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Strahlende Sieger, historische Errungenschaften und einige Überraschungen hatte die 98. Oscar-Verleihung in der Nacht vom 15. auf den 16. März 2026 zu bieten. Es war ein starker und überaus verdienter Jahrgang.

Zunächst einmal zur Gala selbst: auch in diesem Jahr hat Comedian, Talkshow-Moderator und Podcaster Conan O’Brien einen außerordentlich guten Job gemacht und die schwierige Aufgabe, durch die glamouröseste Nacht des Jahres mit einem Milliardenpublikum zu führen, bravourös gemeistert. Sein Eröffnungssketch, in dem er als „Aunt Gladys“ (Amy Madigans furchteinflößende Okkultistin in Zach Creggers Horror-Hit „Weapons“), gejagt von einer Horde Kinder, durch jeden „Best Picture“-Kandidaten läuft, war wirklich unterhaltsam und gut umgesetzt. Auch sonst führte er souverän durch den Abend. Unter den Stars, die die Preise verliehen, bleiben mir Javier Bardem mit seinem flammenden Anti-Kriegs-Appell, Lionel Richies Rückkehr auf die Oscar-Bühne 40 Jahre nach seinem Sieg mit „Say You, Say Me“ und Jimmy Kimmel mit seinem gewohnt satirischen Biss in Richtung Weißes Haus in Erinnerung. Dass die Dankesrede der „Golden“-Interpreten beim besten Song beinhart abgebrochen wurde, war dann schon sehr unrühmlich. Emotionales Highlight der Show war die „In Memoriam“-Strecke, in der dem ermordeten Starregisseur Rob Reiner von seinem besten Freund Billy Crystal und einer Reihe von Schauspielern in seinen Filmen viel Respekt gezollt wurde, wie auch Rachel McAdams‘ Nachruf auf Diane Keaton und Catherine O’Hara. Barbra Streisand wiederum erinnerte an Robert Redford und sang, mit immerhin auch schon bald 84 Jahren, den Evergreen „The Way We Were“ aus dem gemeinsamen Film der Beiden aus dem Jahr 1973. Rundum gelungene Show!

© 2025 Warner Bros. Pictures. Alle Rechte vorbehalten.

Nun aber zu den strahlenden Gewinnern: im Vorfeld war viel von einem besonders engen Kopf-an-Kopf-Rennen in den Top-Kategorien gesprochen worden. Und was die Anzahl der gewonnenen Trophäen der beiden Favoriten angeht, so konnten beide mehr als zufrieden nach Hause gehen. Aber unterm Strich war der Sieg von Paul Thomas Andersons satirischem Polit-Action-Thriller „One Battle After Another“ doch eindeutiger als angenommen. Sechs Preise vergab die Academy an den Film: Bester Film, Beste Regie, Bestes adaptiertes Drehbuch – und damit nach 14 erfolglosen Nominierungen endlich die lange erwartete Würdigung für Anderson mit gleich drei Oscars – Bester Nebendarsteller für Sean Penn, der nicht einmal persönlich anwesend war, sowie die Preise für den Schnitt und den zum ersten Mal vergebenen fürs Casting. Ein großer Triumph für einen großen und vor allem zeitgemäßen Film.

© 2025 Warner Bros. Pictures. Alle Rechte vorbehalten.

Der andere Film, der zwar im amerikanischen Süden der 1930er Jahre während der „Jim Crow“-Rassentrennungs-Gesetze spielt, aber dennoch im Zeichen der Zeit steht, war Ryan Cooglers Vampir-Horror-Musical-Drama „Sinners“. Mit unfassbaren 16 Nominierungen ins Rennen gegangen – ein einsamer Rekord – reichte es am Ende für vier Preise. Ja, damit ist er der Film mit den meisten verlorenen Preischancen mit einem ganzen Dutzend, aber man muss dem Film für seine Leistung dennoch gebührend Anerkennung zollen. Michael B. Jordan hat wie erwartet das Momentum seines „Actor-Award“-Sieges und Timothée Chalamets sinkende Beliebtheitswerte ausgenutzt und sich mit seiner herausfordernden Doppelrolle als kriminelle Zwillingsbrüder, die eine Blues-Disco eröffnen wollen und an Vampire geraten, einen Platz in den Geschichtsbüchern gesichert. Erst einmal, vor 60 Jahren, gewann Westernlegende Lee Marvin in „Cat Ballou“ für eine Doppelrolle. Coogler selbst ging ebenfalls nicht leer aus und sicherte sich den Preis fürs beste Originaldrehbuch, sein Komponist und Studienkollege Ludwig Göransson ist jetzt bereits dreifacher Oscar-Preisträger. Besonders geschichtsträchtig ist aber der Gewinn für die beste Kameraarbeit, denn nach 98 Jahren hat endlich eine Frau, Autumn Durald Arkapaw, in dieser Kategorie gewonnen und eine längst überfällige Barriere durchbrochen. Auch das verdient großen Respekt!

© 2025 Netflix. Alle Rechte vorbehalten.

In den technischen Kategorien durfte sich unterdessen das Team von Guillermo del Toros bildgewaltiger und elegischer Horror-Adaption „Frankenstein“ über drei Preise freuen: bestes Produktionsdesign, bestes Kostümdesign und, wie zu erwarten, bestes Make-Up & Hairstyling. Jacob Elordi musste insgesamt 400 Stunden im Make-Up-Sessel zubringen, um in Frankensteins Monster verwandelt zu werden, und das, obwohl er nur wenige Wochen vor Drehbeginn die Rolle von Andrew Garfield übernommen hatte. Man sieht, die Mühen haben sich ausgezahlt. Mit zwei Preisen, darunter dem ersten für einen K-Pop-Song überhaupt, ging eine andere Netflix-Produktion nach Hause, nämlich deren meistgesehener Film aller Zeiten, der Animationsfilm „KPop Demon Hunters“, der neben dem Song auch für den besten Animationsfilm prämiert wurde.

© 2025 Universal Pictures, Focus Features. Alle Rechte vorbehalten.

Die anderen Darstellerpreise haben wenig Überraschendes zutage gefördert: der Sieg von Jessie Buckley für „Hamnet“ ist nie in Gefahr gewesen und damit komplettiert sie den Siegeszug irischer Schauspieler in allen vier Haupt- und Nebenkategorien. Auch der Preis für die beste Nebendarstellerin ging, wie erwartet, an Schauspielveteranin Amy Madigan für ihre „Tante Gladys“ in „Weapons“ – vierzig Jahre nach ihrer bislang einzigen Nominierung in der gleichen Kategorie für das Ehedrama „Twice in a Lifetime“.

© 2025 Filmladen, MK2 Films. Alle Rechte vorbehalten.

Von den „Best Picture“-Kandidaten konnten noch Joseph Kosinskis Überraschungshit „F1 the Movie“ für den Sound und Joachim Triers norwegisches Familiendrama „Sentimental Value“ für den internationalen Film gewinnen. Besonders für letzteren sehr erfreulich, ging er doch mit neun Preischancen ins Rennen, war aber in den anderen Sparten hoffnungslos unterlegen. James Camerons Science-Fiction-Epos „Avatar: Fire and Ash“ verlängerte seine Siegesserie in der VFX-Kategorie, was vielleicht ein weiterer Ansporn ist, die Reihe fortzusetzen. Eine Besonderheit gab es überdies in der Kategorie des „Besten Live-Action Kurzfilms“, denn zum erst siebten Mal in der Oscar-Geschichte, und erstmals seit 13 Jahren, gab es einen Gleichstand und damit zwei Gewinner: zum einen „The Singers“ von Sam A. Davis und Jack Piatt und zum anderen „Two People Exchanging Saliva“ von Natalie Musteata und Alexandre Singh. Präsentator Kumail Nanjiani hat das wirklich vorbildlich gemanagt.

© 2025 A24, TOBIS. Alle Rechte vorbehalten.

Bittere Enttäuschung herrscht dafür wiederum in anderen Lagern. Allen voran beim Team von „Marty Supreme“. Josh Safdies Pingpong-Drama über Aufstieg und Fall eines arroganten, egozentrischen Gamblers hatte die Chance auf insgesamt neun Goldjungen. Leading Man Timothée Chalamet galt lange Zeit als haushoher Favorit auf seinen ersten Oscar. Der Skandal um seine Äußerungen zu Oper und Ballett, der ihm viele Sympathien gekostet hat, dürfte nicht allzu viel Auswirkungen auf seine Niederlage genommen haben, da er erst kurz vor Annahmeschluss der finalen Abstimmung losgetreten wurde. Man darf auf Chalamets weitere Karriereentwicklung gespannt sein. Ebenfalls gänzlich leer ausgegangen sind – und das war eigentlich erwartet worden – Yorgos Lanthimos‘ schwarze Verschwörungskomödie „Bugonia“ mit Emma Stone und Clint Bentleys ergreifendes Holzfäller-Portrait „Train Dreams“ mit Joel Edgerton in wirklich wunderschönen Bildern und mit einem elegischen Score.

Das war also die 98. Oscar-Verleihung: eine spannende, überraschende und letztendlich rundum zufriedenstellende Auswahl der besten Filme des Jahres 2025.

Alle Gewinner im Überblick:


Bester Film: „One Battle After Another“ (Paul Thomas Anderson, Adam Somner, Sara Murphy)

Beste Regie: Paul Thomas Anderson für „One Battle After Another

Bester Hauptdarsteller: Michael B. Jordan für „Sinners

Beste Hauptdarstellerin: Jessie Buckley für „Sinners

Bester Nebendarsteller: Sean Penn für „One Battle After Another

Beste Nebendarstellerin: Amy Madigan für „Weapons

Bestes Casting: Cassandra Kulukundis für „One Battle After Another

Bestes Originaldrehbuch: „Sinners“ von Ryan Coogler

Bestes adaptiertes Drehbuch: „One Battle After Another“ von Paul Thomas Anderson, inspiriert von „Vineland“ von Thomas Pynchon

Bester internationaler Film: „Affeksjonsverdi (Sentimental Value)“ aus Norwegen von Joachim Trier

Bester Animationsfilm: „KPop Demon Hunters“ von Maggie Kang, Chris Appelhans und Michelle L.M. Wong

Beste Filmmusik: „Sinners“ von Ludwig Göransson

Bester Filmsong: „Golden“ aus „KPop Demon Hunters“: Musik und Text: Ejae, Mark Sonnenblick, Joong Gyu-kwak, Yu Han Lee, Hee Dong Nam, Jeong Hoon Seo und Teddy Park

Beste Kamera: Autumn Durald Arkapaw für „Sinners

Bester Schnitt: Andy Jurgensen für „One Battle After Another

Bestes Produktionsdesign: Tamara Deverell (Produktionsdesign) und Shane Vieau (Setdesign) für „Frankenstein

Bestes Kostümdesign: Kate Hawley für „Frankenstein

Bestes Make-Up & Hairstyling: Mike Hill, Jordan Samuel und Cliona Furey für „Frankenstein

Bester Sound: Gareth John, Al Nelson, Gwendolyn Yates Whittle, Gary A. Rizzo und Juan Peralta für „F1: the Movie

Beste visuelle Effekte:  Joe Letteri, Richard Baneham, Eric Saindon, and Daniel Barrett für „Avatar: Fire and Ash

Bester Dokumentarfilm: „Mr. Nobody Against Putin“ von David Borenstein, Pavel Talankin, Helle Faber und Alžběta Karásková

Bester dokumentarischer Kurzfilm: „All the Empty Rooms“ von Joshua Seftel und Conall Jones

Bester animierter Kurzfilm: „The Girl Who Cried Pearls“ von Chris Lavis und Maciek Szczerbowski

Bester Kurzfilm: „The Singers“ von Sam A. Davis und Jack Piatt UND „Two People Exchanging Saliva“ von Alexandre Singh und Natalie Musteata

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