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ACHTUNG: Der folgende Text bespricht ausführlich den Film „Once Upon A Time… in Hollywood“ von Quentin Tarantino und kann daher einige wichtige Handlungselemente vorwegnehmen. Wer den Film also noch nicht gesehen hat und nicht gespoilert werden möchte, sollte jetzt bitte nicht weiterlesen

 Zwischendurch gibt es an dieser Stelle mal eine Besprechung zu einem Film, der längst im regulären Kinobetrieb gezeigt wurde und zu einem der meisterwarteten und sicher auch meistdiskutiertesten Filme 2019 zählt. Der neunte – und vermutlich vorletzte – Film von Autor und Regisseur Quentin Tarantino.

© 2019 Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH

Eins vorweg: Meisterwerk ist „Once Upon A Time… in Hollywood“ mit Verlaub keines. Es ist mir auch jetzt, nach zweimaliger Sichtung, nicht verständlich, worauf Tarantino mit diesem Film eigentlich hinauswill. Er lässt sich, wie immer, ausgesprochen viel Zeit, seine Diegese und die sie bevölkernden Figuren vorzustellen und agieren zu lassen, nur sind die ersten 120 der langatmigen 161 Minuten derart spannungsarm und unnötig in die Länge gezogen, dass manch einer zu diesem Zeitpunkt womöglich bereits eingeschlafen ist oder die Hoffnung verloren hat, dass noch irgendetwas Bedeutendes passiert. Wer auf Letzteres gehofft hat, wird zwar belohnt, aber das konfuse Ende setzt Tarantinos eigenartigem Werk dann doch die Krone auf.

Tarantino vereint wieder einmal einen großen, namhaften Cast vor seiner Kamera, doch leider gelingt es ihm, trotz ausufernder Laufzeit, den wenigsten von ihnen gerecht zu werden. Figuren wie Steve McQueen, Bruce Lee, Roman Polanski und, last but not least, Charles Manson persönlich, tauchen in einer, höchstens zwei Szenen kurz mal auf. Nicht mehr und nicht weniger. Dass die Geschichte sich nicht hauptsächlich um die Manson-Morde 1969 dreht, mag schon einleuchtend sein, aber dafür, dass sie doch eine nicht ganz unwichtige Rolle in seinem Film spielen und überdies nahezu den kompletten dritten Akt bestimmen, fühlt sich die finale Konfrontation, so plötzlich und konfus diese auch hereinbricht, seltsam fehl am Platz an und ergibt auch wenig Sinn. Typisch Tarantino, arbeitet er langsam auf die unvermeidliche gewaltsame Eskalation hin und lässt die dann mit voller Wucht auf das Publikum hereinbrechen.

Generell ist der dritte Akt das Ärgerlichste an „Once Upon A Time“: während Tarantinos eigenwillige Geschichtsinterpretation in „Inglourious Basterds“ noch einigermaßen tolerierbar war und seinem „Bunch of Men on a Mission“-Opus einen zufriedenstellenden und kompromisslosen Klimax beschert, fühlt sich sein alternatives Ende hier fehl am Platz an. Nicht nur, dass Sharon Tate, Abigail Folger und Jay Sebring in Tarantinos Welt von Mansons irrer Gang verschont bleibt, die drei überzeichneten und irgendwie lachhaften Hippies schaffen es doch tatsächlich, ins falsche Haus einzudringen. Was Tarantino da geritten hat, bleibt wohl ein Rätsel.

Was vom Film aber positiv in Erinnerung bleiben wird, ist sein großes Starduo. Leonardo DiCaprio, in seiner ersten Rolle seit dem längst überfälligen Oscar, spielt den abgehalfterten und in die Bedeutungslosigkeit abdriftenden Fernsehstar mit gewohnter Bravour und Intensität, was vor allem in den Szenen am Westernset gut zur Geltung kommt. Alles in allem bekommt er aber hier nicht wirklich viel zu tun.

© 2019 Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH

Der wahre Star des Films ist eindeutig Brad Pitt. Er und DiCaprio haben eine solch großartige, natürlich wirkende Chemie, dass die Szene, in denen die beiden übereinkommen, ihre professionelle Partnerschaft zu beenden, eine große emotionale Resonanz auslöst. Pitt bewegt sich in Tarantinos Welt so cool wie schon lange nicht mehr und spielt befreit auf. Sein Charisma hält den Film über weite Strecken am Leben und er spielt zweifellos eine der besten Nebenrollen des bisherigen Kinojahres. Dagegen bleibt Margot Robbie als dritte große Figur, Sharon Tate, nahezu unterbeschäftigt, auch wenn ihre Ausstrahlung und ihr Charme in den wenigen Szenen, in denen sie etwas zu tun bekommt, voll zur Geltung kommen. Robbies Besetzung ist auf jeden Fall eine Bereicherung für den Film.  

Die Liebe zum Detail, die Tarantino an den Tag legt, ist in jedem seiner Filme spürbar, aber selten so prägnant wie hier. Das Los Angeles des Jahres 1969 hat selten so authentisch und immersiv ausgesehen wie in diesem Film. Dass Tarantino gern mit seinem Film- und Musikwissen angibt, ist kein Geheimnis mehr und die vielen populärkulturellen Referenzen sind auch hier geschickt platziert. Wer hätte gedacht, dass Leonardo DiCaprio in Steve McQueens legendärer Rolle in „The Great Escape“ so lässig aussehen kann?

Der perfekt eingefangene Zeitgeist und die spielfreudigen Stars machen den Film, trotz großer dramaturgischer Schwächen und einigen fragwürdigen Entscheidungen, zu einem sehenswerten, wenn auch langatmigen Erlebnis.

Wertung: zwei von vier Sternen!

Trailer:

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