Skip to main content

Andreas Schmied gelingt mit seiner romantischen Krimikomödie eine kleine Genreperle – und das aus Österreich

Wenn man in Österreich Glück hat, kommt ab und zu einmal ein Film ins Kino, der zwar kein großes Publikum anzieht, aber so gut gemacht ist, dass man es irgendwie bedauert, wenn nicht mehr Menschen für solche Werke ein Ticket lösen – denn, Hand aufs Herz, gute Filme braucht dieses Land. Und die Überraschung „Hals über Kopf“ ist genau so ein Film.

© Aichholzer Film / Ioan Gavriel. Alle Rechte vorbehalten.

Am Tag ihrer Hochzeit nimmt die aus reichem Hause stammende Ella Lannau (Miriam Fussenegger) kurzerhand Reißaus, denn sie hat erfahren, dass ihr Bräutigam in jene krummen Geschäfte verwickelt ist, für die gegen ihren Vater (August Zirner) ermittelt wird. Beim Versuch, mit dem Beweismaterial zu fliehen, versteckt sie sich in einem Bentley, der just in diesem Moment vom Kleinkriminellen Richie (Otto Jaus) gestohlen wird. Später spannt sie den Mann, der mit seiner Verlobten Christine (Mathilde Graf) in einem ausbaufähigen Rohbau wohnt und beim örtlichen Gangsterboss Onkel Siggi (Juergen Maurer) tief verschuldet ist, für ihre Zwecke ein und täuscht vor, von Richie entführt worden zu sein. Im Laufe ihres chaotischen Abenteuers lernt sie jedoch Richie und sein Umfeld besser kennen und die beiden ungleichen Menschen kommen sich schnell näher. Gleichzeitig steht die Ermittlungseinheit im Fall Lannau kurz vor der Auflösung, wenn nicht bald das Beweismaterial auftaucht, sodass sich Oberst Lippowitz (Ulrike Beimpold) mit ihrem etwas schusseligen Assistenten, Inspektor Fichtl (Patrick Seletzky), auf die Fersen aller Beteiligten heftet.

In knackigen 83 Minuten erzählt Autor und Regisseur Schmied eine Geschichte, die aus unzähligen Versatzstücken anderer Genrebeiträgen besteht, etwa von Screwball-Komödien der 1930er und 40er Jahren oder spezifischer, Danny Boyles in Vergessenheit geratene Krimiromanze „A Life Less Ordinary“ (USA/GB 1997) mit Cameron Diaz und Ewan McGregor – sogar den Showdown in einer Lagerhalle hat man schon in zahlreichen Filmen, nicht nur aus Hollywood, gesehen. Sicher, sonderlich originell ist „Hals über Kopf“ in der Tat nicht, aber die Zutaten, mit denen dieses filmische Gemisch zusammengebraut worden ist, sind stimmig: sympathische, wenn auch teils überzeichnete Figuren, bei denen die Chemie stimmt, flotte Sprüche und ein Plot, der zwar ausufert, aber dennoch elegant konstruiert ist. Kabarettist und Musiker Otto Jaus gibt überzeugend den liebenswerten Loser, während Ulrike Beimpold als verbissene Ermittlerin mit Patrick Seletzky als passendem Sidekick mit Metaphern nur so um sich schmeißen darf. Juergen Maurer wiederum versucht sich als Persiflage auf Marlon Brando mit flüsternder Fistelstimme, die nahe an der Karikatur eines genretypischen Gangsterbosses angelegt ist, ihn aber trotzdem in vielen seiner Szenen als bedrohlich und unberechenbar spielt. Highlight des Films ist aber Miriam Fussenegger, die in diesem Film eine Kostprobe ihres schauspielerischen Könnens und ihrer Bandbreite liefert, von der man künftig hoffentlich noch viel mehr zu sehen bekommt. Ihre Wandlung von einer verwöhnten, nahezu zickigen Braut in spe hin zu einer gereiften, verantwortungsbewussten Frau ist überzeugend.

© Aichholzer Film / Ioan Gavriel

Mit „Hals über Kopf“ gelingt Andreas Schmied eine kurzweilige, äußerst unterhaltsame Genremixtur, bei der fast alles gut zusammenpasst. Bleibt nur zu hoffen, dass sein Beispiel Schule macht und mehr und hoffentlich erfolgreichere Filme folgen werden.

Wertung: dreieinhalb von vier Sternen

Kommentar verfassen

Entdecke mehr von Manuel Stephan

Jetzt abonnieren, um weiterzulesen und auf das gesamte Archiv zuzugreifen.

Weiterlesen