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Julianne Moore und Paul Giamatti laufen in Jesse Eisenbergs saulustiger Musical-Komödie „The Debut“ zu absoluter Hochform auf und liefern sich als Laienschauspielerin und Theaterregisseur ein unvergessliches Duell. Exklusiv von der Viennale 2026.

© 2026 A24, Constantin Film, TOBIS. Alle Rechte vorbehalten.

Gute Komödien sind rar gesät. Komödien mit einer hohen Gagdichte gibt es noch seltener. Aber Komödien, in denen Schauspieler die ganze Bandbreite ihres schauspielerischen Talents aufbieten dürfen und sich so richtig hemmungslos in einen Rausch spielen, dass es einem beim Zuschauen ein ums andere Mal den Atem raubt, nun, so etwas habe ich zumindest in meinem ganzen Leben vielleicht ein, zweimal erleben dürfen. Nun liefert „The Debut“ genau das ab. Es ist nicht verwegen zu behaupten, dass hier ein Film vorliegt, der das Potenzial zum Kultklassiker hat. Das liegt an seinen beiden Hauptdarstellern. Nun ja, genau genommen müsste man, auch hinsichtlich Awards-Shows, Paul Giamatti als Nebendarsteller einordnen, aber so streng will ich an dieser Stelle nicht sein. Dieser Film gehört sowohl ihm als auch seiner furiosen Leinwandkollegin Julianne Moore.

Wenn man sich die bisherige Laufbahn dieser beiden Charakterdarsteller ansieht, dann weiß man, dass wir es mit zwei Vollblutkünstlern zu tun haben, die jede Rolle, die sie spielen, ob dramatisch oder komödiantisch, mit Leben füllen und ihnen ihren ganz eigenen Stempel aufdrücken. Ein Markenzeichen Moores ist es, emotionale Szenen mit einer Natürlichkeit und Selbstverständlichkeit zu performen, dass man sich fragt, wie sie es denn schafft, auf Kommando die Tränendrüsen lockerzumachen. Filme wie „Boogie Nights“ (1997), „Magnolia“ (1999), beiden von Paul Thomas Anderson, oder Todd Haynes‘ „Far from Heaven“ (2002) profitieren von ihrem hingebungsvollen Spiel. Der Oscar für ihre an Alzheimer erkrankte Literaturprofessorin in „Still Alice“ (2014) krönte eine jahrzehntelange beständige Karriere. Ganz so weit ist Paul Giamatti bedauerlicherweise noch nicht. Auch er geht in jeder seiner Rollen auf, sei es als Merlot hassender Weinexperte in „Sideways“ (2004), als Boxmanager in „Cinderella Man“ (2005) oder historische Figuren wie etwa Präsident John Adams 2008 in der gleichnamigen Miniserie – für die er einen „Primetime Emmy Award“ gewann. Das bisherige Highlight ist aber zweifellos sein kauziger, aber verständnisvoller Internatsprofessor Paul in „The Holdovers“ (2023). Nun holt Autor und Regisseur Jesse Eisenberg diese beiden Schauspielgrößen für seine dritte Regiearbeit vor die Kamera.

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Moore spielt die gelangweilte und von ihrer Familie für selbstverständlich erachtete Mona Friedman, die im örtlichen Theater für die Nebenrolle der Hausmeisterin Miss Danielle im (fiktiven) Musical „Nosy Neighbors“ vorspricht. Ohne Schauspielerfahrung und wenig Gesangskönnen bekommt sie die Rolle zunächst nicht. Weil aber die erfahrene Theateraktrice Serena Cherry (Bernadette Peters) abspringt, und Mona sich als einzige andere Kandidatin für die Rolle beworben hatte, schlägt nun doch ihre große Stunde. Der einst selbst als Schauspieler tätige Regisseur Jerry Blankenbuehler ist aber alles andere als begeistert und nimmt Mona bei den Vorbereitungen ordentlich in die Zange. Doch mit der Zeit blüht sie so richtig in ihrer neuen Rolle auf, so sehr, dass sie sich immer mehr in den Part hineinsteigert und plötzlich anfängt, zum „Method Acting“ zu tendieren.

Eisenberg selbst hält sich, anders als zuletzt in „A Real Pain“, wo er neben dem Oscar-prämierten Kieran Culkin die andere Hauptrolle gespielt hat, hier zurück und übernimmt die Nebenrolle eines Ensemblemitglieds des Musicals. Die Bühne überlasst er gänzlich seinen beiden erfahrenen Kollegen. Eisenberg übernahm immerhin nicht nur Regie, Drehbuch und eine Produzentenrolle, sondern schrieb auch alle Songs des Musicals im Film, „Nosy Neighbors“. Wie viel Liebe zum Detail und eigene Erfahrungen er in sein Projekt gesteckt hat, ist schon sehr bemerkenswert. Das ist immerhin erst seine dritte Regiearbeit nach „When You Finish Saving the World“ und die bereits erwähnte Tragikomödie „A Real Pain“. Aber man merkt Eisenberg an, dass er bereits ein sehr mutiger und ausdrucksstarker Filmemacher ist. Eine so stilsicher inszenierte Musical-Komödie habe ich schon lange nicht mehr gesehen.

© 2026 A24, Constantin Film, TOBIS. Alle Rechte vorbehalten.

Und dann sind ja noch die beiden überragenden Stars des Films. In jeder ihrer gemeinsamen Szenen spielen sie sich in atemberaubendem Tempo die Bälle zu und feuern Dialogsalven ab, dass man mit dem Lachen manchmal kaum mehr nachkommt. In einer besonders eindrücklichen Schlüsselszene etwa nimmt Moore ihr ganzes – ja, ihr ganzes – dramatisches und komödiantisches Potenzial zusammen und gibt eine Schimpftirade für die Ewigkeit ab. Niemand wird mehr „Rent’s Due (Die Miete ist fällig)“ sagen können, ohne Julianne Moore zu imitieren. Überhaupt erinnert mich ihre Tour-de-Force-Rolle an eine Mischung aus Gloria Swansons Leinwanddiva Norma Desmond in Billy Wilders unvergänglicher Hollywood-Satire „Sunset Boulevard“ (1950) und Michael Keatons ambitionierten, aber glücklosen einstigen Action-Helden Riggan Thomson in Alejandro González Inarritus moderner Theater-Komödie „Birdman or The Unexpected Virtue of Ignorance“ (2014). Ein Hauch von Judy Garland, vor allem optisch, kommt auch noch hinzu. Für mich ist das ihre beste Rolle, und ohne Zweifel die beste weibliche Hauptrolle des Jahres.

Giamatti wiederum steht Moore in nichts nach, denn auch er wechselt gekonnt von hinreißend komisch zu intensiv. Auch er bekommt seine großen Momente, in denen er die Show an sich reißen darf. Als Regisseur, der die Kontrolle über sein Musical behalten will, gefällt er mir fast schon besser denn als exzentrischer Lehrer mit Pfeife und Glasauge. Im Rennen um die Ehrung als bester Nebendarsteller wird Giamatti ebenfalls eine sehr gewichtige Rolle einnehmen, denn so wie er sich im Zusammenspiel mit Moore hier präsentiert, ist ungemein spannend und amüsant anzuschauen.

Der deutsche Untertitel lautet „Ihr großer Auftritt“. Da hat der deutschsprachige Verleih ausnahmsweise mal ins Schwarze getroffen, denn die beiden Stars haben hier einen wahrhaft großen Auftritt. Urkomisch und immer am Laufen, zündet Jesse Eisenberg hier eine Parade aus eingängigen Songs, witzigen Figuren und irren Duellen, dass man zum Schluss nur anerkennend dasitzen und klatschen kann.

Wertung: vier von vier Sternen!

Trailer:

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