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James Caan will sich als gerissener Safeknacker und Diamantendieb zur Ruhe setzen und eine Familie gründen. Leichter gesagt als getan, wie er in diesem schnörkellos inszenierten Crime-Thriller von Michael Mann auf die harte Tour lernt.

© 1981 United Artists. Alle Rechte vorbehalten.

Viele moderne Crime-Thriller, die ihrerseits Kultstatus erlangt haben, verdanken nicht wenige ihrer Kredenzen dem Autor und Regisseur Michael Mann. Er fertigte nämlich gleich mit seinem ersten Kinofilm „Thief“ die Blaupause für das ewig coole Subgenre an. Mann selbst sollte in den darauffolgenden drei Jahrzehnten noch ein paar Mal zu seinem Lieblingssujet zurückkehren – etwa mit der von ihm produzierten Hit-Fernsehserie „Miami Vice“ (1984 – 1989), die er 2006 selbst fürs Kino adaptierte, der ersten Hannibal Lecter-Verfilmung „Manhunter“ (1986), dem Fernsehthriller „L.A. Takedown“ (1989) und dessen wesentlich bekannterem Kinoremake „Heat“ (1995), dem Actionthriller „Collateral“ (2004) sowie der Gangsterballade „Public Enemies“ (2009). Mann ist ein Meister, wenn es darum geht, zwielichtige Gestalten in düsteren Unterwelt-Szenarien aufeinandertreffen zu lassen und sie dabei so richtig in die Mangel zu nehmen.

Das alles funktioniert dann aber natürlich nur mit dem richtigen Protagonisten. Der muss eine gewisse Coolness ausstrahlen, und selbst in den haarsträubendsten Momenten die Fassung bewahren, um seinen Kopf aus der sprichwörtlichen Schlinge zu ziehen. In „Thief“ erschuf der charismatische Charakterdarsteller James Caan den prototypischen Protagonisten nicht nur für Michael Mann, sondern für viele der nach ihm folgenden Antihelden in stylischen Thrillern. Der 2022 verstorbene Caan ist vielleicht am bekanntesten für seine Oscar-nominierte Nebenrolle des ältesten Corleone-Sohns Sonny in Francis Ford Coppolas Mafia-Epos „The Godfather“ (1972), eingefleischte Cineasten kennen ihn aber womöglich auch aus Filmen wie „The Gambler“ (1974), „Rollerball“ (1975), „Misery“ (1990), „Eraser“ (1996), „Mickey Blue Eyes“ (1999) und „Elf“ (2003). Hier spielt er aber seine mit Abstand beste Rolle, für die man sich noch lange an ihn erinnern wird. Denn Caan verkörpert diese Coolness mit einer unglaublichen Selbstverständlichkeit, dass man ihm immer wieder gerne auf seinen abwegigen Trip ins Verderben folgen möchte.

© 1981 United Artists. Alle Rechte vorbehalten.

Er spielt Frank, einen gerissenen Profidieb. Kein Safe ist vor ihm sicher, und er fährt gerne mal schweres Geschütz auf, wenn es darum geht, ins Innere eines Tresors einzudringen und wertvolle Diamanten zu stehlen. Gemeinsam mit seinem Kumpel und Komplizen Barry (James Belushi) zieht er ein lukratives Ding durch und will bei seinem Hehler Joe Gags (Hal Frank) 185,000 Dollar abholen, als dieser von Schergen des Gangsterbosses Leo (Robert Prosky) ermordet wird. Um seine Ruhestandsvorsorge betrogen, steigt Frank widerwillig in Leos krumme Geschäfte ein und plant einen spektakulären, weitaus größeren Coup in der „Bank of California“ in Los Angeles. Zur gleichen Zeit will Frank, der als Tarnung vor der allgegenwärtigen Polizei einen Gebrauchtwagenhandel und eine Bar betreibt, mit seiner Frau Jessie (Tuesday Weld) eine Familie gründen, was aber wegen seiner Vergangenheit als Ex-Knacki erschwert wird. Und dann ist da noch sein todkranker Mentor „Okla“ (Country-Legende Willie Nelson), der endlich aus dem Gefängnis entlassen werden will, um in Freiheit zu sterben. Frank denkt, dass er mit diesem letzten Job endlich die Vergangenheit loswerden und mit Jessie in eine sorgenfreie Zukunft fliehen kann. Dann kommt aber alles anders…

Von der ersten Panzerknacker-Sequenz an zieht Mann die Spannungsschraube konstant fest zu. Unterlegt mit einem lauten, wummernden Soundtrack der deutschen Synth-Pop-Band „Tangerine Dream“ erzeugt er eine düstere, aber dennoch einladende Atmosphäre, die den Zuschauer in seinen Bann zieht. Wir begleiten Caan auf einen wendungsreichen, mitunter brutalen und letztlich elegischen Trip durch die nächtlichen Straßen von L.A., stets gespannt, welche Gefahren und Hindernisse in der nächsten Ecke auf ihn lauern. Wer Filme wie „Heat“, „Collateral“ oder Nicolas Winding Refns modernen Neo-Noir-Actionthriller „Drive“ (2011) und den nervenaufreibenden „Good Time“ (2017) der Brüder Benny und Josh Safdie mag, der wird hier eine diebische Freude haben. Viele der stilistischen Feinheiten, die sich diese Filme zunutze machen, sind mehr oder weniger offensichtlich aus dieser Filmperle der frühen 1980er Jahre entlehnt.

Dank der schnörkellosen, glatten Inszenierung Manns und einer zeitlos lässigen Performance seines Hauptdarstellers James Caan ist „Thief“ mehr als nur eine zweistündige Zeitreise zurück in die frühen 1980er, sondern eine ewig spannende und mitreißende Gaunerballade, zu Unrecht vom breiten Publikum links liegen gelassen. Der anhaltende Kultstatus aber zeugt von der großen Filmkunst, die Mann und Caan hier gemeinsam aufgezogen haben. Für Genrefans ein unumgänglicher Pflichtfilm.

Trailer:

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