielte „Gladiator“ weltweit über 460 Millionen Dollar ein und erhielt 12 Oscar-Nominierungen, von denen er fünf gewinnen konnte: Bester Film, Bester Hauptdarsteller für Crowe, Bestes Kostümdesign, Bester Ton und Beste Visuelle Effekte. Scotts Regie, Phoenix’ Nebenrolle, Hans Zimmers und Lisa Gerrards elegische Filmmusik und sogar das Drehbuch wurden nominiert. Der Film löste ein kaum für möglich gehaltenes Revival der Hollywood-Prachtschinken aus, an dem Scott selbst noch das ein oder andere Mal teilhaben darf.

Kannibalen, Soldaten und Nicolas Cage (2001 – 2003)

© 2001 Sony Pictures Releasing. Alle Rechte vorbehalten.

Als der italienische Starproduzent Dino de Laurentiis Scott am „Gladiator“-Set besuchte, überreichte er ihm das Drehbuch zu „Hannibal“ (2001). Der Regisseur glaubte zunächst, dass es sich um ein weiteres Historienepos handelt, und wollte nicht gleich nachher Kampfelefanten über die Alpen schicken. Dass es sich dabei um die Fortsetzung der fünffach Oscar-gekrönten Bestseller-Verfilmung „The Silence of the Lambs“ (1991) über die komplizierte Beziehung der FBI-Agentin Clarice Starling und des psychopathischen Kannibalen Hannibal Lecter handelt, wurde ihm erst danach bewusst. Nachdem sowohl Jonathan Demme die Regie, Ted Tally die Drehbuchadaption als auch Jodie Foster die weibliche Hauptrolle ablehnten, wandte sich de Laurentiis an Scott. Julianne Moore übernahm für Foster, während Anthony Hopkins in seine legendäre Kannibalenrolle zurückkehrte. Das Drehbuch schrieben David Mamet und Steven Zaillian. Darin wird Lecter von einem überlebenden Opfer, dem grässlich entstellten Mason Verger (Gary Oldman, anonymisiert) gejagt, während ein Polizist (Giancarlo Giannini) in Florenz Lecter eigenhändig verhaften will, ehe sich Starling selbst an seine Fersen heftet. Blutig, brutal und zuweilen schwer verdaulich, besonders gegen Ende, wurde der Film trotz seiner kontroversen Gewaltdarstellungen zu einem großen Erfolg.

Noch im selben Jahr verfilmte Scott dann die wahre Geschichte des Debakels einer Task Force der US-Armee, den gescheiterten Versuch, den somalischen Warlord Aidid in Mogadishu zu entmachten. Am 3. Oktober 1993 kam es zu einem intensiven Feuergefecht zwischen den amerikanischen Soldaten und Aidids Miliz, in dessen Verlauf ein Hubschrauber abgeschossen wurde. Was eine blitzartige Mission werden sollte, entpuppt sich als beinharter, stundenlanger Überlebenskampf. Mit großer Starbesetzung, angeführt von Josh Hartnett, Ewan McGregor und Eric Bana, erzählt Scott mit „Black Hawk Down“ die Geschichte voll frenetischem Chaos mit viel technischem Know-how. Scotts Arbeit zahlte sich aus und er erhielt seine dritte Oscar-Nominierung für die Regie, ebenfalls nominiert wurde Kameramann Slawomir Idziak, Editor Pietro Scalia und das Sound-Team gewannen.

Für sein nächstes Projekt nahm sich Scott dann wieder ein wenig zurück. Nach drei aufwendigen Großproduktionen innerhalb von nur zwei Jahren ist „Matchstick Men“ (2003) eine charakterbetonte schwarze Komödie, in der Extremschauspieler Nicolas Cage wieder einmal die ganze Bandbreite seines exzentrischen Könnens aufbieten darf. Er spielt einen neurotischen, an Tourette und Zwangsneurosen leidenden Trickbetrüger, der nach Jahren seine zum Teenager herangereifte Tochter (Allison Lohman) kennenlernt und mit ihr und seinem Juniorpartner Frank (Sam Rockwell) einen groß angelegten Betrug plant, bei dem jeder dem anderen auf den Leim geht. Ein weniger beachteter Film aus Scotts Filmografie, der keinen Gewinn verbuchen konnte, wurde „Matchstick Men“ dennoch überwiegend positiv, unter anderem auch von Kritikerlegende Roger Ebert, rezensiert.

Der zweite Teil dieser umfassenden Rückschau beschäftigt sich mit Ridley Scotts abwechslungsreicher Filmografie von 2005 bis zur Gegenwart.

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