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Zum 25jährigen Jubiläum: Nicolas Cage als unsterblicher Engel verliebt sich in die bezaubernde Herzchirurgin Meg Ryan – eine der herzzerreißendsten Liebesgeschichten der 90er.

© 1998 Warner Bros. Pictures. Alle Rechte vorbehalten.

1987 ließ Wim Wenders in „Der Himmel über Berlin“ die Schweizer Schauspiellegende Bruno Ganz als Engel Damiel durch die damals noch geteilte deutsche Metropole wandern, mit seinem Kollegen Cassiel (Otto Sander) philosophieren und sich in die Trapezkünstlerin Marion (Solveig Dommartin) verlieben, welches ihn seine Existenz hinterfragen lässt. Peter Falk, als Inspektor „Columbo“ selbst unsterblich geworden, hat einen einprägsamen Gastauftritt. Angereichert mit Gedichten des späteren Literaturnobelpreisträgers Peter Handke, schafft Wenders ein poetisches Kunstwerk, leise und lakonisch.

Ein Jahrzehnt später greift Hollywood dieses Werk auf: Produzentin Dawn Steele erkennt viel mehr Story-Potenzial darin und macht sich daran, keine bloße Neuverfilmung zu machen, sondern vielmehr so etwas wie eine Neuinterpretation. Während im Original vieles unausgesprochen und unberührt bleibt, ist Brad Silberlings Film ein konventionelles, ja traditionelles Liebesdrama mit mystischen Elementen geworden. Das ist jedoch keineswegs negativ konnotiert. „City of Angels“ ist ein berührendes, herzzerreißendes und toll gespieltes Liebesdrama, welches auf eigenen Beinen stehen und sich getrost als eines der besten Exemplare seines Genres in einem Jahrzehnt ausweisen kann, das vor Beiträgen geradezu überquillt.

Seth (Nicolas Cage) wandert durch Los Angeles und begleitet Menschen auf der Schwelle vom Leben in den Tod. Bei einem dieser Gänge trifft er auf die aufopferungsvolle Herzchirurgin Maggie (Meg Ryan), die verzweifelt um das Leben ihres Patienten kämpft – ein kurzer, zufälliger Augenkontakt genügt, und es ist um Seth geschehen. Von Cassiel (Andre Braugher) lernt er, dass er Maggie in seiner menschlichen Gestalt gegenübertreten kann, wenn er dies möchte, und in Folge fühlt auch sie sich zu ihm hingezogen. Doch Seths unsterbliche, im übertragenen Sinn unmenschliche Existenz erweist sich als unüberbrückbare Hürde, die ihrer Liebe im Weg steht, und so muss er eine wichtige, bedeutsame Entscheidung treffen: soll er für Maggie seine Unsterblichkeit aufgeben und ein normales Leben in einem verletzbaren Körper beginnen? Und wird sich Seth der Konsequenzen, die seine schicksalhafte Entscheidung mit sich bringen wird, bewusst? Quintessentielle Melodramatik in Reinkultur also.

© 1998 Warner Bros. Pictures. Alle Rechte vorbehalten.

Nicolas Cage und Meg Ryan harmonieren, mehr oder weniger überraschend, sehr gut als tragische Liebende, die die Dimensionen überschreiten und bringen besondere Intensität in ihre gefühlvollen Szenen, ohne jedoch dabei über die Stränge schlagen zu müssen. Dabei darf insbesondere der für seine explosiven und exzentrischen Auftritte berühmt und berüchtigt gewordene Cage sich von seiner sensiblen und romantischen Seite zeigen und sein charakteristisches „Über-Performen“ bis auf einige wenige Augenblicke zurücknehmen. Ryan, in einer ihrer bislang letzten großen Filmerfolge, ist, wie in den meisten dieser Rollen, die sie verkörpert hat, perfekt besetzt. Dazu kommen noch Nebenrollen bekannter amerikanischer Serienstars, die die Geschichte mit interessanten Facetten bereichern: da ist Dennis Franz („NYPD Blue“), der als Maggies herzkranker Patient Nathaniel eine interessante Verbindung mit Seth hat, während André Braugher („Brooklyn Nine Nine“) als Seths einfühlsamer und aufmerksamer Engelspartner Cassiel in einigen der heitersten aber auch niederschmetterndsten Momenten als kongenialer Szenenpartner agiert.

Was den Film darüber hinaus auszeichnet, ist sein überdurchschnittlich zusammengestellter Soundtrack: neben Songs von gestandenen Musiklegenden wie Jimi Hendrix, Eric Clapton, U2 und Peter Gabriel heben sich insbesondere Alanis Morissette mit ihrer Power-Ballade „Uninvited“ und die „Goo Goo Dolls“ mit ihrem unvergesslichen Ohrwurm „Iris“ hervor.

Fans romantischer Filmkunst, die sich nicht davor scheuen, sich auch mal gepflegt die Augen wund zu weinen, sollten „City of Angels“ unbedingt in ihre Watchlist aufnehmen, denn auch wenn die 90er-Jahre – ja sogar sein Erscheinungsjahr 1998 – eine schier unendliche Auswahl an Liebesgeschichten aufzubieten haben, so verdient es dieses ergreifende und zutiefst humane Drama, mehr gesehen zu werden.

Trailer:

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