Unglaubliche wahre Geschichte eines Einbrechers, der sich monatelang in einer „Toys ‚R‘ Us“-Filiale versteckt hält, um vor den Behörden zu fliehen. Schwierig wird es, als sich der charmante Gauner in eine Angestellte verliebt.

Jeffrey Manchester (Channing Tatum) kann einem eigentlich fast schon leidtun. Er ist ein geschiedener, aber liebender Vater dreier Kinder, der sich allerdings kein Fahrrad für seine Tochter leisten kann. Dabei hat er seinem Vaterland lange beim Militär gedient. Wie soll er denn jetzt bloß ans schnelle Geld kommen? Die „rettende“ Lösung kommt ihm auf dem Parkplatz einer „McDonald’s“-Filiale: wieso nicht einfach übers Dach ins Restaurant einbrechen, am nächsten Morgen die Belegschaft als Geisel nehmen, in den Kühlraum sperren, aber trotzdem nett behandeln und dann mit dem Geld des Milliardenunternehmens abhauen? Über zwei Jahre nimmt Jeff so 45 Burgerbuden hoch, bis er, ausgerechnet bei der Geburtstagsfeier seiner Tochter, festgenommen wird. Ihm stehen 45 Jahre Gefängnis bevor. Doch es gelingt ihm nach einiger Zeit, beim Beladen eines Lastwagens, mit ebendiesem zu fliehen.
Ohne die Möglichkeit, mit seinen Kindern in Kontakt zu treten, muss Jeff, der nun landesweit gejagt wird, sich lange genug verstecken, um mit Hilfe seines einstigen Armee-Kameraden und Freundes Steve (LaKeith Stanfield) außer Landes zu reisen, um sich der Auslieferung und neuerlichen, diesmal wohl endgültig lebenslangen, Einweisung ins Gefängnis entziehen zu können. Kurz vor Ladenschluss betritt er eine „Toys ‚R‘ Us“-Filiale, wo er sich schließlich ein gemütliches Versteck für mehrere Monate einrichtet, mit Überwachungsequipment aus Spielwaren. Ernähren muss er sich über lange Zeit von „M & M’s“, was seine Zähne in Mitleidenschaft zieht. Beim Observieren der Mitarbeiter fällt ihm die kürzlich geschiedene, alleinerziehende Leigh (Kirsten Dunst) ins Auge, die er kurze Zeit später in einer Kirche kennenlernt, als er ausrangiertes Spielzeug der Filiale dort spendet. Er stellt sich ihr als John Zorn, ein streng geheimer Regierungsbeamter aus New York vor, und sie werden ein Paar. Auch die Kirchengemeinde, darunter Pastor Ron Smith (Ben Mendelsohn), nimmt John wohlwollend in ihre Gemeinschaft auf und es gelingt ihm sogar, das Vertrauen ihrer beiden Töchter zu gewinnen. Nur, wie lange wird das wohl gut gehen?

Neben „The Mastermind“ die andere große Krimikomödie des diesjährigen Kinoherbsts auf der Viennale, ist „Roofman“ von Derek Cianfrance der eindeutige Gewinner der Beiden. Nicht, dass der andere Film nicht auch gelungen wäre, hier aber ist es die Hauptfigur, die den Unterschied ausmacht. Jeff bringt die richtige Portion Charme und Gutherzigkeit mit, die es braucht, um dieser Figur auf dieses irre und eigentlich völlig dumme Abenteuer zu folgen. Er trifft über den Verlauf einige hanebüchene und völlig sinnbefreite Entscheidungen, bei denen man bei klarem Verstand mit dem Kopf schüttelt. Cianfrance und sein Ko-Autor Kirt Gunn hätten sich keine bessere Vorlage für diesen Film ausdenken können. So ergibt sich viel absurde Situationskomik in der Spielzeugfiliale, aber auch einige bewegende Momente, besonders gegen Ende, mit Leigh und ihrer Familie.
Der Film atmet seine Luft dank der glaubwürdigen Chemie zwischen seinen beiden Hauptdarstellern Channing Tatum und Kirsten Dunst. Besonders Tatum bringt hier viel von seinem natürlichen Charisma und komödiantischem Talent mit, das ihm für die Figur, die er hier spielt, sehr gelegen kommt. Dunst sorgt für den melodramatischen Aspekt in der Story, und sie erinnert mich zum Schluss ein wenig an Ashley Judds Rolle der Charlene Shiherlis in Michael Manns Crime-Thriller-Meisterwerk „Heat“ (1995). In einer lustigen Nebenrolle ist Peter Dinklage als Manager der „Toys ‚R‘ Us“-Filiale zu sehen, dessen gewohnte dramatische Intensität hier wunderbar zu lustigen Zwecken eingesetzt wird.
Anders als seine bisherigen Werke liefert Cianfrance hier einen kurzweiligen, richtig komischen und auch anrührenden Krimi, in dem Channing Tatum als inkompetenter aber dennoch sympathischer Gentleman-Gauner zu spielfreudiger Hochform auflaufen darf. Man muss Jeffrey Manchester für seinen Einfallsreichtum und seine Hartnäckigkeit bewundern. Dafür unterhält er das Kinopublikum die 126 Minuten wirklich gut.
Wertung: dreieinhalb von vier Sternen!
Trailer: