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Eine unglaubliche wahre Geschichte: Hugh Jackman trifft als abgehalfterter Gesangsimitator auf die bezaubernde Kate Hudson. Gemeinsam starten sie als Neil-Diamond-Tribute-Duo durch – mit allen Höhen und Tiefen.

© 2025 Universal Pictures, Focus Features. Alle Rechte vorbehalten.

Immer wieder dachte ich mir beim Anschauen dieses Filmes: was soll den Figuren eigentlich noch alles passieren? Nahezu alles, was man in „Song Sung Blue“ sieht, ist tatsächlich so geschehen, und wenn man das weiß, macht das etwas mit einem als Zuschauer. Oder zumindest nur mir. Es ist eine Underdog-Ballade, wie es sie in der Filmgeschichte schon so häufig gegeben hat, und ja, auch diese Tragikomödie fällt wieder in altbekannte Muster und kaut gewisse Klischees hoch, die man von solchen Geschichten einfach erwartet. Aber wenn man dieses popkulturelle Vorwissen beiseiteschieben kann, wenn man sich auf die Reise mit Mike und Claire Sardina begibt, dann bekommt man ein 132minütiges Feel-Good-Movie mit Gassenhauern zum Mitsingen und Schunkeln und mitreißenden Performances serviert, dass einem mit einem lachenden und einem weinenden Auge zurücklässt.

Mike Sardina (Hugh Jackman), Spitzname „Lightning“, trifft 1987 bei einem Jahrmarkt, wo er als hawaiianischer Entertainer Don Ho auftreten soll, die begnadete Sängerin Claire Stengl (Kate Hudson), die hauptberuflich als Hairstylistin arbeitet, in ihrer Freizeit aber gerne Lieder von Patsy Cline zum Besten gibt. Sie schlägt ihm vor, einen neuen Showact als Neil Diamond-Interpret aufzuziehen. Sie schließt sich ihm als Gesangspartnerin und Keyboard-Begleitung an, und gemeinsam treten sie bald unter dem Namen „Lightning & Thunder“ mitsamt einer ganzen Band auf. Der erste Gig, denen ihnen ihr Manager Tom (Jim Belushi) organisiert, wird zum Desaster, aber schon bald wird die Truppe zum absoluten Publikumsliebling in Milwaukee, besonders nachdem sie 1995 von Eddie Vedder persönlich als Vorgruppe für „Pearl Jam“ angeheuert werden, und mit ihm gemeinsam auf der Bühne stehen. Dann aber, 1999, wird Claire in ihrem Garten von einem Auto angefahren, wonach ihr linker Unterschenkel amputiert werden muss. Mike, seit über zwei Jahrzehnten trockener Alkoholiker, aber mit Herzproblemen, macht die ganze Sache sehr zu schaffen. Doch so leicht geben Mike und Claire, mit der Hilfe ihrer Familie und Freunden, ihren Traum von der Bühnenkarriere nicht auf.

© 2025 Universal Pictures, Focus Features. Alle Rechte vorbehalten.

Drehbuchautor und Regisseur Craig Brewer kann von Musikfilmen ein Liedchen singen, hat er doch bereits einige inszeniert. Das Oscar-nominierte Hip-Hop-Drama „Hustle & Flow“ (2005) mit Terrence Howard etwa, das Remake des 80er-Jahre-Musical-Hits „Footloose“ und der Katy-Perry-Konzert-Film „Part of Me“ (2012) stehen in seiner Vita. Außerdem verhalf er Comedy-Ikone Eddie Murphy zu einem großen Comeback mit der Biografie „Dolemite is My Name“ (2019) über Blaxploitation-Legende Rudy Ray Moore a.k.a. „Dolemite“. Er ist also genau der richtige Mann, um die Geschichte der Sardinas auf die Leinwand zu bringen, und das macht er mit viel Feingefühl. Gekonnt hält er die Balance zwischen leichtem Humor und schwerem Drama. Von beidem hat der Film mehr als genug. „Song Sung Blue“ adaptiert dabei eine gleichnamige Dokumentation über Claire und Mike Sardina aus dem Jahr 2008 von Greg Kohs.

Und wenn man schon ein Biopic über zwei stimmgewaltige Neil Diamond-Imitatoren dreht, dann braucht es auch zwei Schauspieler, die dieser Aufgabe mehr als nur gewachsen sind. Zum Glück verpflichtete Brewer mit Hugh Jackman und Kate Hudson nicht nur zwei Hollywood-Publikumslieblinge, die diese Aufstieg-und-Fall-und-Wiederaufstieg-Story transportieren können, sondern auch noch das nötige Gesangstalent mitbringen. Jeder für sich ist schon eine Naturgewalt, aber zusammen erzeugen sie wirklich Blitz und Donner. Besonders Hudson überzeugt in ihrer Rolle als leidgeprüfte Claire, die ihr mehr abverlangt als die meisten Komödien, die sie seit ihrem Durchbruch vor einem Vierteljahrhundert mit „Almost Famous“ (2000) gespielt hat. Durchaus verdienter Lohn ist also nun ihre zweite Oscar-Nominierung nach eben ihres ersten großen Ausrufezeichens mit Cameron Crowes semi-autobiografischem Rock’n’Roll-Drama.

© 2025 Universal Pictures, Focus Features. Alle Rechte vorbehalten.

Wer Neil Diamond und seine Diskografie kennt, der weiß, genauso wie Mike und Claire, dass er mehr drauf hat als nur „Sweet Caroline“, das in Kneipen und Fußballstadien auf der ganzen Welt rauf und runter gespielt wird. Als Tribut und liebevolle Hommage huldigt „Song Sung Blue“ nicht nur zwei leidgeprüfte Musiker, die sich anschickten, ihr Publikum mit einer mitreißenden Show zu unterhalten, sondern auch die inzwischen 85jährige Legende selbst. Der Film feiert die Kraft und die Magie seiner Musik, die Menschen aus allen Ecken des musikalischen Spektrums zusammenbringt und wie kaum ein anderer dafür bekannt ist, mit seinen Songs den Nerv der Zeit zu treffen. Wie es Mike Sardina in einer Videobotschaft gegen Ende des Films ausdrückt: „We’re all here doing the best we can, and if maybe we all look out for each other, be strong, and above all, be grateful, maybe we can turn things around and make the world a better place.“

Ein Feel-Good-Film zum Lachen und zum Weinen, mit Hugh Jackman und Kate Hudson in absoluter Spielfreude, und einem wunderbar aufmunternden Soundtrack, gelingt Craig Brewer zwar keine sonderlich originelle, aber dafür tief bewegende Musikerballade.

Wertung: dreieinhalb von vier Sternen!

Trailer:

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