Oscar-Special 2024: Einer der coolsten Cop-Thriller, die je gedreht wurden, mit einer der spektakulärsten Verfolgungsjagden der gesamten Filmgeschichte. Ausgezeichnet mit fünf Oscars.
Wenn man durch die Filmgeschichte blättert, um die legendärsten und lässigsten Polizisten aller Zeiten zu bestimmen, dann fallen einem ad hoc fünf coole Typen ein, die alle innerhalb von nur fünf Jahren ihren Dienst auf der großen Leinwand versehen haben: da ist erstens Steve McQueens legendäre Rolle als Frank „Bullitt“ (1968) in einem stylischen Krimi, in dem ein Kronzeuge in einem Mafiaprozess beschützt werden muss und der in eine der aufsehenerregendsten Verfolgungsjagden überhaupt durch die Straßen San Franciscos mündete, die auch über ein halbes Jahrhundert später, trotz modernster Tricktechnik und ausgereifter Stuntchoreographie, nahezu unerreicht geblieben ist. Da ist zweitens Frank „Serpico“ (1973), Al Pacinos idealistischer, unbestechlicher und moralisch integrer Saubermann von einem Polizisten in Sidney Lumets Krimidrama, der von seinen korrupten Kollegen angefeindet und schließlich sogar lebensgefährlich verletzt wird. Zwei vollkommen gegensätzliche Typen von Gesetzesvertretern, glamourös und stilsicher auf der einen, dezent und pflichtbewusst auf der anderen Seite. Der Dritte im Bunde ist Clint Eastwoods knallharter, unbarmherziger und kaltschnäuziger Ermittler Harry Callahan, auch bekannt als „Dirty Harry“, der seinen ersten von insgesamt fünf Kinoeinsätzen 1971 antreten durfte und Jagd auf einen Serienkiller macht, der vom unheimlichen „Zodiac“-Killer inspiriert wurde. Ebenfalls 1971 wird Richard Roundtree zu einem wichtigen Vertreter und einer Ikone des „Blaxploitation“-Kinos, und ermittelt zu den legendären Funk-Rock-Klängen von Isaac Hayes als stilvoller Großstadt-Cop John „Shaft„.

Und da gibt es noch Jimmy „Popeye“ Doyle. Er vereint das Beste aus allen Welten. Gene Hackman spielt den mitunter unbeholfenen, aber durch und durch effizienten Drogenfahnder in William Friedkins realistischem, schnörkellosem und hochspannendem Actionthriller „The French Connection“, einem der besten Filme der frühen 1970er Jahre. An seiner Seite ermittelt Roy Scheider, der vier Jahre später für einen jungen Filmemacher namens Steven Spielberg in „Jaws“ einen großen weißen Hai erlegt. Gemeinsam heften sie sich an die Fersen eines gerissenen Drogenbarons.
Von einem Mitglied des New Yorker Mob erfährt Doyle (Hackman), das in Kürze eine große Ladung Heroin von einem Schiff aus Frankreich in der Stadt eintreffen soll. Doyle und seinem Partner Buddy Russo (Scheider) gelingt es, ihre Vorgesetzten zu einer Abhörmission zu überreden. Alain Charnier (Fernando Rey), der die millionenschwere Ladung in die USA schmuggeln möchte, ist aber weitaus gefinkelter und aufmerksamer als gedacht und schüttelt seinen hartnäckigen Verfolger in der U-Bahn ab. Sein Scherge Nicoli (Marcel Bozzufi) verübt wenig später einen Mordanschlag auf Doyle, und flieht mit der Straßenbahn, während Doyle ihm mit einem konfiszierten Auto durch die Straßen hinterherrast. Die Polizisten liefern sich ein nervenaufreibendes Katz-und-Maus-Spiel mit Charnier und seinen Komplizen bis zum ultimativen und schockierenden Showdown.

Ernest Tidymans Drehbuch basiert auf einem 1969 veröffentlichten Buch von Robin Moore über die zwei Drogenfahnder Eddie Egan (Doyle) und Sonny Grosso (Russo), die die Produktion auch als Berater unterstützten. So konnten Produzent Philip D’Antoni und Regisseur Friedkin einen realistischen Film drehen, der die harte Polizeiarbeit nicht als glamourösen und heroischen Job, sondern in einer unaufgeregten, bodenständigen Ästhetik darstellt. Für ein verhältnismäßig geringes Budget von 1,8 Millionen Dollar und an Originalschauplätzen gedreht, hält der Film von Anfang bis Ende die Spannungsschraube konstant angezogen. Charniers Verwirrspiel mit Doyle in der U-Bahn-Station ist herausragend inszeniert und editiert. Das große Highlight des Films ist aber natürlich die atemberaubende Verfolgungsjagd, die sich Popeye Doyle im Auto mit Nicoli in der Hochbahn liefert. Ohne Drehgenehmigung bei echtem Straßenverkehr gefilmt, gelingen Friedkin, seinem überragenden Kameramann Owen Roizman und Editor Gerald Greenberg acht unvergessliche Filmminuten, die, neben „Bullitt“, zu den aufregendsten Actionsequenzen mit qualmenden Reifen gehören. Friedkin selbst ließ 1985 in „To Live and Die in L.A.“ William Petersen (später als Gil Grissom in „C.S.I.“ berühmt geworden) und John Pankow vor mehreren Autos bewaffneter Komplizen eines gemeingefährlichen Geldfälschers (Willem Dafoe) durch Los Angeles fliehen – Geisterfahrt auf der Autobahn inklusive. Der 2023 verstorbene Regisseur war ein Meister atemloser Spannung.
„The French Connection“ ist einer der spannendsten, authentischsten, und cleversten Cop-Thriller der Filmgeschichte. Fünf Oscars für den Besten Film (Produzent D’Antoni), Regisseur Friedkin, Hauptdarsteller Hackman, Drehbuchautor Tidyman und Editor Greenberg sind der verdiente Lohn – dass Roizman für seine fulminante Kameraarbeit nicht gewürdigt wurde, ist eine der vielen schmerzhaften Fehlentscheidungen der Academy. 1975 drehte John Frankenheimer, wieder mit Gene Hackman und Fernando Rey in ihren Rollen, eine Fortsetzung, in der Popeye Charnier in seine Heimatstadt Marseille folgt. „French Connection II“ konnte den Erfolg seines Vorgängers nicht erreichen.
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