In den 1970er Jahren stieg Francis Ford Coppola zu einem der erfolgreichsten Filmemacher des amerikanischen Kinos auf und schuf vier seiner bedeutendsten Werke. Seitdem ist seine Karriere jedoch mehr von Tiefschlägen als von Höhenflügen durchzogen. Teil II des großen Specials zeichnet Coppolas Karriere von den 1980ern bis zur Gegenwart nach.
Die ersten beiden Filme der „Godfather„-Trilogie (1972, 1974), „The Conversation“ (1974) und „Apocalypse Now“ (1979) waren, trotz anfänglich zurückhaltender Kritikerstimmen, zu durchschlagenden künstlerischen und kommerziellen Erfolgen geworden und hievten Francis Ford Coppola in den Pantheon der bedeutendsten Autorenfilmer. Mit seinen Kollegen und Freunden George Lucas, Steven Spielberg, Martin Scorsese und William Friedkin prägte er zudem die Ära des „New Hollywood“, in der die großen Studios die Verantwortung und gestalterische Freiheit über die Filme an diese jungen, visionären Querköpfe übergaben, die, ohne große Einschränkungen befürchten zu müssen, ihre Ideen nahezu kompromisslos in die Tat umsetzten. Als dann aber Michael Ciminos kostspieliges und vollkommen überproduziertes Historienepos „Heaven’s Gate“ 1980 beinahe die Produktionsfirma „United Artists“ ruinierte, zeichnete sich ein erneuter Paradigmenwechsel zurück zu einer größeren Einflussnahme der Geldgeber ab. Die Hoffnungen der Verfechter des „New Hollywood“ lagen nun auf Coppola, der beweisen musste, dass das Zeitalter der autoritär agierenden Regiegenies noch lange nicht zu Ende gehen durfte.
1982: Am Abgrund

Im Anschluss an sein kräftezehrendes Mammutprojekt „Apocalpyse Now“ (1979) drehte Coppola „One from the Heart“ mit Frederic Forrest, Teri Garr, Raul Julia und Nastassja Kinski in den Hauptrollen. Statt eine simple romantische Komödie wie ursprünglich von MGM vorgesehen sah der Regisseur ein ambitioniertes Musical-Drama vor, das das Budget auf 26 Millionen Dollar verdoppelte. An den Kinokassen ging der Film dann sang- und klanglos unter und sein Produktionsstudio „American Zoetrope“ geriet dadurch in eine gewaltige finanzielle Schieflage, die Coppola mit den Projekten der folgenden Jahre zu berichtigen versuchte.
Frühe 1980er: Comebackversuche

1983 adaptierte er gleich zwei Romane der Jugendbuchautorin S.E. Hinton, zunächst „The Outsiders“, über zwei rivalisierende Jugendgangs, mit einigen aufstrebenden Jungschauspielern wie C. Thomas Howell, Patrick Swayze, Ralph Macchio, Rob Lowe, Emilio Estevez, Matt Dillon, Diane Lane und dem 20jährigen Tom Cruise im Aufgebot. Dillon und Lane gehörten auch zur Besetzung der anderen Hinton-Adaption „Rumble Fish“, gedreht auf Schwarz-Weiß-Film mit starken Kontrasten: darin gerät Ersterer durch brutale Bandenkämpfe im Drogenmilieu in allerlei Schwierigkeiten, aus denen ihm sein von ihm bewunderter großer Bruder (Mickey Rourke) heraushilft, eine Hommage Francis‘ an seinen eigenen großen Bruder August.
Coppolas Schwierigkeiten, die Verbindlichkeiten seines Studios zu tilgen, verschlechterten sich zunehmend mit seinem nächsten Projekt: dem Krimidrama „The Cotton Club“ (1984), einem aufwendig gestalteten Film, der im Jazzmilieu Harlems der 1930er Jahre spielt und im gleichnamigen Club angesiedelt ist, in dem Musiker, Tänzer und Gangster ein- und ausgehen und wo Liebe, Gewalt und Verrat an der Tagesordnung stehen. Coppola adaptierte die Romanvorlage von James Haskins mit Mario Puzo und William Kennedy. Trotz namhafter Besetzung – Richard Gere, Diane Lane und Tanzikone Gregory Hines spielen die Hauptrollen – gestaltete sich auch dieser Film als kostspieliges Fiasko.
1986: Fantasievolle Auftragsarbeiten

1986 inszenierte Coppola zunächst für die Walt-Disney-Themenparks einen 17minütigen 3D-Kurzfilm mit Poplegende Michael Jackson in der Titelrolle des „Captain EO“, der 12 Jahre lang als Attraktion gezeigt wurde und 2010, ein Jahr nach Jacksons Tod, zu dessen Andenken wiederaufgeführt wurde. George Lucas schrieb am Drehbuch mit.
Ebenfalls 1986 entstand „Peggy Sue Got Married“, eine romantische Komödie mit fantastischen Elementen, in der Kathleen Turners Peggy Sue inmitten ihrer Ehekrise zu ihrem High School-Klassentreffen geht und unvermittelt in ihre Schulzeit zurückkatapultiert wird. Coppolas Neffe Nicolas Cage spielt Turners Ehemann, Tochter Sofia spielt ihre Schwester. Um möglichen Problemen vorzubeugen – zuvor waren Jonathan Demme und Penny Marshall vom Regieposten abgesprungen – wurde Coppola vertraglich dazu verpflichtet, weder das Budget noch den Zeitplan zu überschreiten, da ihm sonst der finale Schnitt entzogen wird. Der Film wurde ein Erfolg; Turner, die Kameraarbeit und das Kostümdesign erhielten Oscarnominierungen.
Späte 1980er Jahre: weitere Tiefschläge

Die Produktion seines folgenden Militärdramas, „Gardens of Stone“ (1987), wurde dann vom Tod seines ältesten Sohns Gian-Carlo überschattet, der bei einem Bootsunfall mit dem ursprünglichen Besetzungsmitglied Griffin O’Neal (Sohn von Schauspieler Ryan O’Neal) starb. Für die Romanverfilmung kehrte James Caan nach fünfjähriger Leinwandabstinenz zurück und spielt den Veteranen Hazard, der während des Vietnamkrieges eine väterliche Beziehung zum jungen Soldaten Willow (D.B. Sweeney) aufbaut, der für sein Vaterland in einen laut Hazard aussichtslosen und sinnlosen Krieg ziehen will. Hazard gelingt es nicht, Willow vom Fronteinsatz abzuhalten, während er selbst Halt bei einer jungen, ebenfalls kriegsmüden Journalistin (Anjelica Huston) findet.

1988 brachte Coppola ein weiteres, lange geplantes, Wunschprojekt auf die Leinwand. Die Geschichte des Automobil-Pioniers Preston Tucker sollte ursprünglich ein experimentelles Musical werden, musste aber wegen Coppolas anhaltender finanzieller Schwierigkeiten gestoppt werden. Mit George Lucas als ausführendem Produzent wurde der Film als konventionelle Biografie mit Jeff Bridges in der Hauptrolle, Joan Allen, Martin Landau und vielen anderen in Nebenrollen gedreht. „Tucker: The Man and His Dream“ wurde zwar positiv aufgenommen und mit drei Oscar-Nominierungen, darunter einer für Landau, bedacht, konnte aber ebenfalls keinen Gewinn an den Kassen einfahren.
1989 tat sich Coppola mit zwei weiteren Regielegenden zusammen, um einen Episodenfilm über ihre Heimatstadt, „New York Stories“, zu drehen. Woody Allen, Martin Scorsese und Coppola drehten jeweils ein Segment: in Coppolas „Life Without Zoë“ versucht das titelgebende Mädchen ihre Eltern wieder zusammenzubringen, während sie einer arabischen Prinzessin ein wertvolles Schmuckstück zurückgeben will, dass aus der Obhut ihres Vaters gestohlen wurde. Coppolas Vater Carmine, seine Schwester Talia Shire, Giancarlo Giannini, Carole Bouquet sowie die Jungschauspieler Heather McComb, Adrien Brody und Holly Marie Combs spielen mit. Coppolas Kurzgeschichte konnte im Vergleich zu den anderen beiden, besonders bei Kritikerlegende Roger Ebert, am wenigsten überzeugen. Abermals konnte kein großes Publikum lukriert werden.
1990: Die Rückkehr der Corleones

Nach den vielen Misserfolgen in den 1980er Jahren sah sich Coppola 1990 schließlich gezwungen, das Angebot, das ihm Paramount Pictures machte, nicht mehr abzulehnen. Seit Jahren drängten sie ihn und Autor Mario Puzo, einen dritten Teil der „Godfather“-Saga zu drehen. Nun war es soweit, und Coppola, der die Geschichte der Corleone-Familie eigentlich als beendet ansah, inszenierte und schrieb – wieder gemeinsam mit Puzo – einen, so wie er es beschrieb, Epilog, und wollte den Film auch dementsprechend „The Godfather Coda: The Death of Michael Corleone“ benennen, stieß bei Paramount aber auf Ablehnung. Darin versöhnt sich Michael (Al Pacino) nach Jahren der Entfremdung mit seiner Exfrau Kay (Diane Keaton) und den Kindern und sieht die Chance, mit einem Geschäft mit der Vatikanbank die Familie endlich aus dem Sumpf des Verbrechens zu ziehen. „The Godfather: Part III“ kam Weihnachten 1990 in die Kinos und erhielt sieben Oscar-Nominierungen, ging aber anders als die beiden Vorgänger komplett leer aus. Auch die Kritiken, damals wie heute, sind wesentlich zurückhaltender, wenn es um den verspäteten dritten Teil einer der einflussreichsten und legendärsten Filmtrilogien der Geschichte geht. Dass der Regisseur seine eigene Tochter Sofia als Don Michaels erwachsene Tochter Mary besetzte, nachdem die ursprüngliche Darstellerin Winona Ryder kurz vor Drehstart absprang, brachte Vater und Tochter viel Kritik und Häme ein. Sofia sollte sich später rehabilitieren, und eine gefeierte Filmemacherin wie ihr Vater werden. Coppolas neu geschnittene Ursprungsvision für diesen Film unter dem von ihm präferierten Titel erschien schließlich zum 30jährigen Jubiläum des Films 2020.
1992: Letzter großer Erfolg

Seinen wohl größten Erfolg seit „Apocalypse Now“ durfte Coppola 1992 verbuchen, als sich Ryder, um ihre kurzfristige Absage für „The Godfather: Part III“ wiedergutzumachen, zu einem klärenden Gespräch mit dem Regisseur traf und ihm bei der Gelegenheit das Drehbuch für eine moderne Dracula-Verfilmung übergab. Dieses Skript von James V. Hart verfilmte er schließlich als „Bram Stoker’s Dracula“ und besetzte Gary Oldman als legendären Blutsauger, Anthony Hopkins als dessen erbittertem Jäger Abraham Van Helsing, Ryder als Mina Harker und Keanu Reeves als deren Verlobten Jonathan. Letzterer musste für seine Rolle einen britischen Akzent erlernen, was ihm nach Ansicht der meisten Kritiker misslungen ist. Aufwendig produziert, gelang Coppola endlich wieder ein Erfolg sowohl bei Kritikern und Publikum, der mit drei Oscars für Kostüme, Make-Up und Tonschnitt ausgezeichnet wurde und mit 215 Millionen Dollar Umsatz einer der erfolgreichsten Filme des Jahres 1992 wurde.
Späte 1990er Jahre: Starbesetzte Projekte

Nachdem sein Plan, „Megalopolis“ bereits in den frühen 1990er Jahren zu realisieren, scheiterte, drehte Francis Ford Coppola 1996 die Tragikomödie „Jack“ mit Robin Williams in der Hauptrolle eines zehnjährigen Jungen, der aufgrund einer seltenen Erkrankung viermal schneller altert und so das Aussehen eines Mannes mittleren Alters erreicht, bevor er überhaupt in die Pubertät kommt und erstmals in eine richtige Schule gehen soll. Seine Mutter wird von Diane Lane gespielt, sein Hauslehrer vom damals noch respektierten Bill Cosby und seine Schullehrerin von einer noch weitgehend unbekannten Jennifer Lopez. Trotz überwiegend schlechter Kritiken konnte der Film zumindest seine Kosten wieder einspielen.
Im darauffolgenden Jahr verfilmte Coppola mit Starbesetzung einen Gerichtssaal-Thriller des Bestseller-Autors John Grisham, „The Rainmaker“. Matt Damon spielt Junganwalt Rudy Baylor, der in der Kanzlei eines abgehalfterten Juristen (Mickey Rourke) anheuert und bald gegen eine Versicherungsgesellschaft vorgeht, die einem Leukämie-kranken Jungen die Behandlungskosten einer lebensrettenden Operation verweigert. Zur selben Zeit lässt er sich mit der unter ihrem brutalen Ehemann leidenden Kelly (Claire Danes) ein. Gute Kritiken, besonders für Damon in einer seiner ersten Hauptrollen und der damals erst 18jährigen Danes und ein gutes, wenn auch verhältnismäßig bescheidenes Einspielergebnis bleiben von diesem Film in Erinnerung.
Im neuen Jahrtausend: Independent-Kino unter dem Radar

Erst zehn Jahre später meldete sich Coppola mit einer neuen Regiearbeit zurück, die aber beim internationalen Publikum kaum Beachtung fand: der Verfilmung des Romans „Youth Without Youth“ (2007) des rumänischen Schriftstellers Mircea Eliade. Das Fantasy-Drama, in dem sich ein alternder Professor (Tim Roth) nach einem Blitzschlag kurz vor dem Zweiten Weltkrieg wieder wie ein Jungspund fühlt, sich auf die Suche nach seiner alten Jugendliebe macht und vor den Nazis fliehen muss, entstand in Rumänien. In Nebenrollen sind Alexandra Maria Lara, Bruno Ganz sowie Matt Damon zu sehen.

2009 begab sich Coppola für sein Drama „Tetro“ nach Argentinien und Spanien und arbeitete mit Vincent Gallo, Alden Ehrenreich, Maribel Verdú und Klaus Maria Brandauer zusammen. „Tetro“ erzählt die Geschichte zweier entfremdeter Stiefbrüder (Gallo und Ehrenreich) in Buenos Aires, die ihre schwierige Familiengeschichte, insbesondere zu ihrem Vater (Brandauer), in einem Theaterstück aufarbeiten. Der Film erhielt großteils gute Kritiken und wurde vom renommierten französischen Filmmagazin „Cahiers du cinéma“ zu den zehn besten Filmen des Jahres gezählt.
Zu guter Letzt drehte Francis Ford Coppola dann 2011, basierend auf einem Albtraum, den er eines Nachts hatte, einen Horrorfilm, „Twixt“, für den Tom Waits seine unverkennbare Reibeisenstimme als Erzähler zur Verfügung stellt und der mit Val Kilmer, Bruce Dern, Elle Fanning und Ben Chaplin besetzt ist. Kilmer spielt einen heruntergekommenen Horrorautor, der mysteriösen Vorkommnissen in einer grusligen Kleinstadt auf den Grund geht und sich dabei zwischen seiner Traumwelt – in der auch Edgar Allan Poe erscheint – und der Realität hin- und herbewegt. Der Film wurde in Nordamerika hauptsächlich auf Festivals gezeigt und nur in einigen auserwählten Ländern ins Kino gebracht. Kritiker waren durchwegs unbeeindruckt, „Cahiers du cinéma“ wiederum setzte „Twixt“ auf Platz 3 ihrer gewohnt eigenwilligen Jahresbestenliste.
Resümee

Bis zu seinem neuesten Projekt, „Megalopolis“, vergingen also 13 Jahre. Nun steht er mit 85 vor einem großen Comeback. Aber was bleibt denn nun unterm Strich von einem der umstrittensten, revolutionärsten und ambitioniertesten filmischen Autoren, der das „New Hollywood“ zu einigen seiner größten Erfolge und schlussendlich auch zu seinem Niedergang geführt hat? Der Prozess des Filmemachens war für Coppola von Anfang an eine familiäre Angelegenheit, er arbeitete seit jeher mit seinen Eltern, seinen Geschwistern, seinen Kindern, Neffen, Nichten und zuletzt auch seinen Enkelkindern zusammen. Familie ist auch das zentrale Thema seiner bekanntesten Filme, der „Godfather“-Trilogie. Wenn man sich Coppolas Protagonisten einmal näher anschaut und sie miteinander vergleicht, so lassen sich sehr leicht Parallelen untereinander, aber auch zu ihrem Schöpfer selbst herauslesen: willensstarke Figuren, die die Welt um sie herum verstehen und besser machen wollen, meist mit noblen Absichten, nur um dann an ihrer eigenen Ambition zu zerbrechen und von ihr korrumpiert zu werden. Michael Corleone ist dafür sicher das beste Beispiel, aber auch auf Harry Caul, Benjamin Willard, Rudy Baylor und Adam Drivers Cesar Catilina in „Megalopolis“ trifft diese charakterliche Entwicklung unweigerlich zu. Coppolas Flair für das Theatrale und das Opernhafte wie auch seine Nähe zur Musik kommt in vielen seiner Filme zur Geltung, angefangen von „Finian’s Rainbow“ (1968) über „One from the Heart“, „Cotton Club“, „Dracula“ hin zu „Tetro“ und auch ein Stück weit auch in „Megalopolis“, das Coppola gerne als großes Event a la Bayreuth aufgezogen hätte.
Auch wenn die Zahl seiner Misserfolge jene seiner durchschlagenden Erfolge und Errungenschaften bei weitem übersteigt, sollte man Francis Ford Coppola als einen der bedeutendsten Filmemacher des amerikanischen Kinos in Ehren halten, dessen Leidenschaft und Faible fürs Erzählen epischer, grandioser und stilbildender Geschichten Generationen von Filmemachern beeinflusst hat und weiterhin beeinflussen wird.