Claire Denis lässt Margaret Qualley und Joe Alwyn in dem von der Pandemie gebeutelten Nicaragua um ihr Leben rennen

Nach „Both Sides of the Blade”, einem Beziehungsdrama, das ihr den Silbernen Bären des Berliner Filmfestivals 2022 einbrachte, kehrt Claire Denis bereits wenige Monate später in Cannes mit ihrem nächsten Projekt „Stars at Noon“ wieder zurück – und gewinnt prompt die zweitwichtigste Auszeichnung des Festivals, den Grand Prix (gemeinsam mit Lucas Dhonts Jugenddrama „Close“). Die Romanvorlage des von Denis Johnson 1986 publizierten Romans spielt während der Revolution in Nicaragua, die Filmemacherin verlegte die Handlung jedoch in die Gegenwart. Und so schlägt sich die Journalistin Trish (Margaret Qualley) durch ein hermetisch abgeriegeltes mittelamerikanisches Land zu Zeiten einer globalen Pandemie. Der Reisepass eingezogen, der Presseausweis nutzlos, sucht sie Zuflucht in einer Hotellobby, wo sie den geheimnisvollen, undurchsichtigen Briten Daniel (Joe Alwyn) kennenlernt, der in mysteriöse Machenschaften verstrickt zu sein scheint und in noch größerer Gefahr schwebt als sie. Gemeinsam versuchen sie, seine Verfolger abzuschütteln und wollen sich auf eigenem Fuß quer durchs Land nach Costa Rica durchschlagen.
Unentschlossen tendiert der Plot zwischen Politthriller, Romanze und Überlebensdrama hin und her, kann aber in keinem der Genres, welches es abdecken will, wirklich reüssieren. Qualley, mit Mut zur Freizügigkeit in einigen erotischen Szenen, und Alwyn harmonieren zwar einigermaßen gut, können aber den dahinmäandernden Plot nicht wirklich interessant halten. Claire Denis gelingt es auch nicht, etwas aus dem ansonsten wenig repräsentierten Schauplatz herauszuholen und bedient sich stattdessen genretypischer Klischees, sodass kaum Spannung und Atmosphäre aufkommt, was bei einer Laufzeit von 139 Minuten vor eine etwas ausgedehntere Herausforderung stellt.

Unterm Strich bleibt von diesem Film höchstens das filmische Dokument eines exotischen Landes während einer globalen Ausnahmesituation, an die wir uns wohl noch lange Zeit gewöhnen und erinnern werden müssen. Ob das dem Film eine Daseinsberechtigung bescheinigt, würde ich von meiner Warte aus bezweifeln.
Fazit: eineinhalb von vier Sternen