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Oscar-Special 2024: Eine etwas andere Filmempfehlung zum Valentinstag: vor 20 Jahren spielten Jim Carrey und Kate Winslet eines der ungewöhnlichsten Paare der Filmgeschichte

Das Konzept, das diesem Film zugrunde liegt ist genauso simpel wie profund: sollte es möglich sein, sich all die traurigen und unnötig Kummer bereitenden Erinnerungen an eine verflossene Liebe aus seinem Gedächtnis löschen zu lassen? Wäre unser Leben dann besser? Jeder, der schon einmal eine schmerzhafte Trennung oder eine Phase mit gebrochenem Herzen durchlebt hat, kann sich mit diesem tiefgründigen Dilemma identifizieren, was das Kernthema von „Eternal Sunshine of the Spotless Mind“ zu einem universellen und für alle Zuschauer greifbaren macht.

Was diesen Film vom konventionellen Genre der romantischen Komödie abhebt, ist aber nicht nur die Tatsache, dass es sich hier eigentlich gar nicht so recht um eine Komödie handelt, steht doch die Trennung der beiden Hauptfiguren, Joel (Jim Carrey) und Clementine (Kate Winslet), im Zentrum des Plots, sondern auch der Ansatz, den sich die Filmemacher vorgenommen haben. Drehbuchautor Charlie Kaufman, der die Handlung mit Regisseur Michel Gondry und Pierre Bismuth entwickelt hat, und sich für seine schrägen, oftmals Metaebenen durchbrechenden Werke wie „Being John Malkovich“ (1999), „Adaptation“ (2002), und später auch seine eigene Regiearbeit „Synecdoche, New York“ (2008) einen unverkennbaren Namen gemacht hat, webt Elemente des Surrealismus und Existenzialismus ein und präsentiert diese in einem reduzierten Science-Fiction-Setting.

© 2004 Constantin Film, Focus Features. Alle Rechte vorbehalten.

Joel ist perplex und frustriert, als Clementine ihn bei einem Wiedersehen in der Bibliothek, in der sie arbeitet, nicht mehr zu erkennen scheint und, so kurz nach ihrer Trennung, wieder einen neuen Partner an ihrer Seite hat. Als er im Haus eines befreundeten Ehepaars eine ominöse Karte von einer privaten Ordination namens „Lacuna“ entdeckt, in der steht, dass Clementine all ihre Erinnerungen an Joel aus ihrem Gedächtnis gelöscht hat, und Joel dies unter keinen Umständen erfahren darf, macht er sich selbst auf den Weg dorthin. Dr. Howard Mierzwiak (Tom Wilkinson), der Verständnis für Joels Situation entgegenbringt, erklärt ihm das Prozedere, sodass Joel beschließt, Clementine selbst aus seinem Unterbewusstsein zu verbannen. Mierzwiaks Mitarbeiter Stan (Mark Ruffalo) und Patrick (Elijah Wood) sowie Vorzimmerdame Mary (Kirsten Dunst) leiten die ungewöhnliche Operation an Joels Gehirn – unwissend, dass sie auch untereinander so ihre Geheimnisse haben. Doch je tiefer die „Traumwandler“ in die anfangs aufregende, später aufreibende Beziehung eintauchen und eine Episode nach der anderen verschwinden lassen, desto mehr beginnt der träumende Joel, sich an die schönen Dinge mit seiner Exfreundin zu klammern.

Aus einer simplen, ja fast banalen Grundidee – jemandem eine Grußkarte zu überreichen, in der steht, dass jemand den Empfänger aus seinem Gedächtnis gelöscht hat, ein solch tiefgründiges, emotionales und zum Nachdenken und Schwelgen an eigene Erinnerungen anregendes Filmwerk zu erschaffen, ist schon eine Kunst für sich. Mit Gondrys einzigartigem visuellen Flair und Kaufmans typisch skurriler Handschrift entwickelt sich daraus ein melancholisches, lakonisches und eindrückliches Erlebnis. Dabei gelingt es ihnen, das Publikum von der ersten bis zur letzten Minute zu unterhalten, ohne es zu überfordern oder gar mit allzu viel Exposition zu langweilen. Dafür hat der Film völlig zu Recht den Oscar für das Beste Originaldrehbuch gewonnen und ist von der „Writers Guild of America“ sogar auf Platz 2 der besten Drehbücher des 21. Jahrhunderts gewählt worden, hinter Jordan Peeles subversiver Horrorkomödie „Get Out“ (2017).

© 2004 Constantin Film, Focus Features. Alle Rechte vorbehalten.

Maßgeblich am Erfolg des Films beteiligt ist aber natürlich seine durch die Bank exzellente Besetzung. Sowohl Jim Carrey als auch Kate Winslet überzeugen in Rollen, die in generischen Rom-Coms eigentlich andersherum besetzt sind. Während Winslet als quirlige, lebhafte und unberechenbaren Stimmungsschwankungen unterliegende Clementine in ihren Szenen die Show an sich reißt, gibt der sonst so explosive und unfassbar energetische Carrey hier eine wohldosierte, zurückhaltende und wirklich eindrucksvolle Darbietung, die neben „The Truman Show“ (1998) zu den absolut besten seiner Karriere zählt. Die Beiden harmonieren so, außerhalb ihres Rollentypus, umso besser miteinander und machen Joel und Clementine zwar nicht zu einem Vorzeigepaar der Filmgeschichte, aber zu einem, mit dem man mitfühlen und sich identifizieren kann, und welches so aus der grauen Masse heraussticht. Dunst, Ruffalo, Wood und der leider kürzlich verstorbene Wilkinson als „Lacuna“-Team ergänzen die Geschichte mit Raum für eigene Charakterentwicklungen.

Raffiniert erzählt, wunderbar gespielt und mit einer poetisch anmutenden Botschaft ausgestattet, ist „Eternal Sunshine of the Spotless Mind“ vielleicht nicht der beste Film für Frischverliebte und hoffnungslose Romantiker, aber eine kluge, fantasievolle und denkwürdige Liebesdramödie.

Trailer:

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