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Ein in die Jahre gekommener Army-Veteran und sein treuer Hund kämpfen sich durch die unwirtlichen Landschaften Alaskas. Brad Pitt und Odin auf den Spuren Jack Londons in der „Eisernen Wildnis“.

© 2026 Paramount Pictures, Constantin Film. Alle Rechte vorbehalten.

Zugegeben, ich bin kein großer Fan von David Ayer. Die Filme, die er bislang als Regisseur verantwortet hat, habe ich allesamt verschmäht und ignoriert. Unsympathische, auf Krawall gebürstete Figuren in überaus brutalen Situationen, also quasi ultimativer Macho-Modus, nein, das brauche ich nicht. Filme wie „Sabotage“ (2014) mit Arnie, sein missglückter Superschurken-Blockbuster „Suicide Squad“ (2016) mit ganz viel miesen Dialogen und, am allerschlimmsten, der abartige „The Tax Collector“ (2020) mit Shia LaBeouf sind Action-Schonkost für den billigen Grabbeltisch. Seine frühen Filme als Drehbuchautor wiederum, darunter der allererste „The Fast & the Furious“ (2001), an dem er als Ko-Autor beteiligt war und ganz besonders „Training Day“ (2001) mit dem entfesselten, Oscar-gekrönten Denzel Washington sowie dem ebenso bestechenden Ethan Hawke gefallen mir auch heute noch ganz gut. Man kann also sagen, dass ich gemischte Gefühle habe, wenn es um David Ayer geht.

Aber „Heart of the Beast“ ist nicht der typische Ayer-Film. Klar, ein ordentlich tätowierter Protagonist mit Militärhintergrund steht auch hier im Zentrum. Aber mit wie viel Feingefühl, Pathos und Herz er diesen Film inszeniert hat, hat mich schon sehr verblüfft. Wenn mir vor dem Film einer gesagt hätte, „Du wirst dir bei einem David Ayer-Film so richtig die Augen ausheulen“, ich hätte gelacht und mit dem Kopf geschüttelt. Aber nun hat er genau das zustande gebracht, und wie. Die Geschichte eines ausrangierten, von Kriegstraumata versehrten Militäroffiziers, der mit seinem treuen, ebenfalls von vergangenen Gräueln mitgenommenem Hund durch die karge Wildnis Alaskas zieht, um endlich Frieden zu finden, hat großes emotionales Potenzial und es gelingt ihm mühelos, das Versprechen einzulösen. Dafür kann er sich auch bei Drehbuchautor Cameron Alexander bedanken, dessen „Spec Script“ fast ein Jahrzehnt, nachdem es auf der „Blacklist“ der besten noch nicht produzierten Drehbücher gelistet war, endlich seine filmische Umsetzung erleben durfte.

© 2026 Paramount Pictures, Constantin Film. Alle Rechte vorbehalten.

Brad Pitt übernimmt die Hauptrolle des James Belfort, der mit seinem Hund Odin mit einem kleinen Flugzeug durch Alaska reist. Nach einer kurzen, aber schönen Begegnung mit dem Wanderer Watkins (J.K. Simmons) erleidet er in seinem Cockpit einen Herzinfarkt und landet mitten im Niemandsland. 57 Meilen trennen ihn und Odin von der Rückkehr in die Zivilisation und ihrer Rettung. Doch der Weg ist gepflastert von unsicherem Terrain und bedrohlichen Raubtieren. James und Odin haben schon im Krieg zusammengehalten wie Pech und Schwefel, aber schaffen sie es auch durch die eiserne und unbarmherzige Wildnis Alaskas?

Brad Pitts Performance hat mich stellenweise an Tom Hanks in „Cast Away“ (2000) erinnert, zumal letzterer auch über weite Strecken des Films die einzige Figur weit und breit war. Anders als Hanks hat Pitt hier natürlich einen tierischen Begleiter an seiner Seite, der, anders als Volleyball „Wilson“, auch mit seinem Herrn kommunizieren kann. Und genau diese Momente zwischen Mann und Hund machen „Heart of the Beast“ zu einem ungemein emotionalen Seherlebnis. Wer wie ich schon einmal mit einem Hund zusammengelebt hat und weiß, wie fürsorglich, treu und liebherzig Hunde mit ihren Menschen interagieren, der wird hier mehr als einmal mit den Tränen kämpfen müssen. Wie sich James und Odin gemeinsam den Gefahren stellen, ist spannend, unaufgeregt und klar inszeniert. Man spürt bei Mauro Fiores Kameraarbeit jede Verletzung, die sich James bei seinem qualvollen und von Hindernissen übersäten Trek zuzieht. Das tut manchmal beim Zuschauen sehr weh. Der minimale Einsatz von Musik – der Film beschränkt sich über weite Teile auf den Sound der Natur, idyllisch, aber trügerisch – trägt zum immersiven Erlebnis bei.

© 2026 Paramount Pictures, Constantin Film. Alle Rechte vorbehalten.

Pitt gibt an der Seite seines felligen Begleiters eine wirklich beeindruckende schauspielerische Leistung ab, die ich durchaus zu seinen besten zählen würde. Nicht nur, was den körperlichen Aspekt der kräftezehrenden Rolle betrifft, sondern vielmehr die psychologische Reise, auf die er mich als Zuschauer mitnimmt. Das macht die letzten zehn Minuten des Films zu den berührendsten und emotionalsten, die ich seit langer Zeit gesehen habe. Ich bin sicher nicht der einzige, der davon noch lange nach dem Abspann ergriffen sein wird. Hier haben Ayer, Pitt und Autor Alexander wirklich ganze Arbeit geleistet.

Ich hoffe, dass Herr Ayer nach diesem rundum gelungenen Survival-Drama auf den Geschmack gekommen ist und künftig vielleicht mehr solcher packenden Stoffe mit dem Herz am richtigen Fleck realisiert. Mit „Heart of the Beast“ hat er sich jedenfalls um Längen selbst übertroffen und mir ein Filmerlebnis beschert, von dem ich noch eine Weile zehren werde. Glückwunsch.

Wertung: vier von vier Sternen!

Trailer:

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