Im Kino sind die Dinosaurier einfach nicht totzukriegen. Zum nunmehr siebten Mal treffen Menschen und Urzeitviecher aufeinander. Gelingt die „Wiedergeburt“ oder sollte man Ausgestorbenes einfach mal ausgestorben sein lassen?

Auf dem Regiestuhl bei „Jurassic World: Rebirth“ hat nach Steven Spielberg, Joe Johnston, Colin Trevorrow und Juan Antonio Bayona dieses Mal Gareth Edwards Platz genommen. Das ist schon einmal eine einigermaßen vielversprechende Personalie. Nach seinem Low-Budget-Spielfilmdebüt „Monsters“ (2010) ist er zu einem verlässlichen Franchise-Handwerker gereift, der mit „Godzilla“ (2014) und dem ersten „Star Wars“-Spin-Off „Rogue One“ (2016) zwei durchaus respektable Blockbuster unter Studiomandat inszeniert hat. Besonders letzterer, der im Fahrwasser des Sternenkrieg-Revivals „The Force Awakens“ einen zu erwartenden Milliardenerfolg an den Kinokassen verbuchen konnte, besticht durch eine ungewohnt düstere, ernsthaftere Dramaturgie, als man es von „Star Wars“ bis dahin gewohnt war. Edwards ist also ein passender Kandidat, wenn es darum geht, dem spätestens nach „Jurassic World Dominion“ endgültig ins Straucheln geratenen Dinosaurier-Franchise eine dringend benötigte Frischzellenkur zu verpassen.
Als Drehbuchautor kehrt indes David Koepp zurück. Er war es, der die ersten beiden „Jurassic Park“-Filme nach Bestsellervorlage von Michael Crichton für Regisseur Steven Spielberg geschrieben hat, die gemeinhin nach wie vor als Goldstandard in Sachen Dino-Action angesehen werden. Spielberg selbst blieb der Reihe nach seinem Rückzug vom Regieposten stets als ausführender Produzent erhalten, dennoch merkt man den Filmen, beginnend mit Joe Johnstons einfallslosen „Jurassic Park III“ (2001), herbe Qualitätsverluste an. Colin Trevorrows erster „Jurassic World“ (2015), in dem John Hammonds (Richard Attenborough) Vision eines Freizeitparks mit lebensechten Urzeitechsen endlich in die Tat umgesetzt auf die Leinwand projiziert wird, ließ in vielen Momenten wieder dieses alte „Wow“-Gefühl aufkommen, bevor die beiden Fortsetzungen von Bayona und Trevorrow selbst den Karren an die Wand gefahren haben. Als vor drei Jahren alle Hauptdarsteller – Sam Neill, Laura Dern und Jeff Goldblum aus der originalen Trilogie und Chris Pratt und Bryce Dallas Howard aus den jüngeren Teilen – zusammentrafen, um eine, ähm, Heuschreckenplage inmitten der Dino-Invasion zu bekämpfen, da schien auch noch das letzte Quäntchen kreativer und visionärer Energie flöten gegangen zu sein.

Nun, ob es wirklich nach so kurzer Zeit eines weiteren Ausflugs in eine von Menschen und Dinosauriern bewohnte Welt bedurft hätte, daran dürften sich die Geister scheiden. Nach sieben epischen Abenteuern verteilt auf 32 Jahre hat man sich irgendwann ja auch mal an den wirklich beeindruckend animierten Viechern sattgesehen. Die Wundertüte, die Spielberg damals, im Sommer 1993, auf der Leinwand platzen ließ, und die bis heute nichts von ihrer einst atemberaubenden Schönheit eingebüßt hat, sie ist ein Produkt ihrer Zeit. Wir leben immerhin in einer Welt, in der künstliche Intelligenz die Grenzen zwischen Realität und Trugschluss regelrecht schmelzen lässt. Worüber man im Kino früher staunte, das nehmen wir heute als Routineübung wahr. Und doch gelingt es Edwards und seinem Team, zumindest an manchen Stellen noch einmal so etwas wie erhabene Momente zu kreieren. Viele sind es nicht, aber sie hinterlassen zumindest einen bleibenden Eindruck.
Koepp und Edwards tun sich auch gut daran, sich gar nicht erst an die vorangegangenen Teile zu orientieren und stattdessen eine eigenständige neue Geschichte innerhalb der etablierten Diegese zu erzählen und sie mit einem interessanten Figurenpersonal auszustatten. Martin Krebs (Rupert Friend), Vertreter des großen Pharmakonzerns „ParkerGenix“ spannt die ehemalige Militär-Agentin Zora Bennett (Scarlett Johansson) für eine gefährliche Expedition auf die Insel Ile Saint-Hubert ein. Gemeinsam mit dem Paläontologen Dr. Henry Loomis (Jonathan Bailey) sollen sie die drei größten Dinosaurierspezies zu Land, zu Wasser und in der Luft aufspüren, um Biomaterial von diesen zu entnehmen, in der Hoffnung, daraus ein lukratives Heilmittel zu entwickeln, das Herzkrankheiten effektiver behandeln kann. Mit einer Bootscrew, angeführt von Kapitän Duncan Kincaid (Mahershala Ali), ein alter Freund Zoras, machen sie sich auf den Weg in die eigentlich verbotene Gegend in der Nähe des Äquators. Unterwegs stoßen sie dann aber auch auf Reuben (Manuel Garcia-Rulfo), der mit seinen beiden Töchtern, Teresa (Luna Blaise) und Isabella (Audrina Miranda), und Teresas einfältigen Freund Xavier (David Iacono) im offenen Meer treibt, nachdem ihr Boot von einem Mosasaurus angegriffen wurde. Dass die Mission alles andere als reibungslos vonstattengehen wird, nun ja, das versteht sich von selbst.

Edwards legt auch seinen „Jurassic World“-Ableger düsterer an als die Vorgänger. Er bleibt aber dennoch dem treu, was die Reihe seit jeher auszeichnet. Imposant designte Dinosaurier, die unerbittlich Jagd auf Menschen machen, denen wiederum ihre eigenen Fehler und Arroganz zum Verhängnis werden. Es gelingt ihm erstaunlich gut, Spannung aus meiner Erwartungshaltung zu generieren, und mein Wissen aus den Vorgängerfilmen oder anderen Genrebeiträgen einzusetzen, um mich bei der Stange zu halten und immer wieder aufs Neue zu überraschen. Die Actionsequenzen sind jedenfalls gut inszeniert. Auch gelingt es Edwards und Koepp, die Figuren so gut es geht zu zeichnen, dass man sie nicht als austauschbare Steine auf einem Schachbrett betrachtet, die, um den Plot voranzubringen, von einer haarsträubenden Situation in die nächste manövriert werden. Das liegt auch an ihren sympathischen Darstellern, allen voran Johansson, Ali und Bailey, die in den wenigen Charaktermomenten des Films emotionale Facetten offenlegen dürfen. Auch wenn ein jeder „Jurassic“-Blockbuster von seinen CGI-Effekten und beeindruckend animierten Dinosauriern lebt, so atmen sie doch ihre Luft von den Menschen, die wir auf diese Abenteuer begleiten.
Auch wenn dieser neue Ableger, dem wohl ziemlich wahrscheinlich noch weitere folgen werden, nicht an Spielbergs originalen Meilenstein heranreicht, so toppt dieser kurzweilige, über zweistündige Ausflug in die „Jurassic World“ doch alle anderen Teile, darunter auch den unterhaltsamen vierten mit dem Vergnügungspark im Ausnahmezustand. Allzu hohe Erwartungen hatte ich aber an den Film ohnehin nicht gesetzt.
Wertung: zweieinhalb von vier Sternen!
Trailer: