Skip to main content

Ein neuer Tag in Marvels Superhelden-Multiversum. Tom Holland bricht in seinem vierten Solo-Abenteuer alle Rekorde und stellt sich als einsamer Spinnenmann einer neuen telepathischen Bedrohung.

© 2026 Sony Pictures Releasing International. Alle Rechte vorbehalten.

Nach dem Ende des vorigen Abenteuers, „Spider-Man: No Way Home“ (2021), war ich sicher nicht der Einzige, der sich ein paar Fragen gestellt hatte. Wie geht es weiter? Wie hoch kann es noch gehen? Kann man das überhaupt noch übertreffen? Nun, in diesen viereinhalb Jahren ist viel Wasser unter der Brücke hindurchgeflossen, und wir wissen, dass die „Marvel Studios“ sich mit ihrer „Multiverse“-Saga gewaltig verschätzt haben. Die schiere Menge an Material, die sie sowohl in die Kinos als auch zum studioeigenen Streaming-Dienst „Disney Plus“ gebracht haben, hat nicht nur viele Fans überfordert, sondern sehr viele Zuschauer abgeschreckt. Warum soll man sich auf ein Abenteuer einlassen, wenn man davor gefühlt zig Stunden an Content gesehen haben muss, um zu verstehen, was da auf der Leinwand gerade passiert? In dieser Hinsicht ist „Marvel“ sein eigener größter Widersacher geworden.

Die Kurskorrektur, die sie sich nach den Debakeln mit dem dritten „Ant-Man“-Film und dem völlig konfusen „The Marvels“ auferlegt haben, fruchtet bislang jedenfalls ganz gut. „Deadpool & Wolverine“ (2024), das Hohelied auf die fast vergessenen Helden der Prä-MCU-Ära der 2000er war eine Rückbesinnung auf alte Stärken, nämlich Momente, die den Kinosaal komplett zur Ekstase ausrasten lassen. Das nunmehr dritte „Fantastic Four“-Reboot bestach im vergangenen Jahr durch beeindruckendes Worldbuilding, das einen wichtigen Puzzlestein für das bevorstehende „Avengers“-Doppel bildet, ohne mit einer Vielzahl aus Figuren aus allen Ecken des Marvel-Kanons aufwarten zu müssen. Ähnlich machen es nun Regisseur Destin Daniel Cretton und die „Spider-Man“-erfahrenen Drehbuchautoren Chris McKenna und Erik Sommers. Sie wussten, dass man die emotionale Achterbahnfahrt von „No Way Home“ nicht mehr toppen kann und, um das neue Kapitel im Leben Peter Parkers einzuläuten, ein paar Gänge zurückschalten müssen.

© 2026 Sony Pictures Releasing International. Alle Rechte vorbehalten.

Genau das tun sie auch in „Brand New Day“. Die Ausgangslage hierzu ist ideal. Da die Welt nach dem verhängnisvollen Klimax des letzten Teils nicht mehr über die Existenz von Peter Parker weiß, weil er Dr. Strange (Benedict Cumberbatch) aufgetragen hatte, diese für alle auszulöschen, ist er der einsame, Verbrechen bekämpfende New Yorker Pfeifdirnix, wie man ihn seit jeher kennt und liebt. Er lebt in einem ranzigen Apartment, arbeitet unermüdlich an seiner Technik und hat sich längst zu einem verlässlichen Partner des NYPD entwickelt. Seinen besten Freund Ned (Jacob Batalon) und seine große Liebe MJ (Zendaya) beobachtet er aus der Ferne, auch als sie nach vier Jahren MIT-Studium in den „Big Apple“ zurückkehren, um ihre Karrieren anzukurbeln. Dass gerade jetzt eine zunächst unsichtbare telepathische Macht auftaucht, die von Körper zu Körper springt und eine persönliche Agenda gegen das „Department of Damage Control“ hegt, macht Peters Leben nicht unbedingt leichter. Noch dazu, dass sich seine übernatürlichen Fähigkeiten rasant und unkontrollierbar weiterentwickeln.

Den Filmemachern gelingt es in der Tat, die Geschichte von Spider-Man und seinen Weggefährten auf realistische und plausible Weise weiterzuerzählen. Man versucht gar nicht erst, schnell zum Status Quo von früher zurückzukehren, sondern gibt jeder Figur einen eigenen Bogen. Das greift bei den Nebenfiguren, z.B. Ned und MJ, zwar zu kurz, zumal ihre Geschichten mit Spider-Man verzahnt sind, ist aber dennoch spannend erzählt. Peters Weg aus der selbst gewählten Isolation und der Einsamkeit, der er sich nach den Ereignissen aus den Vorgängerfilmen verpflichtet hat, führt zu einigen emotionalen Szenen, die man in derlei Intensität noch gar nicht gesehen hat. Dazu kommen die neuen Figuren in Spider-Mans eigenem kleinen Universum, die man bereits aus anderen Marvel-Stoffen kennt, hier aber erstmals direkt mit Spider-Man agieren. Es gibt Auftritte, die deplatziert wirken und einzig dem Antrieb des Plots dienen. Wirklich witzig ist besagter Auftritt in einem Swimming Pool aber nicht.

© 2026 Sony Pictures Releasing International. Alle Rechte vorbehalten.

Die größte Überraschung des Films ist für mich jedenfalls Jon Bernthals „Punisher“. Nicht nur, dass er, schon allein aufgrund seiner Brutalität und Kompromisslosigkeit, eigentlich nicht in so eine Geschichte passen sollte, so bildet er einen erstaunlich warmherzigen und humorvollen Rapport mit Spider-Man, der ein wenig an Bernthals Figur aus der vielfach preisgekrönten Dramedy-Serie „The Bear“ erinnert. Als großer Bruderersatz für Spider-Man ist er jedenfalls großartig. Auch Mark Ruffalo darf wieder einmal seinen „Hulk“ rauslassen, und das ebenfalls mit einer selten gewordenen Dramatik. Generell balanciert Cretton den Humor und das Drama gekonnt aus. Dass Spider-Man gereifter und weniger bubenhaft daherkommt, ist sicher auch Hollands eigener Reife als Darsteller zu verdanken. Und dann ist da ja noch Sadie Sink, die dem Film mit ihrer ausdrucksstarken und tragischen Präsenz ihren Stempel aufdrückt und damit ein wichtiges Signal für die Zukunft des MCU sendet. Ihre Figur ist jedenfalls ein Versprechen, deren Zusammenspiel mit Peter wirklich ergreifend ist.

Spider-Man: Brand New Day“ fühlt sich ein wenig überladen an, vor allem weil es doch sehr viele Figuren gibt, die ein wenig in der Handlung mitmischen wollen. Auch hätte man die Länge schon auch ein bisschen straffen können. Aber wie man es von dem Franchise gewohnt ist, ist es auch hier wieder ein gelungenes Abenteuer. Angenehm zurückhaltend, was das Spektakel betrifft und mit viel Charaktermomenten durchsetzt, überzeugt dieser neue Tag im Leben des Spinnenmanns. Wohin jetzt, Spider-Man?

Wertung: dreieinhalb von vier Sternen!

Trailer:

Kommentar verfassen

Entdecke mehr von Manuel Stephan

Jetzt abonnieren, um weiterzulesen und auf das gesamte Archiv zuzugreifen.

Weiterlesen