Nichts ist so unaufhaltsam wie der Tod und die Steuer – Will Ferrell lernt dies auf die harte Tour in diesem nahezu in Vergessenheit geratenen Filmjuwel

Immer mal wieder, wenn man Glück hat und seine Augen offenhält, entdeckt man ein Werk, das dermaßen vor Kreativität, Einfallsreichtum und narrativer Tiefsinnigkeit sprudelt, dass es einen nachhaltig inspiriert und noch Jahre später in guter Erinnerung bleibt. Marc Forsters erstaunlich leichtfüßiges und zugleich melodramatisches Meisterstück „Stranger than Fiction“ ist so ein Werk.
Will Ferrell glänzt in einer ungewohnt ernsten und tragischen Rolle als penibler, schnöseliger und unbeholfener Finanzbeamter Harold Crick, der eines Tages eine Stimme – jene von Emma Thompson als in einer Schreibblockade steckenden Bestsellerautorin Karen Eiffel – vernimmt, die unablässig Harolds Aktivitäten beschreibt. Sie versetzt ihn endgültig in Panik, als sie seinen baldigen Tod ankündigt. Harold konsultiert den Literaturprofessor Julius Hilbert (Dustin Hoffman), um die Autorin zu identifizieren und sie dann von ihrem diabolischen Vorhaben abzubringen. Zur gleichen Zeit verliebt sich Harold – ausgerechnet in jene junge und unkonventionelle Bäckerin, Ana Pascal (Maggie Gyllenhaal), die er einer eingehenden Steuerprüfung unterziehen muss.

Die Figuren sind allesamt nach berühmten Wissenschaftlern benannt, und auch sonst steckt Zach Helms intelligentes Drehbuch voller Anspielungen auf Wissenschaft und Kunst. Das soll aber nicht heißen, dass dies nur ein Film für Intellektuelle ist. „Stranger than Fiction“ findet die perfekte Balance: zwischen Komödie und Tragödie – was auch ein Kernthema dieses Films ist – zwischen antiker und moderner Kunst sowie zwischen Existenzialismus und Freigeistigkeit. Der Film stellt philosophische und moralische Dilemmata vor, mit denen sich jeder mehr oder weniger identifizieren kann und verpackt sie in eine ästhetisch anspruchsvolle, narrativ ausgeklügelte und äußerst unterhaltsame Tragikomödie.
Die tolle Besetzung trägt ihr Übriges zum Gelingen dieses Films bei, wobei insbesondere Ferrell hier eine transformative Performance an den Tag legt, mit der er eine gewisse Vielseitigkeit beweisen kann. Die Szene, die den Kultstatus des Films zementiert, ist sein wunderbares akustisches Gitarrenspiel zum Rockklassiker „Whole Wide World“, das nicht nur Maggie Gyllenhaal begeistert. Generell ist der Soundtrack ein bunt zusammengestelltes Sammelsurium an ohrwurmtauglichen Indie-Rock-Perlen.
Ferrell zur Seite stehen neben Gyllenhaal auch andere Charakterdarsteller in gelungenen Rollen: Hoffman bringt lakonischen Witz in seine expositorischen Dialoge. Emma Thompson, die eigentlich so gut wie jede Figur überzeugend verkörpern kann, bringt die Verzweiflung und das Chaos, welcher sich Romanautoren tagein, tagaus aussetzen, mit ihrem exzentrischen Spiel auf den Punkt, während Queen Latifah ihr als geniale Szenenpartnerin zur Seite steht. Kurzauftritte absolvieren auch Tom Hulce – bekannt durch seine furiose Performance in Milos Formans Meisterwerk „Amadeus“ (1984) – und Oscar-Preisträgerin Linda Hunt.
Für ein kurzweiliges, zum Lachen, zum Weinen und zum Nachdenken anregendes und vielleicht auch das eigene kreative Genie stimulierendes Filmerlebnis sei „Stranger than Fiction“ besonders ans Herz gelegt. Filme, die das menschliche Dasein, den Stellenwert von Kunst und Literatur in unserem Leben auf solch erfrischende und originelle Art und Weise dramatisieren, gibt es leider viel zu selten.
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