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Am 16. August feierte der erfolgreichste Blockbuster-Regisseur der Kinogeschichte seinen 70. Geburtstag – Grund genug, sich seine visionäre Filmographie einmal genauer anzuschauen.

Wenige Filmschaffende haben das Medium und seine technischen Möglichkeiten mehr ausgereizt und weiterentwickelt wie der kanadische Derwisch James Cameron. Bekannt dafür, seine Schauspieler und Crewmitglieder gerne mal bis an die Grenzen ihrer Belastbarkeit und darüber hinaus zu treiben, sprechen die daraus resultierenden Filme allesamt für sich. Viele sind es jedenfalls nicht: in seiner über 40 Jahre andauernden Karriere hat Cameron gerade einmal neun Filme inszeniert, und in den nächsten sieben Jahren – wenn nicht mehr – kommen auch nur drei Fortsetzungen seiner größten Erfolge dazu. Dennoch hat er sich einen Platz in der Filmgeschichte gesichert für die schiere Ambition, mit der er seine spektakulären Ideen verfolgt und kompromisslos auf die Leinwand projiziert.

© 1997 20th Century Fox. Alle Rechte vorbehalten.

Wie viele andere Filmschaffende seiner Generation verdankt auch Cameron seine ersten Gehversuche in der Industrie dem vor wenigen Monaten verstorbenen B-Movie-Papst Roger Corman. Ende der 1970er-Jahre, als Cameron seinen Job als LKW-Fahrer kündigte, nachdem er „Star Wars“ (1977) im Kino gesehen hatte und beschloss, selbst Filme drehen zu wollen, nahm Corman den jungen Mann unter seine Fittiche und heuerte ihn in verschiedenen Positionen bei Low-Budget-Science-Fiction-Produktionen an, sodass Cameron einen Crashkurs in Sachen Filmproduktion erhielt. Ein größeres Projekt zu jener Zeit war John Carpenters Kultklassiker „Escape from New York“ (1981), für den er die Spezialeffekte fotografierte. Zu dieser Zeit drehte er auch seinen ersten Kurzfilm, „Xenogenesis“ (1978).

© 1984 Metro-Goldwyn-Mayer Studios, Inc. Alle Rechte vorbehalten.

Seinen ersten Auftrag als Regisseur eines abendfüllenden Spielfilms erhielt er schließlich Anfang der 1980er Jahre von Produzent Ovidio Assonitis. „Piranha 2: The Spawning“ (1982), ein billiger Science-Fiction-Horror, dessen Produktion sich als echter Albtraum für den damals 28jährigen Cameron herausstellte, denn er hatte keine Kontrolle darüber und geriet ständig in Streit mit Assonitis. Cameron erkennt den Film bis heute nicht als sein legitimes Regiedebüt an. Während der Dreharbeiten in Rom, bedingt durch die stressigen Dreharbeiten und die unüberbrückbaren Sprachbarrieren, wurde er schließlich krank und eines Nachts von einem furchterregenden und eindrücklichen Albtraum heimgesucht: ein metallenes Endoskelett kriecht aus einem flammenden Inferno und macht, mit Messern bewaffnet, unerbittlich Jagd auf ihn. Cameron skizzierte diese Vision sofort nach dem Aufwachen und hatte so die Idee zu einem Science-Fiction-Film, der sich am damals aufkeimenden Hype um Serienkillerfilme wie „Halloween“ (1978) und „Friday the 13th“ (1980) orientierte. Um den Film selbst inszenieren zu können, schlug er seiner damaligen Lebensgefährtin, Filmproduzentin Gale Anne Hurd, einen Deal vor: er verkaufte ihr die Rechte an seinem Skript für einen symbolischen Dollar. Sie schlossen dafür eine Zusammenarbeit mit der unabhängigen Produktionsfirma Hemdale Pictures. Für die Besetzung des titelgebenden „Terminator“ wollte Cameron ursprünglich Lance Henriksen haben, der bei „Piranha 2“ mitwirkte, und Henriksen agierte sogar als T-800 in einem dramatischen Pitch-Meeting mit dem produzierenden Studio. Letztendlich erhielt Henriksen aber eine andere Nebenrolle. Der ehemalige Football-Star O.J. Simpson war ebenfalls als Bösewicht im Gespräch, aber zu jener Zeit hielt ihn niemand für überzeugend genug, einen Mörder zu spielen – ironisch, wenn man bedenkt, welchen Ruf sich Simpson nur ein Jahrzehnt später erarbeitete. Arnold Schwarzenegger, nach „Conan the Barbarian“ (1982) ein aufstrebender Action-Star, traf sich mit Cameron, um über die Rolle von Kyle Reese, dem anderen aus der Zukunft zurückgeschickten Krieger und Beschützer von Sarah Connor gegen den Terminator, zu sprechen. Cameron aber besetzte ihn schließlich in der Rolle, mit der er auf ewig assoziiert werden wird. Reese wurde schließlich von Michael Biehn gespielt, während die Rolle der Mutter des künftigen Rebellenanführers, Sarah Connor, an Linda Hamilton ging. „The Terminator“ war 1984 ein Überraschungserfolg an den Kinokassen und begründete Camerons Karriere.

Zur gleichen Zeit arbeitete Cameron an gleich zwei Drehbüchern für Fortsetzungen erfolgreicher Genrefilme: Produzent Buzz Feitshans und Hauptdarsteller Sylvester Stallone engagierten ihn für „Rambo: First Blood – Part II“ (1985), in dem Stallones John Rambo als unkaputtbare Ein-Mann-Armee seine gefangenen Kameraden aus Vietnam befreit. Das fertige Drehbuch ist, trotz namentlicher Nennung Camerons, hauptsächlich Stallone zuzuschreiben und Cameron äußerte sich, wenn überhaupt, seitdem kritisch dazu.

© 1986 20th Century Fox. Alle Rechte vorbehalten.

Das andere Drehbuch verfilmte Cameron 1986 schließlich selbst: sieben Jahre nach Ridley Scotts richtungsweisendem Science-Fiction-Schocker „Alien“ kreierte Cameron eine Fortsetzung, die nicht nur mehr Charaktere und mehr Aliens – deswegen auch der simple Titel, „Aliens“ – beinhaltet, sondern auch wesentlich mehr Action. Sigourney Weavers Ellen Ripley, einzige Überlebende des „Nostromo“-Desasters des ersten Films, soll eine Gruppe Marines auf den Planeten LV-426 begleiten, weil dort eine Kolonie Menschen von Aliens angegriffen wurden. Ripley wird zur Beschützerin der letzten Überlebenden, dem Mädchen Newt (Carrie Henn). Cameron formte Ripley zu einer waschechten Action-Heldin und einer feministischen Gallionsfigur. Dem großen kritischen und kommerziellen Erfolg des Films, darunter zwei Oscars und eine Nominierung für Weaver, ging jedoch eine alles andere als reibungslose Produktion voraus, denn Cameron brachte seine überwiegend britische Crew am Set in London gegen sich auf. Auch mit dem Komponisten James Horner kam es immer wieder zu Spannungen. Nichtsdestotrotz gilt „Aliens“ bis heute als Meilenstein des Science-Fiction-Genres.

© 1989 20th Century Fox. Alle Rechte vorbehalten.

Die schwierigen Arbeitsbedingungen setzten sich auch bei seinem nächsten Film fort. Basierend auf einem Konzept, welches Cameron bereits in der High-School ausgeklügelt hat, wurde der Dreh zum Unterwasser-Science-Fiction-Abenteuer „The Abyss“ (1989) zu einer emotionalen und kräftezehrenden Zerreißprobe, ganz besonders für die beiden Hauptdarsteller Ed Harris und Mary Elizabeth Mastrantonio, die beide um ein Haar ertrunken wären. Sie spielen Mitglieder eines amerikanischen Bergungsteams, das bei der Suche nach einem versunkenen U-Boot auf eine unheimliche Lebensform in den Tiefen des karibischen Meers trifft. Für die bahnbrechenden Spezialeffekte, die die noch atemberaubenderen Errungenschaften der 1990er Jahre überhaupt erst ermöglichten, verschlang die Produktion das damals rekordträchtige Budget von 70 Millionen Dollar, eine Messlatte, die Cameron mit seinen nächsten drei Filmen noch einmal gewaltig nach oben korrigiert. Der Aufwand wurde mit dem Oscar für die Spezialeffekte und drei weiteren Nominierungen in technischen Kategorien gewürdigt.

© 1991 Carolco Pictures, TriStar Pictures. Alle Rechte vorbehalten.

1990 sah Cameron schließlich die Zeit und die Technik reif, eine Fortsetzung zu seinem ersten großen Erfolg in Angriff zu nehmen. Nicht nur er, auch Arnold Schwarzenegger war bereit, noch einmal den Terminator zu spielen. Allerdings gestaltete sich die Rechtesituation als schwieriger Stolperstein. Schwarzenegger überredete den Produzent Mario Kassar von „Carolco“, mit dem er „Total Recall“ (1990) gedreht hatte, diese zu erwerben. So ging „Terminator 2: Judgment Day“ (1991) im Oktober 1990 in Produktion, um im Juli 1991, rechtzeitig zum amerikanischen Unabhängigkeitstag, in die Kinos zu kommen. Ein logistischer Drahtseilakt, der dank Camerons effizienter Führungsqualitäten perfekt aufging. Bereits für den ersten Film wollte er einen aus flüssigen Metall bestehenden, überaus wandel- und formbaren Terminator zeigen, gab dies aber auf, weil die Kosten und die technischen Limitierungen es nicht zuließen. Für die Fortsetzung jedoch ließen sich Cameron und seine Effektcrew nicht lumpen und erschufen mit dem T-1000 (Robert Patrick) nicht nur einen der ikonischsten Bösewichte der Filmgeschichte, sondern einen unvergesslichen Charakter, der dank einer Pionierleistung in computergenerierten Effekten entstand. Auch heute, 33 Jahre später, sind diese Bilder noch so eindrucksvoll und faszinierend wie damals, was den unveränderten Kultstatus und anhaltenden kritischen Erfolg von „T2“ zementiert. Aber innerhalb des von spektakulären Actionsequenzen und bahnbrechenden Effekteinstellungen nur so durchsetzten Blockbusters steckt im Film auch eine überraschende Portion Emotion und Herz, wenn der zum Beschützer umprogrammierte T-800 (Schwarzenegger) zu einer unverhofften Vaterfigur des jungen John Connor (Edward Furlong) wird, was sogar die zu einer echten Actionamazone transformierte Sarah (Hamilton) würdevoll anerkennt. Der erfolgreichste Film des Jahres 1991 mit Einnahmen von über 520 Millionen Dollar – bei einem Budget von 94 bis 100 Millionen – und vier Oscars für seine technischen Errungenschaften. Nach wie vor Camerons bester Film.

© 1994 20th Century Fox, United International Pictures. Alle Rechte vorbehalten.

Mit seinem nächsten Film, der ironischen Agentenkomödie „True Lies“ (1994), einem Remake des französischen Films „La Totale“ (1991) von Claude Zidi, durchbricht Cameron schließlich die Schallmauer von 100 Millionen Dollar Budget. Arnold Schwarzenegger spielt Harry Tasker, einen Geheimagenten, der seiner Frau Helen (Jamie Lee Curtis) weismacht, ein langweiliger Computerverkäufer zu sein. Er ist ihr in der Tat so langweilig, dass sie eine Affäre mit einem großkotzigen Möchtegernhelden (Bill Paxton) eingeht. Viel Zeit, seine Ehe zu retten, bleibt Harry dann aber nicht, denn er muss einen arabischen Terroristen aufhalten, der es bald auf seine Familie abgesehen hat. „True Lies“ hat alles, was einen quintessenziellen Action-Blockbuster der 90er ausmacht: Explosionen, lustige Einzeiler, überzeichnete Figuren, eine rasante, kurzweilige Handlung, die beste Unterhaltung und Eskapismus bietet. Und natürlich wieder preisgekrönte visuelle Effekte, die ihr Publikum zum Staunen bringen.

1995 schreibt und produziert Cameron für seine damalige Ehefrau, Regisseurin Kathryn Bigelow, deren Film „The Hurt Locker“ 2009 gegen „Avatar“ bei den Oscars antritt und u.a. in den Kategorien Bester Film und Beste Regie triumphiert, den abgründigen Science-Fiction-Thriller „Strange Days“ mit Ralph Fiennes und Angela Bassett in den Hauptrollen, die sich in einem damals futuristischen L.A. in den Tagen vor der Jahrtausendwende in einem Mordkomplott wiederfinden.

© 1997 20th Century Fox. Alle Rechte vorbehalten.

Zur selben Zeit führt ihn seine anhaltende Faszination mit der Schifffahrt und Meeresexpeditionen unweigerlich zu einem der faszinierendsten und tragischsten Kapiteln der Seefahrt: der katastrophalen Jungfernfahrt der „R.M.S. Titanic“ im April 1912. Nach einer umfassenden Recherche stellt Cameron dem Studio „20th Century Fox“ seine Vision schlicht als „Romeo und Julia an Bord der Titanic“ vor. Überzeugt, stellt ihm Fox ein Budget von 90 Millionen Dollar zur Verfügung, dass der unverbesserliche Perfektionist bereits zur Gänze aufgebraucht hat, bevor er überhaupt erst mit den Dreharbeiten beginnen konnte. So lässt er unter anderem in den Baja Studios in Mexiko eine detailgetreue Replik des Schiffs in Originalgröße nachbauen. Die Hauptrollen seines historischen Liebesdramas besetzt er mit Leonardo DiCaprio – der passenderweise ein Jahr zuvor niemand geringeren als Romeo selbst spielte – und die aufstrebende britische Aktrice Kate Winslet, dank Kenneth Branaghs „Hamlet“ (1996) ebenfalls Shakespeare-erfahren, während die Nebenrollen mit Billy Zane, Kathy Bates, Frances Fisher und Bernard Hill ebenfalls mit Charakterdarstellern gefüllt werden. Die ausufernde Produktion, die auch diesmal nicht reibungslos über die Bühne geht, sorgt schon lange vor Kinostart für spektakuläre Schlagzeilen, und das außer Kontrolle geratene Budget, das längst die in den 1990ern unerhörte Höhe von 200 Millionen Dollar übersteigt, lässt nicht nur beim besorgten Studio die Sorge wachsen, dass es hier zum größten Verlustgeschäft der Filmgeschichte kommen könnte. Wie uns die Geschichte aber gelehrt hat, kam alles anders. Nach einem bescheidenen Startwochenende Ende Dezember 1997 bleibt „Titanic“ bis Anfang April 1998, also stattliche 15 Wochen, unangefochtener Spitzenreiter in den nordamerikanischen Kinocharts. Viel besser lief der Film aber in internationalen Märkten: unter anderem 18 Millionen verkaufte Tickets in Deutschland, über eine Million in Österreich. Als erster Film überhaupt spielt das monumentale Melodram über eine Milliarde Dollar ein, bis heute sind es sogar knapp 2,3 Milliarden. Doch nicht nur das Publikum ist begeistert. Die „Academy of Motion Picture Arts and Sciences“ nominiert den Film gleich 14mal, so oft wie zuvor nur „All About Eve“ (1950) (der dafür aber gleich fünf Darstellernominierungen erhielt) und danach „La La Land“ (2016). Ausgezeichnet wird der Film unübertroffene 11mal, so oft wie zuvor nur „Ben-Hur“ (1959) und danach „The Lord of the Rings: The Return of the King“ (2003). Erheblichen Anteil am großen Erfolg des Films hat aber auch die Filmmusik: Cameron versöhnte sich nach der konfliktbeladenen Zusammenarbeit an „Aliens“ mit Komponist James Horner und er kreierte einen der eingängigsten und berühmtesten Scores aller Zeiten. Der Titelsong, „My Heart Will Go On“, den Horner ohne Camerons Wissen mit Co-Autor Will Jennings geschrieben und mit der kanadischen Sängerin Celine Dion aufgenommen hat, wurde zu einem unvergänglichen Welthit, im Guten wie auch im weniger Guten. Alle Beteiligten, sans Dion, wurden dafür mit Oscars ausgezeichnet.

Danach verschwindet Cameron für mehrere Jahre in der Versenkung, kein Wortspiel beabsichtigt. Er dreht drei Meeres- und Tiefseedokumentationen, „Expedition: Bismarck“ (2002), „Ghosts of the Abyss“ (2003) und „Aliens of the Deep“ (2005). Außerdem kreierte er zusammen mit Charles H. Eglee die kurzlebige Science-Fiction-Serie „Dark Angel“ (2000 – 2002) mit Jessica Alba in der Hauptrolle und inszenierte das Finale der zweiten Staffel, das schließlich als Serienfinale herhalten musste, selbst. Für „Terminator 3“ (2003) kehrte er nicht mehr zurück, weil er sich von Mario Kassar und Andrew Vajna, die sich die Rechte am Franchise zurückholten und dafür „20th Century Fox“ ausstachen, die im Auftrag Camerons verhandelten, betrogen fühlte. „Rise of the Machines„, für den Schwarzenegger kurz vor seiner Wahl zum Gouverneur von Kalifornien noch einmal in seine Paraderolle zurückkehrte, wurde schließlich von Jonathan Mostow („U-571“ [2000]) umgesetzt.

© 2009 20th Century Fox. Alle Rechte vorbehalten.

Erst Mitte der 2000er Jahre meldete er sich mit einem neuen Projekt zurück. Was jahrelang als „Project 880“ strengster Geheimhaltung unterlag, nahm mit der rasanten Weiterentwicklung der „Motion Capture“-Technologie mehr und mehr Gestalt an. Inspiriert von zahlreichen Fantasy- und Abenteuerromanen der Geschichte, wollte der ewige Visionär sein Publikum in eine faszinierende fremde Welt mit noch nie dagewesenen Figuren und Schauplätzen entführen. Aber es wäre nicht Cameron, wenn er die Grenzen der Technik nicht sprengen und in neue Dimensionen vordringen würde. Letzteres ist wörtlich zu nehmen. Nach mehreren gescheiterten Versuchen, 3D-taugliches Kino zu etablieren, etwa 1983 mit „Jaws 3-D“, was bekanntermaßen in Robert Zemeckis‘ „Back to the Future Part 2“ (1989) parodiert wurde, scheute Cameron weder Kosten noch Mühen, das dreidimensionale Seherlebnis ins 21. Jahrhundert zu holen und endlich salonfähig zu machen. Dafür entwickelte er zusammen mit Vincent Pace das revolutionäre „3D Fusion Camera“-System, das es ermöglichte, Filme in stereoskopischem 3D aufzunehmen. Nur wenige Filme setzten auf dieses aufwendige und unhandliche Werkzeug, während die meisten, die auf den 3D-Boom aufspringen wollten, schlicht in der Post-Produktion konvertiert werden, sehr zum Missfallen Camerons und des technikaffinen Publikums.

Als „Avatar“ im Dezember 2009 in die weltweiten Kinos kam, setzte Cameron abermals neue Maßstäbe in allen Belangen der Filmproduktion. Wie einst zu „Titanic“ strömten auch hier wieder die Massen in die Lichtspielhäuser, um den neusten Blockbuster des Science-Fiction-Auteurs in all seiner Pracht zu bestaunen. Sam Worthington, Zoë Saldaña, Stephen Lang, Sigourney Weaver und viele andere spielen in dieser Parabel zum menschlichen Umgang mit der Natur und dessen zerstörerische Auswirkungen mit – ein Thema, das Cameron und seiner fünften Ehefrau, Schauspielerin und Aktivistin Suzy Amis, die er am Set von „Titanic“ kennenlernte, sehr am Herzen liegt. Dass sich die Handlung um einen „weißen Retter“, dem titelgebenden „Avatar“ Jake Sully (Worthington), der die Einwohner des Planeten Pandora gegen die ausbeutenden Menschen anführt, dreht, hat seitdem viel Kritik einstecken müssen, nimmt aber nichts von der audiovisuellen Wucht des Films, die besonders im packenden und atemberaubend inszenierten Schlussdrittel an Fahrt gewinnt. Der wieder einmal überwältigende Erfolg – „Avatar“ ist bis heute mit 2,9 Milliarden Dollar der umsatzstärkste Film aller Zeiten und erhielt Oscars für die Kamera, das Produktionsdesign und, no na, die visuellen Effekte – hat natürlich Folgen: Cameron deutete bereits 2010 an, zwei Fortsetzungen drehen zu wollen.

© 2022 20th Century Studios, Walt Disney Pictures. Alle Rechte vorbehalten.

Daraus wurden über die Jahre dann schließlich ganze vier, von denen die erste, „Avatar: The Way of Water“ nach langer Produktion und vielen Verzögerungen etwa durch den Verkauf von Fox an Disney und die Pandemie erst im Dezember 2022 anlief. Sorgen, das das Publikum nach so langer Zeit das Interesse verlieren könnte, stellten sich als unbegründet heraus und Teil 2 seines epischen Abenteuers ist nun der Film mit dem drittbesten Umsatz aller Zeiten. Teil 3 mit dem Titel „Fire and Ash“ ist für Dezember 2025 geplant, während Teil 4 und 5 erst Ende 2029 bzw. Ende 2031 erwartet werden – frühestens. Angeblich soll es bereits Pläne für einen sechsten und siebten Film geben, aber ob Cameron diese dann noch selbst realisieren wird, muss sich zeigen.

Dass Cameron seine ganze kreative Energie dieser Tage nicht nur für „Avatar“-Filme einzusetzen gedenkt, durfte das Publikum 2019 zur Kenntnis nehmen, als nicht nur seine lange geplante Verfilmung des japanischen Mangas „Alita: Battle Angel“ unter der Regie von Robert Rodriguez („Sin City“) veröffentlicht wurde, sondern auch seine herbeigesehnte Rückkehr zum „Terminator“-Franchise mit dem mittlerweile sechsten Teil „Dark Fate“ von Tim Miller („Deadpool“), für den erstmals seit „Judgment Day“ (1991) nicht nur Arnold Schwarzenegger, sondern auch Linda Hamilton und sogar Edward Furlong, wenn auch nur kurz, zurückkehrten. Bei beiden Projekten fungierte Cameron als Autor und Produzent. Trotz bescheidener Erfolge beider Filme arbeitet Cameron an neuen Projekten innerhalb beider Franchises, allerdings hält er sich bislang hierzu bedeckt.

© 2019 20th Century Fox. Alle Rechte vorbehalten.

Was bleibt also unterm Strich von einem kurzen Überblick über Camerons Filmographie? Ein Regisseur, der für seine schier grenzenlosen Visionen nicht bereit ist, Kompromisse einzugehen und den Staus Quo des Filmemachens und der visuellen Ausdrucksfähigkeit immer wieder aufs Neue verändert und erweitert. Im Mittelpunkt seiner zumeist im Science-Fiction-Genre angesiedelten Geschichten ist die fragile und oftmals gefährliche und fahrlässige Beziehung zwischen Mensch und Maschine bzw. Mensch und Natur. Und ähnlich wie etwa Ridley Scott, dessen „Alien“ er so genial fortsetzte, hat Cameron ein Faible für starke und überlebensgroße Frauenfiguren (siehe Ellen Ripley, Sarah Connor und „Avatars“ Neytiri). Und ja, wer einen Film von James Cameron sieht, sollte keine Angst vor Wasser haben!

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