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Ein beschauliches Dorf außerhalb Tokios wird von der Ankunft eines Tourismus-Unternehmens aus seinem Idyll gerissen. Leises, meditatives und wunderschön bebildertes Drama von Ryusuke Hamaguchi.

Bereits in den ersten Minuten von „Evil Does Not Exist“, in denen die Kamera langsam in der Froschperspektive durch einen Wald fährt und wehende Baumwipfel einfängt, stellt sich das Gefühl ein, dass man es hier keinesfalls mit einem gewöhnlichen Film zu tun hat. In der Tat ist Ryusuke Hamaguchis entschleunigte Erzählweise eine eher unkonventionelle Herangehensweise, macht aber hinsichtlich des Themas, das er in seinem Nachfolgewerk zu seinem mehrfach preisgekrönten Drama „Drive My Car“ (2021, Oscar für den besten internationalen Film, Nominierung für Hamaguchis Regie) verhandelt, durchaus Sinn. Viel passiert in diesen 106 Minuten nicht, manche Einstellungen dauern verhältnismäßig lang. Hier haben wir es mit einem neuen Vertreter des „Slow Cinema“ zu tun, einer filmischen Praxis, die sich ausnehmend viel Zeit nimmt, ihre Geschichten zu erzählen. Zumindest hat „Evil Does Not Exist“ keine epische Laufzeit wie etwa die Filme des philippinischen Filmemachers Lav Diaz, die zwischen vier und neun Stunden (!) betragen, oder andere Filme mit exzessiver Laufzeit wie Béla Tarrs „Sátántangó“ (1994), der stolze 439 Minuten läuft. Dieser Film ist also nichts für ungeduldige und auf rasante Sehgewohnheiten trainierte Zuschauer. Aber selbst diese Sorte Filmliebhaber sollten dem Werk eine Chance geben, denn es ist eine schöne und faszinierende Filmerfahrung.

© 2023 Fictive, NEOPA, Pandora Film, Viennale. Alle Rechte vorbehalten.

Takahashi (Ryuji Kosaka) und Mayuzumi (Ayaka Shibutani) arbeiten für ein großes Tokioter Tourismus-Unternehmen, das seinen Kunden neuartiges „Glamping“, also glamouröses Camping, verspricht. Ihr neuestes Projekt soll in einem abgelegenen kleinen Ort inmitten malerischer, winterlicher Wälder angesiedelt werden, deren Natur noch relativ unberührt geblieben ist. Die beiden PR-Mitarbeiter laden die Bewohner zu einem informellen Meeting ein, um ihre Pläne vorzustellen und zu diskutieren, stoßen aber auf einige unangenehme Fragen und naturschutzrechtliche Bedenken, insbesondere vom alleinerziehenden Vater Takumi (Hitoshi Omika), der ihnen erklärt, dass ihr Projekt unter den gegebenen Voraussetzungen irreparablen Schaden am Ökosystem nehmen wird. Von ihrem Boss gedrängt, kehren Takahashi und Mayuzumi, die nun selbst Zweifel an der Sinnhaftigkeit des „Glamping“-Projekts hegen, später zurück, um Takumi als Mitarbeiter zu gewinnen, schlagen sich aber stattdessen lieber auf seine Seite.

Ruhig und unaufgeregt erzählt Hamaguchi seine Geschichte, die ursprünglich als 30minütiger Kurzfilm ohne Dialoge, unterlegt mit der Musik der Komponistin Eiko Ishibashi, konzipiert war. Das erklärt vielleicht die reduzierte Handlung und das zumeist wortkarge Szenario. Das erlaubt es den Zuschauern, tief in die meditativen Bilder einzutauchen, und sich von der atemberaubenden Atmosphäre einnehmen zu lassen, die besonders gegen Ende des Films an Spannung zunimmt. Dass Hamaguchi den Film abrupt und mit vielen unbeantworteten Fragen beendet, mag einige sicherlich enttäuscht, verwirrt, womöglich verärgert zurücklassen, erlaubt es aber auch, sich mit der Thematik und der Symbolik des Films danach weiter auseinanderzusetzen. Denn das Verhältnis zwischen Mensch und Natur, insbesondere zu Zeiten des intensiven Klimawandels, ist ein Thema, das aktueller und dringlicher nicht sein könnte.

Handwerklich routiniert umgesetzt, zeigt der mit dem Großen Preis der Jury in Venedig ausgezeichnete Film eindrucksvoll die Auswirkungen, die der menschliche Exzess, symbolisiert durch das „Glamping“-Projekt, auf die Natur nimmt. Ein nachdenklich stimmendes, melancholisches und stimmungsvoll inszeniertes Plädoyer für mehr Nachhaltigkeit.

Wertung: dreieinhalb von vier Sternen!

Trailer:

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