Dwayne „The Rock“ Johnson stellt sich seiner größten künstlerischen Herausforderung und legt sein Million-Dollar-Grinsen ab, um einen Pionier der Mixed-Martial-Arts-Szene zu verkörpern. Ob die Rechnung aufgeht?

Es gab in den vergangenen fünfzehn Jahren wohl kaum einen Schauspieler, der in Hollywoods immer mehr aufgeblähten Blockbuster-Blase erfolgreicher war als der ehemalige Wrestling-Star Dwayne Johnson, der seinen Ringnamen „The Rock“ zwar längst abgelegt hat, aber natürlich nach wie vor damit assoziiert wird. Seit Johnson 2011 ins „Fast & Furious“-Franchise eingestiegen ist, dass sich in weiterer Folge zu einem Milliardenerfolg aufschwingen sollte, ist kein Jahr vergangen, ohne dass mindestens ein Actionfilm mit Johnson auf dem Poster ins Kino kam. Klar, Charisma und Sexappeal – ja, auch das hat er – verkaufen Kinotickets wie Bäcker ihre Semmeln unters Volk bringen. Allzu viel schauspielerische Anstrengung musste Johnson aber in keinem seiner bisherigen Projekte aufwenden. Der Erfolg kam meist von selbst. Das gilt für Filme wie „San Andreas“ (2015), „Rampage“ (2018), „Skyscraper“ (2018) und die späten „Jumanji“-Fortsetzungen (2017, 2019), wobei der Erfolg von letzteren nicht allein Johnson zugeschrieben werden sollte, sondern gleichmäßig auf seine Szenenpartner Jack Black, Karen Gillan und natürlich Kevin Hart aufgeteilt werden müsste.
Johnsons Talent als Actionheld, als komödiantischer Protagonist oder auch mal Antagonist und sogar als Sänger – im Animationsfilm „Moana“ (2016) und seiner 2024er-Fortsetzung – ist unbestritten. Aber im ernsten Fach, der wirklich dramatischen Performance-Kunst, darin ist Johnson noch weitgehend ungeübt. Rollen wie in „Gridiron Gang“ (2006) oder Richard Kellys ambitioniertem, aber gescheitertem Science-Fiction-Epos „Southland Tales“ (2006) ließen Potenzial erahnen, schöpften dies aber nicht aus. Dieses Hintergrundwissen macht Johnsons radikalen Imagewechsel vom Blockbuster-Sonnyboy zum ernsthaften Charakterdarsteller umso beeindruckender. Regisseur, Produzent und Drehbuchautor ist Benny Safdie, der in „The Smashing Machine“ erstmals ohne seinen Bruder Josh arbeitet, der Ende 2025 mit „Marty Supreme“ ebenfalls sein Solodebüt als Filmemacher geben wird. Benny Safdie erzählt in seiner einfühlsamen und ruhig erzählten Biografie die Geschichte des Mixed-Martial-Arts-Kämpfers Mark Kerr, der vom Amateurwrestling kommend, die internationale Kampfsportszene aufmischen will. Jahre bevor er sich einen Namen in der UFC machte, trat er zwischen 1997 und 2000 in Japan bei der „PRIDE Fighting Championship“ an. Um im intensiven und harten Sport bestehen zu können, greift Kerr regelmäßig zu Schmerzmitteln und Opioiden, zu denen er schließlich eine gefährliche Sucht entwickelt. Das beeinträchtigt die schwierige und emotional sehr belastende Beziehung zu seiner Freundin Dawn Staples (Emily Blunt). Nach einem unfair verlorenen Kampf und einem gesundheitlichen Zusammenbruch macht Kerr einen schmerzhaften Entzug und will mithilfe seines besten Freundes und Sparringpartners Mark Coleman (Ryan Bader) und unter dem Training des erfahrenen Bas Rutten (spielt sich selbst) das große Comeback beim „PRIDE Grand Prix“ in Tokio Anfang 2000 schaffen, während sein Privatleben implodiert.

Make-Up- und Prothesen-Experte Kazu Hiro, der bereits Bradley Coopers Aussehen für dessen Rolle als Leonard Bernstein in „Maestro“ (2023) veränderte, legt auch hier wieder bemerkenswert Hand an Dwayne Johnsons Erscheinung an. Wenn man nicht wüsste, wer da auf der Leinwand spielt und auch seine Stimme nicht identifiziert, man würde Johnson kaum erkennen. Auch sonst ist seine Performance anders als alles, was er bislang gemacht hat. Man erinnert sich natürlich an vielen Stellen des Films an andere Sportdramen wie Martin Scorseses erschütternden „Raging Bull“ (1980) oder Darren Aronofskys elegischen „The Wrestler“ (2008), aber Mark Kerr fühlt sich hier zu keinem Zeitpunkt wie eine blasse Kopie gefeierter Vorgänger an. Safdie behandelt seinen Protagonisten mit viel Respekt und gibt Johnson die Gelegenheit, die emotionale Wucht seines Charakters zu erfassen, ohne ihn ins Sentimentale, Überlebensgroße oder Unerträgliche abdriften zu lassen. Damit gelingt Johnson wahrlich eine Meisterleistung, die viel Anerkennung verdient. Genauso verhält es sich mit Emily Blunts Dawn, die in den besonders intensiven Momenten als kongeniale Szenenpartnerin auftritt.
„The Smashing Machine“ ist keine Geschichte über Triumph, es ist vielmehr das berührende Portrait eines Kämpfers, der bereit ist, dem Erfolg alles unterzuordnen und darüber seine eigene körperliche und seelische Gesundheit und die Beziehung zu den ihm nahestehenden Menschen vernachlässigt. Safdie inszeniert und schneidet sein Drama mit viel Atmosphäre und beendet es mit einem bittersüßen Tribut an den Mann, der nicht nur seinen Film, sondern auch einen gesamten Sport inspiriert hat.
Wertung: dreieinhalb von vier Sternen!
Trailer: