Altmeister Michael Mann will es noch einmal wissen: Adam Driver kämpft als Gründer des legendären Automobil-Herstellers um die Zukunft seines Unternehmens
Michael Mann, der als Ausführender Produzent maßgeblich am Erfolg der 80er-Jahre-Kultserie „Miami Vice“ (1984 – 89) beteiligt war und als Regisseur moderne Meisterwerke wie „The Last of the Mohicans“ (1992), „Heat“ (1995), „The Insider“ (1999), „Collateral“ (2004) und „Public Enemies“ (2009) inszeniert hat, feierte Anfang diesen Jahres seinen 80. Geburtstag. Ans Aufhören denkt er aber noch lange nicht. Acht Jahre nach seinem bislang letzten Film, dem enttäuschenden Hacker-Thriller „Blackhat“, setzt Mann ein Projekt um, das bereits seit Jahrzehnten auf seiner „To-Do“-Liste gestanden hat: eine filmische Biografie über Enzo Ferrari und das Schicksalsjahr seines Unternehmens, 1957.
In jenem Jahr nämlich steckt der italienische Automobil-Riese in einer veritablen Krise: die Verkaufszahlen stagnieren, nicht zuletzt wegen einiger tödlicher Unfälle, die ihm den wenig schmeichelhaften Spitznamen „Witwenmacher“ einbringen. Privat läuft es für ihn ebenfalls alles andere als rund: ein Jahr zuvor ist sein ältester Sohn gestorben, und die Trauer setzt seiner Frau Laura (eine virtuose Penélope Cruz) enorm zu. Sie ahnt zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass Enzo mit Lina Lardi (Shailene Woodley) nicht nur eine Affäre, sondern auch ein uneheliches Kind hat, welcher eines Tages der rechtmäßige Erbe von „Ferrari“ wird. Dass sich Enzo zunächst aber nicht zu Lina und ihrem Sohn bekennen will, passt dieser wiederum nicht. Um schließlich den angeschlagenen Ruf und den Fortbestand seines Unternehmens zu retten, will er mit gleich fünf Autos am berüchtigten Rennen „Mille Miglia“ teilnehmen.

„Ferrari“ weckt stellenweise Erinnerungen an einen anderen Film, der auch ein Kapitel der Motorsportgeschichte dramatisiert: „Le Mans ´66“ (im Original: „Ford vs. Ferrari„) aus dem Jahr 2019. Neun Jahre nach dem schicksalhaften „Mille Miglia“ trat der amerikanische Automobilhersteller Ford in einen erbitterten Wettstreit mit der Scuderia, den James Mangold mit Starbesetzung bildgewaltig auf die Leinwand brachte. Michael Mann braucht sich mit seinem Film aber keineswegs vor der Konkurrenz verstecken. Mit „Ferrari“ knüpft der Regie-Altmeister an vergangene Erfolge an und erzählt eine spannende und mitreißende Geschichte. Adam Driver, nach „House of Gucci“ binnen weniger Jahre zum zweiten Mal als italienische Ikone besetzt – sollte Francis Ford Coppola eine Biografie über Michelangelo oder Luciano Pavarotti planen, ergibt sich das Casting quasi von selbst –, spielt den „Commendatore“ mit Coolness und emotionaler Distanz, was mit Cruz‘ feuriger Leinwandpräsenz kontrastiert. Wie nahezu alle Filme Manns ist auch „Ferrari“ ein ästhetisch herausragendes Werk, was insbesondere bei der „Mille Miglia“-Sequenz im dritten Akt zur Geltung kommt. Erik Messerschmidts Kameraarbeit kann sich sehen lassen.
Auch wenn Mann nicht ganz an die hohe Qualität seiner früheren Filme herankommt, so ist es doch ein unterhaltsamer Film geworden, der den Mythos der „Scuderia Ferrari“ eindringlich einfängt.
Wertung: drei von vier Sternen
Trailer:
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