Die unglaubliche wahre Geschichte von einer der übermenschlichsten sportlichen Leistungen, die je ein Mensch zustande gebracht hat. Großartig gespielt von Annette Bening, Jodie Foster und Rhys Ifans.
2013 war der Name Diana Nyad in aller Munde. Ellen DeGeneres lud sie in ihre Talkshow ein, Kate McKinnon parodierte sie in „Saturday Night Live“, Nachrichtensender überall auf der Welt widmeten ihr anerkennende Beiträge, später war sie sogar Teilnehmerin bei „Dancing with the Stars“. Die 64jährige Schwimmerin hatte sich gerade im fünften Anlauf ihren großen Lebenstraum erfüllt und ist ohne Schutzkäfig 165 Kilometer von Kuba nach Florida geschwommen. Ein Vorhaben, das sie bereits 35 Jahre zuvor mit 28 hatte aufgeben müssen. Aber mit der Hilfe ihres eingespielten und hingebungsvollen Teams und trotz vieler Hürden hat sie es geschafft. Nun haben die Dokumentarfilmer Elizabeth Chai Vasarhelyi und Jimmy Chin, die 2018 für ihr Portrait des wagemutigen Solokletterers Alex Honnold den Oscar für den besten Dokumentarfilm erhielten, Nyads jahrelange Mission verfilmt. „Nyad“ ist ihr Spielfilmdebüt.

Diana (Annette Bening) beschließt kurz nach ihrem 60. Geburtstag, das Schwimmtraining wieder aufzunehmen und ihren über 30 Jahre zurückliegenden Versuch, von Kuba nach Key West in Florida zu schwimmen, ohne sich in einem Käfig vor Haiangriffen zu schützen, wiederaufzunehmen. Ihre beste Freundin Bonnie (Jodie Foster) ist alles andere als begeistert, erklärt sich aber bereit, sie bei ihrem Unterfangen zu unterstützen und zu trainieren. Weil Diana damals einem unerfahrenen Navigator vertraut hatte, dessen Expertise nicht ausreichend für diese Mission war, heuert sie den Bootsfahrer John Bartlett (Rhys Ifans) an, sie auf ihrem Weg zu begleiten. Die sture und uneinsichtige Diana ordnet ihrem Erfolg alles unter und gefährdet damit nicht nur ihr eigenes Leben, sondern das ihrer Mitstreiter. Zwei Versuche im Sommer 2011 misslingen, zuerst wegen zu starker Meeresströmung, dann wegen eines erhöhten Aufkommens an Quallen. Ein Jahr später wagt sich Diana, fehlgeleitet von einer anderen Expertise, erneut hinaus aufs offene Meer, trotz der eindringlichen Warnung Johns wegen des stürmischen Wetters. Mental und auch finanziell am Ende, steigen er und auch Bonnie aus dem riskanten Unterfangen aus. Diana muss erkennen, dass sie ohne die Hilfe ihrer Freunde nicht ans Ziel kommen wird und nur dann erfolgreich sein kann, wenn sie ihnen vertraut. Gleichzeitig muss sie die Dämonen ihrer Vergangenheit bewältigen. Im Spätsommer 2013 wagen sie schließlich den letzten Versuch…

Eine inspirierende Geschichte, die beweist, dass man nie zu alt sein kann, um seine Träume und Visionen zu verwirklichen, hat man in der Filmgeschichte schon oft gesehen. Man weiß, dass die Person im Zentrum der Handlung ihr Ziel erreichen wird, man erwartet die triumphale Ankunft in Key West und eine emotionale, kathartische Gruppenumarmung. „Nyad“ gelingt es, diese Erfolgsstory mitreißend und spannend zu erzählen, auch wenn einem die Egozentrik der Hauptfigur stellenweise auf die Nerven gehen kann. Dafür lernt man die Figuren hinter ihrem Herkulesakt umso mehr zu schätzen. Rhys Ifans spielt seine Rolle mit einem gewissen Charme, der ihn zu einem echten Sympathieträger werden lässt, was besonders während Dianas letztem, triumphalen Versuch für ein paar sehr emotionale Momente sorgt. Jodie Foster als leidensfähige, ausdauernde und verständnisvolle Bonnie harmoniert gekonnt mit der übereifrigen und idealistischen Diana und bildet, fast schon ironisch, den emotionalen Anker von Dianas Heldenreise. Und Nyad selbst? Dass Annette Bening eine fabelhafte Charakterdarstellerin ist, muss sie mit mittlerweile 65 Jahren niemandem mehr beweisen. Aber es gelingt ihr auch hier wieder, trotz der rauen Schale, die ihre Figur umgibt, den menschlichen Kern nie aus den Augen zu verlieren und eine Frau zu spielen, die sich weder durch die Naturgewalten oder anderer widriger Umstände noch durch ihr fortgeschrittenes Alter bremsen lässt. Es ist eine physisch enorme Herausforderung, die sich Bening hier stellt, und es macht ihre Performance umso eindringlicher und bemerkenswerter. Es ist schade, dass sie gerade in einem so starken Filmjahr um einen Oscar konkurrieren muss – es ist ihre inzwischen fünfte Nominierung nach ihrer Nebenrolle in „The Grifters“ (1990) und ihren Hauptrollen in „American Beauty“ (1999), „Being Julia“ (2004) und „The Kids Are All Right“ (2010). Selbiges gilt natürlich auch für die zweifache Preisträgerin Jodie Foster („The Accused“ [1988], „The Silence of the Lambs“ [1991]).
Nichtsdestotrotz sticht „Nyad“ dank seiner überdurchschnittlichen Schauspielleistungen und der inspirierenden und vorbildlichen Botschaft aus einem an Highlights sehr zu beneidenden Jahrgangs 2023 heraus.
Wertung: dreieinhalb von vier Sternen!
Trailer: