In Betrand Mandicos Meta-Satire verwandelt sich die unvergleichliche Marion Cotillard in eine todkranke Leinwanddiva, die für ein eigensinniges Science-Fiction-Epos in die ewige Stadt kommt. Exklusiv von der Viennale 2026.

Er hat schon etwas an sich, der Film „Roma Elastica“. Das Prädikat „Kunstkino“ trägt er mit viel Verve, und die überhöhte Künstlichkeit, mit der Regisseur und Autor Bertrand Mandico seinen Film über einen fragilen Filmstar inszeniert, lässt einen durchaus das ein oder andere Mal schmunzeln. Vor allem ist es eine Persiflage auf das überkandidelte Wesen des Science-Fiction-Kinos. Wie oft hat man sich Genrewerke angesehen und sich vorgestellt, welche bewusstseinserweiternden Substanzen sich die Macher vor, während und nach der Dreharbeiten hineingezogen haben müssen. Oder aber man ist so sehr vereinnahmt von dem Blick in die Zukunft, dass man die Realität der Gegenwart vernachlässigt und sich völlig der eigenen Imagination hingibt. So oder so ähnlich könnte man die Figuren in diesem Film bezeichnen. Die Figuren des Film im Film haben derweil im eigentlichen Plot keine Bedeutung und können getrost vernachlässigt werden.
„Roma Elastica“ ist die Geschichte der gefeierten US-amerikanischen Schauspielerin Eddie Mars (Marion Cotillard). Ihre Karriere ist anno 1982 aber etwas ins Stocken geraten und wir treffen sie zunächst auf dem Set eines, ich würde mal sagen, Exploitationsstreifens an. Sie weiß, dass sie womöglich nicht mehr lange leben wird und nur noch ein Filmprojekt verwirklichen wird können. In der Hoffnung, sich unsterblich zu machen, nimmt sie die Hauptrolle in einem italienischen Science-Fiction-Projekt an, das von den beiden androgynen Zwillingen Lilia (Martina Scrinzi) und Viva (Agnese Claisse) in Szene gesetzt werden soll. Mit ihrer Assistentin und verlässlichen Partnerin Valentina (Noémie Merlant) reist sie nach Rom, muss vor Ort aber feststellen, dass die Produktion alles andere als reibungslos stattfinden wird. So versucht sie, aus dem Vertrag auszusteigen, während sie sich mit der Crew volllaufen lässt.

Für Marion Cotillard ist der Part eigentlich eine Fingerübung, denn sie ist meisterlich darin, mit ihren Figuren durch alle möglichen Emotionen zu wandeln. Ihre Performance hat mich in den intensivsten Momenten an Isabelle Adjanis legendäre Dämonenperformance in Andrej Żuławskis „Possession“ (1981) erinnert. Gruslig ist das zwar nicht anzusehen, aber es zeigt einmal mehr die Furchtlosigkeit und Wandelbarkeit Cotillards. Sie hält den Film mit ihrer Präsenz und Hingabe an das bizarr-surreale Material zusammen und hat mit der nicht minder coolen Noémie Merlant eine gute Szenenpartnerin an ihrer Seite. Die beiden können dieses wilde Mischmasch aber nicht retten.
Wirklich interessant und einnehmend wird der Film zu keiner Minute, stattdessen lädt „Roma Elastica“ eher dazu ein, einfach mal sein Hirn runterzuschalten und sich auf das die Sinne überlastende Geschehen einzulassen. Wer von italienischen B-Movies oder trashigen Science-Fiction-Filmen fasziniert ist, der wird hier etwas finden, was seinem Appetit goutiert. Dazu kommen Gastauftritte zweier Legenden des italienischen Kinos, Ornella Muti als Moderatorin einer durchgeknallten Talkshow mit einem anthropomorphen Affen als Sidekick und Franco „Django“ Nero als alternder Regisseur, der sich dafür entschuldigt, dass er für einen Gehaltsscheck so einen Schund drehen muss. Dasselbe könnte man auch von den Darstellern selbst denken, von denen man weitaus besseren Geschmack bei der Auswahl ihrer Projekte erwartet.

So hinterlässt der Film einen schalen und wenig überzeugenden Nachgeschmack. Was eine lustige und hintersinnige Satire auf die exzentrische Praxis überladener Filmproduktionen hätte sein können, mutiert zu einer seltsamen Aneinanderreihung von Klischees, wodurch „Roma Elastica“ sein eigener Ansatz zum Verhängnis wird. Ein Satz mit X.
Wertung: einer von vier Sternen!
Trailer: