Was sich neckt, das liebt sich. Heiter-vergnügliche, harmlose Liebeskomödie mit einem gut harmonierenden Leinwandpaar in traumhafter Location
Das Genre der Romantikkomödie, im Fachjargon auch gerne schmissig „Rom-Com“ genannt, gehört seit Anbeginn der Zeit zum Repertoire der darstellenden Kunst. Als Erleichterung nach epischen Tragödien konzipiert, versprechen sie ihrem Publikum eine Flucht in eine schönere, bessere Welt, in der es noch so etwas wie ein Happy End geben kann. Die zwei Liebenden, die sich im Verlauf der Geschichte treffen, verlieren, wieder treffen, wieder verlieren, bis sie, durch schicksalhafte Verkettungen der Umstände, mit einer großen romantischen Geste, endgültig zusammenkommen, sind zu Symbolfiguren eines idealistischen, sentimentalen Lebensentwurfs geworden.

Auch der Großmeister der englischsprachigen Theatergeschichte, William Shakespeare, hat neben seinen Tragödien auch einige Lustspiele zu künstlerischem Allgemeingut geformt, das über Jahrhunderte unendlich viele Nachahmer gefunden hat.
Die Filmgeschichte hat zahllose ikonische Leinwandpaare kommen und lieben gesehen, wie die preisgekrönten Clark Gable und Claudette Colbert 1934 in Frank Capras Klassiker „It Happened One Night“, in der Gables Reporter eine verwöhnte Millionärstochter quer durchs Land begleitet, um zu ihrem frisch angetrauten, verpönten Gatten zu reisen. Spencer Tracy und Katharine Hepburn, Doris Day und Rock Hudson, Julia Roberts und Richard Gere, und in jüngerer Vergangenheit Ryan Gosling und Emma Stone haben seitdem ihr Publikum verzaubert. Viele Merkmale und Handlungselemente, die vor Jahrhunderten etabliert wurden, sind bis heute nicht aus der „Rom-Com“-Rezeptur wegzudenken.

Und so dürfte es keine allzu große Überraschung sein, worauf sich Regisseur und Co-Autor Will Gluck hier bezieht. Er macht auch gar keinen Hehl daraus, blendet er doch immer wieder Shakespeare-Zitate im Hintergrund einiger Einstellungen ein und lässt Figuren an manchen Stellen in jambischen Metern tuscheln. „Anyone But You“ ist tief in der Tradition der klassischen „Rom-Com“ verankert und bietet seinem Publikum harmlose 105 Minuten Kabbeleien, mit einer nicht ganz jugendfreien – für amerikanische Verhältnisse jedenfalls – Portion Kraftausdrücken.
In einem Coffeeshop macht die junge Jurastudentin Bea (Sydney Sweeney) die Bekanntschaft mit dem gutaussehenden Banker Ben (Glen Powell) und verbringt einen netten Tag mit ihm. Eine Verkettung unglücklicher Geschehnisse am nächsten Morgen verdirbt aber den guten Eindruck, doch der Zufall will es, dass sie sich sechs Monate später wieder begegnen, als Beas Schwester Halle (Hadley Robinson) Bens beste Freundin Claudia (Alexandra Shipp) heiraten will. Schon auf dem Flug zur Hochzeit in Sydney geraten Ben und Bea aneinander, was während der Trauungsvorbereitungen noch prolongiert wird. Um den Rest des Wochenendes ungestört und reibungslos über die Bühne zu bringen, versuchen Claudias Eltern (Bryan Brown, Michelle Hurd) sowie die Bräute selbst die Streithähne miteinander zu verkuppeln. Ben und Bea durchschauen das Ganze und gehen schließlich selbst in die Offensive. Ihre Bemühungen, sich glaubwürdig als frisch verliebtes Paar auszugeben, werden aber durch die Ankunft ihrer Expartner, Beas früherer Verlobter Jonathan (Darren Barnet) – den sie, trotz Drängen ihrer Eltern (Dermot Mulroney, Rachel Griffiths), nicht heiraten will – und Bens Exfreundin Margaret (Charlee Fraser), über die er scheinbar noch nicht hinweg ist, verkompliziert.

Dass sich die Filmemacher Shakespeares „Viel Lärm um nichts“ als dramaturgische Vorlage ausgesucht haben, erscheint, auch angesichts des Titels, durchaus treffend. Gluck konstruiert daraus ein stellenweise recht behäbiges Schelmenstück, dessen Figuren sich gut daran täten, sich einfach auszusprechen und ihre Missverständnisse aus der Welt zu räumen, anstatt eine unnötig komplizierte und aufwendige Scharade zu inszenieren. Aber von der fehlenden Logik und Absenz zwischenmenschlicher Kommunikation mal abgesehen, harmonieren Powell und Sweeney wirklich gut, die Situationskomik ist an einigen Stellen recht unterhaltsam inszeniert und nutzt das sonnige Ambiente in Down Under gut aus. Die Charaktere, so zweidimensional und austauschbar sie auch sind, bringen Charme und Witz mit. Gluck mag zwar kein Faible für ausgefeilte Drehbücher haben – das hat er bereits mit „Fired Up“ (2009), einer Cheerleader-Komödie, „Easy A“ (2010), einer modernen Adaption des „Scharlachroten Buchstaben“ mit einer jungen Emma Stone, und „Friends with Benefits“ (2011), einer frivolen Sexkomödie mit Justin Timberlake und Mila Kunis, bewiesen – aber er erkennt einen guten Ohrwurm, denn den haben sie alle. Nach Avril Lavignes „Girlfriend“ in „Fired Up“, Natasha Bedingfields „Pocketful of Sunshine” in “Easy A” und “Closing Time” von Semisonic in “Friends with Benefits” – nicht Third Eye Blind, wie Justin Timberlake im Film meint – verhilft er Bedingfield hier zu einem weiteren denkwürdigen Needle Drop und macht „Unwritten“ 20 Jahre nach seinem Erscheinen zu einem Charttopper und lässt im Abspann, nachdem jeder – wirklich jeder – sein Happy End bekommt, gleich den ganzen Cast mitsingen. Commit to the Bit! Gut gespielt.
„Anyone But You“ ist ein routiniert umgesetzter, spannungs- und überraschungsarmer, aber sympathischer und leichter Wohlfühlfilm, der sein Publikum gekonnt unterhalten und zum Mitsingen animieren kann – der Soundtrack hat’s in sich!
Wertung: drei von vier Sternen!
Trailer: