Vom Ende einer wunderbaren Freundschaft erzählt Martin McDonagh in seiner neuen, wunderbar schwarzhumorigen Ballade
Wenn dein bester Freund, mit dem du tagein tagaus, köstlichen Gerstensaft konsumierend, über Gott und die Welt schwadronierst, dir aus heiterem Himmel und ohne Vorankündigung mitteilt, dass er nichts mehr mit dir zu tun haben will, wie würdest du darauf reagieren? Diese Frage steht im Zentrum von „The Banshees of Inisherin“, Martin McDonaghs erstem Film seit seinem furiosen Krimidrama „Three Billboards outside Ebbing, Missouri“ vor fünf Jahren. McDonagh hat sich die Latte sehr hoch gelegt, da macht es durchaus Sinn, für seine nächste Mixtur aus menschlichem Drama und schallendem Gelächter ein talentiertes und motiviertes Ensemble zu rekrutieren, was ihm absolut gelungen ist. Colin Farrell und Brendan Gleeson, die mit McDonagh bereits den preisgekrönten Film „In Bruges“ (2008) drehten, spielen die beiden zentralen Protagonisten dieses Schelmenstücks, Kerry Condon und ein großartiger, szenenstehlender Barry Keoghan treten in Nebenrollen auf.

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Farrell glänzt, wie er in seiner Karriere selten, womöglich noch nie, geglänzt hat, als einfältiger, sanftmütiger und hoffnungslos naiver Bauer namens Padraic, der zu seinem großen Schock feststellen muss, dass sein bester Freund, der kongeniale Gleeson als musikalisch begabter, feinsinniger Colm, nichts mehr mit Padraic zu tun haben will, da er, nach eigener Aussage, seine ihm verbleibende Zeit lieber mit dem Komponieren von Musik und geistreichen Gesprächen verbringen möchte, anstatt Padraic stundenlang dabei zuzuhören, was er in den Exkrementen seines geliebten Pferdes gefunden hatte. Dass die beiden in einer kleinen, idyllischen Insel, etwas abgelegen vom im Bürgerkrieg befindlichen irischen Festland anno 1923 leben, macht die plötzliche Trennung nicht nur ungemein kompliziert, sondern auch schnell zu einem sich herumsprechenden Thema unter den anderen Inselbewohnern. Padraics unablässige Versuche, die Wogen mit Colm wieder zu glätten, machen die Situation nur noch schlimmer und Colm untermauert seine Absicht mit einem schockierenden Ultimatum, das noch blutige Konsequenzen und eine Reihe überraschender Wendungen nach sich ziehen wird.
Wie ein Theaterstück – als welches „The Banshees of Inisherin“ auch ursprünglich konzipiert wurde – spitzt sich die Handlung auf ein zentrales Thema und eine Handvoll Figuren zu. McDonagh spielt seine Stärken – Dialogwitz und Feingefühl in der Schauspielregie – exzellent aus und wandelt zielsicher auf dem schmalen Grat zwischen beißendem Humor, schockierenden Wendungen und menschlichen Dramen. Seine beiden Hauptdarsteller Farrell und Gleeson laufen dabei zu Hochform auf, und auch Barry Keoghan, der sich immer mehr als Charakterdarsteller profiliert, verleiht seiner herrlich albernen, ständig unanständigen Figur das gewisse Etwas.

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Mit diesem schwarzhumorigen Drama beweist McDonagh, warum er zurecht als einer der interessantesten Autorenfilmer des Gegenwartskinos angesehen wird. Ein Film mit Kultpotenzial!
Wertung: vier von vier Sternen!
Trailer: