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Irrungen und Wirrungen im Liebesleben von elf Menschen in der Stadt der Engel – ein starbesetztes, gefühl- und humorvolles Romantikdrama

In meiner neuen Rubrik “Mavericks Kultfilme“ stelle ich – aus meiner Sicht – filmische Meisterwerke vor, die entweder von Kritikern und/oder Publikum unterschätzt oder sträflich vernachlässigt wurden, es aber nichtsdestotrotz verdient haben, zumindest einmal im Leben gesehen zu werden. Für die Premiere habe ich mir, anlässlich des Valentinstags sowie der kommenden Internationalen Filmfestspiele in Berlin, ein wenig bekanntes Liebesdrama der späten 1990er Jahre ausgesucht. Erstklassig besetzt, großartig gespielt, mit geschliffenen, pointierten Dialogen – und sehr emotional.

Playing by Heart“ (deutscher Titel: “Leben und Lieben in L.A.“) navigiert die unterschiedlichen, komplexen und nachvollziehbaren (Liebes-)Leben von elf Figuren in der Stadt der Engel in insgesamt fünf parallel verlaufenden Handlungssträngen. Paul (Sean Connery) und Hannah (Gena Rowlands) stehen kurz vor ihrem 40. Hochzeitstag, an welchem sie feierlich ihr Ehegelübde erneuern wollen, als eine längst verdrängt geglaubte Episode aus ihrer Vergangenheit alles zu zerstören droht. Gracie (Madeleine Stowe) ist zwar mit dem langweiligen und orientierungslosen Hugh (Dennis Quaid) verheiratet, aber ihre Ehe ist erkaltet: er probiert sich in Nachtclubs als Improvisationsdarsteller aus, während sie eine leidenschaftliche Affäre mit dem ebenfalls verheirateten Pastor Roger (Anthony Edwards) unterhält, der gerne mehr möchte. Theaterregisseurin Meredith (Gillian Anderson) ist von ihrem Liebesleben frustriert – ihr Exmann outete sich als homosexuell, auch sonst tut sich in ihrem Privatleben nichts. Das ändert sich, als sie auf den sympathischen Architekten Trent (Jon Stewart) trifft, der fortan nichts unversucht lässt, ihre harte Schale zu durchbrechen und zu ihrem Herzen durchzudringen. In der Clubszene von L.A. tummelt sich derweil die lebenslustige und quirlige Schauspielschülerin Joan (Angelina Jolie), die ein Auge auf den schüchternen, zurückhaltenden und melancholischen Keenan (Ryan Philippe) geworfen hat, aber ihrerseits Probleme hat, zu ihm durchzudringen. Schließlich ist da noch Mildred (Ellen Burstyn), die sich um ihren todkranken Sohn Mark (Jay Mohr) kümmert. Die Beiden nutzen ihre letzten verbleibenden Stunden, um miteinander ins Reine zu kommen und endlich ehrlich zueinander zu sein.

© 1998 Miramax Films.

Wie jeder gute Episodenfilm – etwa jenen vom Meister dieser Gattung, Robert Altman – gibt es interessante Verbindungen zwischen den einzelnen Charakteren, die ich an dieser Stelle natürlich nicht verraten werde, um den Zauber der Erstsichtung nicht zu ruinieren. Es ist jedenfalls ein wunderbarer Cocktail aus eindrücklichen Dramen, in denen jede/r Darsteller/in Raum bekommt, Szenen zu stehlen und große Gefühle zu transportieren. Jeder der fünf Plots ist ergreifend, zeitlos relevant und großartig inszeniert, wobei mein persönliches Highlight Angelina Jolies und Ryan Philippes Szenen sind. Beide, noch vor ihrem jeweiligen großen Durchbruch, geben schon einmal eine beachtliche Kostprobe ihres schauspielerischen Könnens ab und ihre emotionalen Szenen lassen mich auch nach über 20 Jahren, seit ich den Film zum ersten Mal gesehen habe, nicht kalt.

Playing by Heart“, mit dem Autor und Regisseur Willard Carroll in den Wettbewerb der Berlinale 1999 eingeladen wurde, spielt gekonnt auf der Klaviatur romantischer Dramen, unterlegt von einem eleganten Score der Komponistenlegende John Barry, der auch für einige der ikonischen James Bond-Musiken, auch jenen mit Sean Connery, verantwortlich zeichnete, und zeitgemäßen Songs, die ihre eigene Atmosphäre entfalten. Wer also eine Zeitreise in die späten 90er, als die Welt noch einigermaßen in Ordnung zu sein schein, unternehmen und Schauspielgrößen mal in Rollen sehen will, die nicht ihrem eigentlichen Typus entsprechen, dem lege ich diese nahezu in Vergessenheit geratene Perle ans Herz. Abschließend noch eine kleine Warnung an alle Cineasten da draußen, die noch einige Klassiker der Filmgeschichte nicht gesehen haben sollten: dieser Film spoilert entscheidende Handlungselemente von „Citizen Kane“ (1941), „Midnight Lace“ (1960), „Psycho“ (1960), „The Crying Game“ (1992) und Tennessee Williams‘ Theaterstück „Suddenly Last Summer“ (1959 verfilmt).

Trailer:

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